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Stupor Mundi - Das Staunen der Welt

Stupor Mundi - Das Staunen der Welt

Comic - Geschichte | von Néjib
Bewertung: ★★★★★

Der in Tunesien geborene und mir bislang völlig unbekannte Künstler Néjib erschien dieses Jahr mit Stupor Mundi – Das Staunen der Welt im Verlag Schreiber & Leser. Die nicht von ungefähr an „Der Name der Rose“ erinnernde Graphic Novel zieht den Leser nach und nach immer tiefer in ihren Bann und entlässt einen aus diesem erst wieder wenn man das nervenaufreibende Finale hinter sich gebracht hat.

Handlung

Der Staufferkaiser Friedrich II. versammelt in Apulien alles was in Wissenschaft und Kunst Rang und Namen hat im Castel del Monte. Auf seine Einladung hin reist auch der orientalische Gelehrte Hannibal Qassim El Battuti nach Italien um dem Herrscher eine Erfindung zu präsentieren, die die Welt verändern soll. Daran ist aber nicht jedem gelegen und so sieht sich Hannibal starken Widerständen ausgesetzt, die ihn und seine Erfindung sabotieren wollen…

Bewertung

Was mich an dieser Graphic Novel reizte war der werbewirksame Vergleich mit Umberto Ecos „Der Name der Rose“. Den bezog ich nicht notwendigerweise auf die Qualität, da konnte der Band bei mir nur verlieren, rangiert die Verfilmung mit Sean Connery doch weit oben auf meiner ewigen Bestenliste (den Roman habe ich bislang leider nicht gelesen), sondern auf den Inhalt. Ich erwartete eine vergleichbare Geschichte im Spannungsfeld zwischen angeblich religiös motivierter Fortschrittsfeindlichkeit und überheblichem Vernunftsdenken.

Zu Beginn empfand ich die Erzählung etwas sprunghaft. Das lag vermutlich daran, dass anfangs noch nicht wirklich klar war aus welchen Gründen genau sich nun die handelnden Personen auf ihre weite Reise begeben hatten und was sie an ihrem Ziel erwartete. Das klärte sich aber nach und nach auf und mehr als eine Figur erhielt ausreichend Raum um entwickelt zu werden. So gab es ein knappes Dutzend schön herausgearbeiteter Charaktere. Das gefiel mir richtig gut.

Unterstützt wird die Charakterisierung auch von den Zeichnungen, die mitunter an Walter Moers erinnern, generell eher einfach gehalten sind und mit einer sparsamen Kolorierung auskommen. Umso eindrücklicher werden die Emotionen transportiert und man versinkt regelrecht in der Geschichte ohne von den Bildern abgelenkt zu werden. Diese ordnen sich der Handlung unter und tragen diese mit.

Und so gemächlich diese beginnt umso spannender wird sie mit der Zeit. Schnell wird klar, dass der „Mohammedaner“ im christlichen Zentrum der Wissenschaft alles andere als willkommen ist und mit Fortschreiten seines Projektes auf immer stärker werdenden Widerstand trifft. All dies mündet in einer Intrige, die die Beteiligten aller Seiten in Lebensgefahr bringt.

Das Finale und die „Auflösung“ wurden sehr schön entwickelt und bescheren dem Band ein nervenaufreibendes und schlüssiges Ende. Dabei gefiel mir insbesondere, dass alle Seiten recht ambivalent charakterisiert werden. Denn am Ende will jede nur eines und das ist Macht. Dafür ist dann auch jedes Mittel recht. So enthält sich der Autor ganz im Sinne der tollen Geschichte einer einseitigen Wertung. Die Schlusssätze mag ich auch darauf beziehen, wie Stupor Mundi auf mich gewirkt hat:

„Dazu wird die Entdeckung dienen, mein Kind. Der Erinnerung. Damit wir nicht vergessen.“

Damit ich die Geschichte nicht vergesse wird der Band in Kürze sicher erneut gelesen.

Für das Rezensionsexemplar geht ein herzliches Dankeschön an den Verlag Schreiber & Leser.

Fazit

Ich halte mich jetzt mal an den Werbespruch und sage, dass jeder, der Ecos Roman „Der Name der Rose“ oder dessen Verfilmung etwas abgewinnen kann, hier unbedenklich zugreifen darf. Ich wurde in meiner durchaus hohen Erwartungshaltung jedenfalls nicht enttäuscht.

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