Comic - Drama
Al-Fazia' – Das Grauen
EINLEITUNG
Manchmal stolpert man über eine Geschichte, die eine ganze Welt für immer zu verändern scheint, oder zumindest die eigene Wahrnehmung davon. Flüchtlinge, das ist ein Wort, das in unserer Gesellschaft oft mit negativen Emotionen belegt wird, mit Kosten, mit einer fremden Kultur, die angeblich über uns hereinbricht. Aber was, wenn wir uns die Mühe machen würden, einmal genauer hinzuhören, genauer hinzusehen? Was, wenn wir verstehen würden, warum Menschen fliehen, dass sie keine anonyme Masse sind, sondern Individuen mit einer harten, oft traumatischen Geschichte? Tobi Dahmens Comic leistet genau das. Er präsentiert eine erschütternde und zutiefst menschliche Geschichte über Mut, Verlust und den unerschütterlichen Glauben an Freiheit. Dieses Werk ist ein Beitrag dazu, dass wir die politische Diskussion nicht nur auf Fakten und Zahlen reduzieren, sondern im Hintergrund immer im Bewusstsein darüber führen, dass wir über Menschen sprechen, die, genau wie wir alle, auf diesem kleinen blauen Planeten friedlich und glücklich mit ihren Familien leben wollen.
HANDLUNG
Als Akram Al Saud 2010 erstmals verhaftet wird, ist er 19 Jahre alt und Architekturstudent in Aleppo. Was folgt, sind Jahre der Gewalt, der Haft und des Terrors. Dennoch lebt in ihm der ungebrochene Wille, für ein freies Syrien zu kämpfen. Tobi Dahmen hat Al Sauds Geschichte auf Grundlage persönlicher Gespräche in eindringliche Bilder übersetzt und schafft damit ein Werk, das weit über eine biografische Erzählung hinausgeht.
KRITIK
"Al-Fazia' – Das Grauen" ist kein Comic, der dem Leser leichte Kost serviert. Ganz im Gegenteil. Tobi Dahmens grafische Übersetzung von Akram Al Sauds Leben ist von einer Intensität, die einen mitreißt und oft sprachlos zurücklässt. Die Bilder sind hart, ja, gerade die Darstellungen von Folter sind kaum zu ertragen. Das macht sie aber nicht weniger wichtig. Denn hier wird nicht fiktiv Leid inszeniert, hier wird das nacherzählt, was tausendfach in der Realität stattgefunden hat und immer noch (irgendwo) stattfindet, während die Welt oft wegsieht – aus Gründen, die man sich lieber nicht zu genau ansehen möchte. Die Zeichnungen sind dabei so gestaltet, dass sie die Grausamkeit vermitteln. Sie lassen aber der Fantasie des Betrachters noch genug Raum, um die Schrecken zu erahnen, aber eben auch, um sich selbst weitere Bilder zu malen, die vielleicht noch schmerzhafter sind, weil sie aus dem eigenen Kopf stammen und die eigene Vorstellungskraft die Lücken füllt, die Dahmen bewusst offenlässt.Diese Bilder sind Zeugen von Folter, von der Brutalität des IS, vom Assad-Regime, vom Bürgerkrieg und den Einmischungen von Mächten wie den Russen. Sie zeigen ein Land, das bis ins Mark erschüttert ist, und Menschen, die dennoch eine unglaubliche Widerstandskraft entwickeln. Es ist eine Geschichte, die man aus den Nachrichten kennt – Foltergefängnisse, der Bürgerkrieg, das unermessliche Leid. Doch hier ist es keine anonyme Meldung mehr, hier ist es die erzählte Erfahrung eines echten Menschen. Manche Aspekte werden nur kurz angerissen, aber das reicht oft aus, um die volle Wucht der Zerstörung zu erfassen. Akram Al Saud war gerade einmal 19 und Architekturstudent, als er 2010 zum ersten Mal verhaftet wurde. Was folgte, waren Jahre der Gewalt, der Haft und des Terrors. Doch in ihm lebte der ungebrochene Wille, für ein freies Syrien zu kämpfen. Diese Resilienz, diese Fähigkeit, trotz aller Widrigkeiten an die Möglichkeit eines besseren Lebens zu glauben, ist es, die diesen Comic so kraftvoll macht. Es ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass auch in den dunkelsten Zeiten der menschliche Geist nicht gebrochen werden kann. Die Geschichte selbst ist fast schon bekannt, da sie oft genug in den Medien thematisiert wurde, aber die Art und Weise, wie sie hier erzählt wird, verleiht ihr eine ganz neue, persönliche Dimension. Das Land ist kaputt, doch die Menschen entwickeln immer wieder diese Widerstandskraft, diese Form von Überlebenswillen gegenüber den dunklen Machthabern. Das ist gut, das ist wichtig und leider immer wieder nötig auf diesem kleinen blauen Planeten, wo sich die Menschen doch einfach mal lieb haben könnten. Der Anhang des Comics bietet zudem wertvolles Zusatzmaterial, das beispielsweise zeigt, wie die Flucht gelang und welche Hürden überwunden werden mussten. Dies vertieft das Verständnis für die verzweifelte Lage und die mutigen Entscheidungen, die getroffen wurden.
FAZIT
"Al-Fazia' – Das Grauen" ist weit mehr als nur ein Comic; es ist ein starkes Statement für mehr Menschlichkeit und eine erschreckend ehrliche Aufzeichnung der Ergebnisse, die der Krieg in Syrien hinterlassen hat. Tobi Dahmen gelingt es mit seiner einfühlsamen und gleichzeitig unerbittlichen Darstellung, die Geschichte von Akram Al Saud so nahbar zu gestalten, dass sie jedem Leser im Gedächtnis bleibt. Die Bilder mögen brutal sein, sie mögen schmerzen, aber sie sind notwendig, um die Realität abzubilden, die hinter den oft so abstrakten politischen Debatten steckt. Es ist ein Werk, das dazu auffordert, die Flucht und die Menschen, die fliehen, nicht als Problem, sondern als zutiefst menschliches Schicksal zu begreifen. Die schiere Intensität der dargestellten Erlebnisse und die scheinbar nie endende Kette von Gewalt und Unterdrückung machen dieses Comic zu einem Zeugnis menschlicher Stärke und Ausdauer. Copyright: Carlsen
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Manchmal stolpert man über eine Geschichte, die eine ganze Welt für immer zu verändern scheint, oder zumindest die eigene Wahrnehmung davon. Flüchtlinge, das ist ein Wort, das in unserer Gesellschaft oft mit negativen Emotionen belegt wird, mit Kosten, mit einer fremden Kultur, die angeblich über uns hereinbricht. Aber was, wenn wir uns die Mühe machen würden, einmal genauer hinzuhören, genauer hinzusehen? Was, wenn wir verstehen würden, warum Menschen fliehen, dass sie keine anonyme Masse sind, sondern Individuen mit einer harten, oft traumatischen Geschichte? Tobi Dahmens Comic leistet genau das. Er präsentiert eine erschütternde und zutiefst menschliche Geschichte über Mut, Verlust und den unerschütterlichen Glauben an Freiheit. Dieses Werk ist ein Beitrag dazu, dass wir die politische Diskussion nicht nur auf Fakten und Zahlen reduzieren, sondern im Hintergrund immer im Bewusstsein darüber führen, dass wir über Menschen sprechen, die, genau wie wir alle, auf diesem kleinen blauen Planeten friedlich und glücklich mit ihren Familien leben wollen.
HANDLUNG
Als Akram Al Saud 2010 erstmals verhaftet wird, ist er 19 Jahre alt und Architekturstudent in Aleppo. Was folgt, sind Jahre der Gewalt, der Haft und des Terrors. Dennoch lebt in ihm der ungebrochene Wille, für ein freies Syrien zu kämpfen. Tobi Dahmen hat Al Sauds Geschichte auf Grundlage persönlicher Gespräche in eindringliche Bilder übersetzt und schafft damit ein Werk, das weit über eine biografische Erzählung hinausgeht.
KRITIK
"Al-Fazia' – Das Grauen" ist kein Comic, der dem Leser leichte Kost serviert. Ganz im Gegenteil. Tobi Dahmens grafische Übersetzung von Akram Al Sauds Leben ist von einer Intensität, die einen mitreißt und oft sprachlos zurücklässt. Die Bilder sind hart, ja, gerade die Darstellungen von Folter sind kaum zu ertragen. Das macht sie aber nicht weniger wichtig. Denn hier wird nicht fiktiv Leid inszeniert, hier wird das nacherzählt, was tausendfach in der Realität stattgefunden hat und immer noch (irgendwo) stattfindet, während die Welt oft wegsieht – aus Gründen, die man sich lieber nicht zu genau ansehen möchte. Die Zeichnungen sind dabei so gestaltet, dass sie die Grausamkeit vermitteln. Sie lassen aber der Fantasie des Betrachters noch genug Raum, um die Schrecken zu erahnen, aber eben auch, um sich selbst weitere Bilder zu malen, die vielleicht noch schmerzhafter sind, weil sie aus dem eigenen Kopf stammen und die eigene Vorstellungskraft die Lücken füllt, die Dahmen bewusst offenlässt.Diese Bilder sind Zeugen von Folter, von der Brutalität des IS, vom Assad-Regime, vom Bürgerkrieg und den Einmischungen von Mächten wie den Russen. Sie zeigen ein Land, das bis ins Mark erschüttert ist, und Menschen, die dennoch eine unglaubliche Widerstandskraft entwickeln. Es ist eine Geschichte, die man aus den Nachrichten kennt – Foltergefängnisse, der Bürgerkrieg, das unermessliche Leid. Doch hier ist es keine anonyme Meldung mehr, hier ist es die erzählte Erfahrung eines echten Menschen. Manche Aspekte werden nur kurz angerissen, aber das reicht oft aus, um die volle Wucht der Zerstörung zu erfassen. Akram Al Saud war gerade einmal 19 und Architekturstudent, als er 2010 zum ersten Mal verhaftet wurde. Was folgte, waren Jahre der Gewalt, der Haft und des Terrors. Doch in ihm lebte der ungebrochene Wille, für ein freies Syrien zu kämpfen. Diese Resilienz, diese Fähigkeit, trotz aller Widrigkeiten an die Möglichkeit eines besseren Lebens zu glauben, ist es, die diesen Comic so kraftvoll macht. Es ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass auch in den dunkelsten Zeiten der menschliche Geist nicht gebrochen werden kann. Die Geschichte selbst ist fast schon bekannt, da sie oft genug in den Medien thematisiert wurde, aber die Art und Weise, wie sie hier erzählt wird, verleiht ihr eine ganz neue, persönliche Dimension. Das Land ist kaputt, doch die Menschen entwickeln immer wieder diese Widerstandskraft, diese Form von Überlebenswillen gegenüber den dunklen Machthabern. Das ist gut, das ist wichtig und leider immer wieder nötig auf diesem kleinen blauen Planeten, wo sich die Menschen doch einfach mal lieb haben könnten. Der Anhang des Comics bietet zudem wertvolles Zusatzmaterial, das beispielsweise zeigt, wie die Flucht gelang und welche Hürden überwunden werden mussten. Dies vertieft das Verständnis für die verzweifelte Lage und die mutigen Entscheidungen, die getroffen wurden.
FAZIT
"Al-Fazia' – Das Grauen" ist weit mehr als nur ein Comic; es ist ein starkes Statement für mehr Menschlichkeit und eine erschreckend ehrliche Aufzeichnung der Ergebnisse, die der Krieg in Syrien hinterlassen hat. Tobi Dahmen gelingt es mit seiner einfühlsamen und gleichzeitig unerbittlichen Darstellung, die Geschichte von Akram Al Saud so nahbar zu gestalten, dass sie jedem Leser im Gedächtnis bleibt. Die Bilder mögen brutal sein, sie mögen schmerzen, aber sie sind notwendig, um die Realität abzubilden, die hinter den oft so abstrakten politischen Debatten steckt. Es ist ein Werk, das dazu auffordert, die Flucht und die Menschen, die fliehen, nicht als Problem, sondern als zutiefst menschliches Schicksal zu begreifen. Die schiere Intensität der dargestellten Erlebnisse und die scheinbar nie endende Kette von Gewalt und Unterdrückung machen dieses Comic zu einem Zeugnis menschlicher Stärke und Ausdauer. Copyright: Carlsen