Comic - Geschichte

Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix

Veröffentlicht am 09.09.2026
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Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix
Eugène Delacroix dürfte vielen vor allem durch ein Gemälde bekannt sein: „Die Freiheit führt das Volk“. Doch hinter diesem berühmten Bild steckt natürlich ein Künstler, über den es deutlich mehr zu erzählen gibt. Genau das macht Alexandre Dumas, den man wiederum durch Werke wie „Die drei Musketiere“ und „Der Graf von Monte Christo“ kennt. Ein Jahr nach Delacroix' Tod blickte Dumas auf seinen Freund zurück und erzählte von dessen Leben, seiner Kunst und den Auseinandersetzungen innerhalb der damaligen Kunstwelt. Catherine Meurisse greift diesen Text auf und verbindet ihn mit ihren eigenen Zeichnungen und Neuinterpretationen von Delacroix' Werken. Das Ergebnis ist eine ungewöhnliche Mischung aus Kunstgeschichte, persönlichen Erinnerungen und Comic.

HANDLUNG

Bekannt ist Eugène Delacroix hier vor allem als Schöpfer des berühmten Gemäldes »Die Freiheit führt das Volk«. Diese Graphic Novel lädt Leser*innen dazu ein, noch viel mehr über das faszinierende Leben und Werk des Künstlers zu entdecken. 1864, ein Jahr nach dem Tod von Eugène Delacroix, erzählt Alexandre Dumas, bekannt durch »Die drei Musketiere« oder »Der Graf von Monte Christo«, von den Erinnerungen, die seine Freundschaft mit dem großen Maler geprägt haben. Von einer Anekdote zur nächsten offenbart sich das Temperament Delacroix', ein Porträt der damaligen Zeit entsteht, in der Kunstwerke Gegenstand heftiger Debatten, intensiver Bewunderung und unwiderruflicher Ablehnung sind.

KRITIK

Wer bei Kunstgeschichte zuerst an trockene Texte und Jahreszahlen denkt, dürfte von „Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix“ zunächst einmal überrascht sein. Das liegt schon an Alexandre Dumas. Statt Delacroix' Leben einfach chronologisch abzuhandeln, erzählt er von Begegnungen, kleinen Geschichten und Anekdoten rund um seinen Freund. Dadurch lernt man nicht nur einige seiner Werke kennen, sondern bekommt auch einen Eindruck davon, wie Delacroix von einem Zeitgenossen wahrgenommen wurde.

Interessant ist dabei auch der Blick auf die damalige Kunstwelt. Heute gehören Werke wie „Die Freiheit führt das Volk“ zu den bekanntesten Gemälden überhaupt. Zu Delacroix' Lebzeiten sorgte seine Kunst dagegen für Diskussionen und Kritik. Dumas erzählt von diesen Auseinandersetzungen und von den unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie Kunst auszusehen hatte. Dadurch beschäftigt sich das Buch nicht nur mit Delacroix selbst, sondern immer wieder auch mit seinem Umfeld und der französischen Kunstszene des 19. Jahrhunderts.

Den besonderen Reiz bekommt das Buch für mich aber durch Catherine Meurisse. Sie illustriert Dumas' Text nicht einfach nur, sondern greift immer wieder bekannte Gemälde auf und interpretiert sie in ihrem eigenen Stil. Gerade beim Einsatz von Farben funktioniert das sehr gut. Einige Bilder kommen fast ohne deutliche Umrisslinien aus und leben stattdessen von ihren Farbflächen. An anderen Stellen zeichnet Meurisse dagegen bewusst einfacher und karikaturhafter.

Dieser Wechsel sorgt für viel Abwechslung. Auf eine große, farbenprächtige Seite kann eine kleine, schnell wirkende Zeichnung folgen, die eine Anekdote von Dumas aufgreift oder sich über die damaligen Kunstkritiker lustig macht. Das passt erstaunlich gut zusammen und verhindert, dass das Buch trotz seines historischen Themas zu schwer wirkt. Gerade die humorvollen Zeichnungen haben mir dabei gut gefallen.

Man sollte allerdings wissen, worauf man sich einlässt. Wer einen klassischen Comic mit einer durchgehenden Handlung, vielen Panels und Sprechblasen erwartet, bekommt hier etwas anderes. Dumas' Text nimmt teilweise sehr viel Raum ein. Auf einigen Seiten läuft seine Erzählung über weite Strecken weiter, während Meurisse sie mit einzelnen Zeichnungen begleitet.

Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, verändert aber das Lesetempo. Ich habe manche Seiten deutlich langsamer gelesen als bei einem normalen Comic. Gleichzeitig lohnt es sich, bei den Bildern genauer hinzusehen. Gerade wenn Meurisse bekannte Gemälde aufgreift, bekommt man schnell Lust, sich anschließend auch das Original anzusehen und beide Versionen miteinander zu vergleichen.

Dabei muss man Delacroix vorher nicht besonders gut kennen. Natürlich hilft es, wenn einem zumindest einige seiner Werke ein Begriff sind. Das Buch vermittelt aber auch so einen guten Eindruck davon, welche Rolle der Maler in seiner Zeit spielte und warum seine Arbeiten für Diskussionen sorgten.

Besonders gut funktioniert für mich das Zusammenspiel der verschiedenen Ebenen. Ausgangspunkt sind Delacroix und seine Kunst. Darüber liegen die Erinnerungen von Alexandre Dumas, der seinen Freund persönlich kannte und Jahre später über ihn berichtete. Und schließlich kommt Catherine Meurisse hinzu, die diesen historischen Text mehr als 150 Jahre später mit ihren eigenen Bildern interpretiert. Gerade diese Verbindung macht das Buch ungewöhnlich. Man liest einen historischen Text über einen Maler und betrachtet gleichzeitig, wie eine heutige Künstlerin dessen Werke und die Erinnerungen von Dumas für sich neu umsetzt.

FAZIT

„Alexandre Dumas erzählt die Geschichte von Delacroix“ ist eine ungewöhnliche und unterhaltsame Möglichkeit, Eugène Delacroix und die Kunstwelt seiner Zeit kennenzulernen. Besonders gut gefallen hat mir, wie Catherine Meurisse zwischen farbenprächtigen Bildern und einfachen, humorvollen Zeichnungen wechselt und damit Dumas' Erinnerungen begleitet.





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