Comic - Geschichte

Alles ist Dada

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Alles ist Dada
Alles ist DadaComic - Geschichte | mit: Fernando González Viñas und José LázaroBewertung:★★★★★ Sicherlich mag der Dadaismus nicht jedem ein Begriff sein, die Kunstwelt hingegen feiert diesen Einfluss, der eben nicht nur von Hugo Ball und weiteren Männern gegründet wurde, sondern auch von einer streitbaren Frau. Die Rede ist von Emmy Hennings. Hennings wurde leider allzu oft vergessen, wenn es um die Begründung des Dadaismus geht. In „Alles ist Dada“ erzählt der Avant-Verlag ihren Werdegang, einen steinigen Weg mit vielen Höhen und Tiefen. Handlung Emmy Ball-Hennings war vieles. Sie war Schriftstellerin, Dichterin, Muse und Angehörige der Boheme-Szene. Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts trieb sie sich daher viel in Berlin und München herum. Sie schrieb aber nicht nur Romane um Geld zu verdienen, sie schaffte auf der Straße an oder sang auf der Bühne. Als sie ihren Ehemann Hugo Ball kennenlernte, gab es für Emmy eine neue Richtung in ihrem Leben, sie war nämlich nun „Dada“. Es war die Zeit, als der Dadaismus seinen Anfang nahm…BewertungEmmy Ball-Hennings ist eine stark ambivalente Frau, die einfach ein streitbarer Charakter in der Geschichte ist. Auf der einen Seite beeindruckt ihr Wille für die Kunst. Sie möchte hoch hinaus, auf einer Bühne stehen, Gedichte schreiben und Bücher verfassen. Für diesen Wunsch nimmt sie einiges in Kauf. Viele Schauspielhäuser verkauften ihre Darstellerinnen, damit die Einnahmen besser sprudelten. Man(n) durfte zum Beispiel den Schauspielerinnen beim Umziehen zuschauen oder ein Abendessen mit ihnen einnehmen. Der Ausgang einer solchen nächtlichen Veranstaltung sollte klar sein. Um die eigene Karriere voranzubringen, mussten die Frauen mit Rezensenten schlafen oder mit einem Verleger. Das Leben war nicht rosig und der Hunger groß, von daher mögen die ergriffenen Maßnahmen hart klingen, dienten dem Überleben.

Auf der anderen Seite war der Wunsch nach Ruhm auf der Bühne so groß, dass Emmy Ball-Hennings ihre Kinder vernachlässigte. Ihren ersten Sohn hat sie bereits sehr früh verloren und sie konnte sich rückblickend nicht daran erinnern, ob sie auf der Beerdigung geweint hat. Im Comic gibt es nur eine kleine Passage, quasi ein paar Abschiedspanel. Kein Gedanke zurück. Ein Sohn gestorben, doch das Leben ging weiter. Einfach so. Schließlich war sie schon wieder schwanger von einem anderen Mann. Die Tochter war aber eher eine Last am Bein und von daher wurde sie wieder zur Oma abgestoßen. Selten wurde sie im Laufe der Handlung noch erwähnt. Erst nach der Abkehr vom Dadaismus, schloss sich der Kreis. Es ist diese emotionale Kälte, die aufschrecken lässt, die das Lebenswerk von Emmy Ball-Hennings ankratzt, es fast zum Einsturz bringt. Erst durch die Selbstreflektion kommt die Erkenntnis und versöhnlichere Töne kommen zum Vorschein.

Neben der starken Charakterzeichnung, die einfach unglaublich gut auf den Leser übertragen wird, sind es die vielen Persönlichkeiten die beeindrucken. Von Lenin bis James Joyce, irgendwie kannten sie sich alle und Emmy war oftmals eine Muse dieser Männer. Gewollt und dennoch nur ausgenutzt, missbraucht vom anderen Geschlecht. Es ist unglaublich. Die Hauptfigur ist streitbarer denn je: Ich mochte sie, ich hatte Mitleid, ich verabscheute sie und ich freute mich für sie. Das Kreativduo Fernando Gonzalez Vinas und Jose Lazaro hat es verstanden eine Biographie aus der Kunstwelt lebhaft und absolut spannend zu erzählen. „Alles Dada“ wurde von mir nicht einmal aus der Hand gelegt, ich wollte einfach wissen, was für eine Story auf der nächsten Seite wartete und war somit sehr traurig, als es dann zu Ende war, denn ich hätte ewig weiterlesen können. Das Leben von Emmy war einfach zu aufregend, um es zu beenden.

Die Zeichnungen sind ebenfalls der gehobenen Klasse zuzuordnen. Besonders aussagekräftig, dynamisch und vor allem sehr real. Im Lesefluss fühlte ich mich schon fast, als ob ich im Kino sitzen würde und mir den Film über das Leben von Emmy Ball-Hennings ansehen würde.
Fazit „Alles ist Dada“ ist ein saustarkes Biopic über eine sehr streitbare Frau der Kunstszene. Absolut empfehlenswert!!!
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