Buch - Thriller

Amokspiel

Veröffentlicht am 13.08.2026
5/5
Amokspiel
Sebastian Fitzeks „Amokspiel“ ist mittlerweile fast 20 Jahre alt und gehört zu den Büchern, mit denen der Autor seinen Ruf als einer der bekanntesten deutschen Thrillerautoren aufgebaut hat. Für mich war es tatsächlich eine Premiere, denn ich hatte „Amokspiel“ bisher noch nicht gelesen. Umso besser passte die neue limitierte Hardcover-Ausgabe, um diese Lücke endlich zu schließen.Die Ausgangslage ist typisch Fitzek und gleichzeitig ziemlich genial: Ein Geiselnehmer bringt ein Radiostudio unter seine Kontrolle und macht aus der Situation ein Spiel, bei dem ganz Deutschland unfreiwillig mitmacht. Wer zur falschen Zeit ans Telefon geht und sich mit den falschen Worten meldet, kann damit über Leben und Tod entscheiden. Eine einfache Idee, die sofort funktioniert und bei der man sich unweigerlich fragt, wie man selbst wohl ans Telefon gehen würde.Interessant ist außerdem, dass Fitzek für seinen zweiten Roman auf eigene Erfahrungen zurückgreifen konnte. Bevor er als Schriftsteller bekannt wurde, arbeitete er selbst beim Radio. Das merkt man dem Setting durchaus an und macht den Schauplatz noch einmal ein Stück interessanter.

HANDLUNG

Ein Radiostudio voller Geiseln. Und ganz Deutschland hört zu, wenn das Grauen live auf Sendung geht ...Die Spielregeln sind einfach: Jede Stunde ruft der Geiselnehmer eine zufällig ausgewählte Telefonnummer an. Meldet sich die Person mit der richtigen Parole, kommt eine Geisel frei. Meldet sie sich dagegen ganz normal mit „Hallo“ oder ihrem Namen, stirbt eine Geisel.

KRITIK

Die Grundidee von „Amokspiel“ braucht eigentlich gar nicht viel Erklärung. Ein bewaffneter Mann sitzt mit Geiseln in einem Radiostudio und irgendwo in Deutschland klingelt plötzlich ein Telefon. Die Person am anderen Ende hat keine Ahnung, dass ihre nächsten Worte darüber entscheiden können, ob ein Mensch lebt oder stirbt. Das ist fies, simpel und funktioniert als Ausgangspunkt für einen Thriller hervorragend.Und Fitzek verliert keine große Zeit. Die Geschichte kommt schnell in Fahrt und hält das Tempo über weite Strecken hoch. Dabei arbeitet er schon hier mit dem Mittel, das man aus seinen späteren Büchern nur zu gut kennt: Kaum glaubt man zu wissen, wohin die Reise geht, kommt die nächste Wendung. Natürlich funktioniert nicht jeder Twist gleich gut und manchmal merkt man schon, wie sehr Fitzek den Leser unbedingt auf eine falsche Spur schicken möchte. Mich hat das aber kaum gestört. „Amokspiel“ hat mich trotzdem immer wieder überrascht.Dazu passen die kurzen Kapitel. Fitzek weiß ziemlich genau, wann er einen Schnitt setzen muss, damit man eben doch noch ein Kapitel liest. Und dann noch eins. Gerade zum Ende eines Kapitels passiert häufig etwas, das die bisherige Situation wieder auf den Kopf stellt. Das ist vielleicht kein besonders subtiler Trick, aber verdammt wirkungsvoll. Wer schon andere Bücher des Autors gelesen hat, wird vieles davon wiedererkennen.Spannend fand ich auch, wie sich „Amokspiel“ im Vergleich zu Fitzeks neueren Romanen liest. Sein Stil hat sich über die Jahre natürlich verändert, aber viele seiner heutigen Markenzeichen waren bereits damals vorhanden. Das hohe Tempo, die kurzen Kapitel, falsche Fährten und Wendungen gehören schon hier fest zum Konzept. Teilweise wirkt der Roman dadurch sogar wie eine Art Blaupause für das, was später noch folgen sollte.Die Figuren funktionieren ebenfalls gut, auch wenn für mich ganz klar die Handlung im Vordergrund steht. Durch die Geiselnahme entsteht automatisch eine Nähe zu den Beteiligten. Man weiß schließlich nie, wer das nächste Opfer sein könnte. Gleichzeitig bleibt die Geschichte nicht ausschließlich im Radiostudio. Nach und nach kommen weitere Themen ins Spiel und aus der zunächst recht überschaubaren Geiselnahme entwickelt sich eine deutlich größere Geschichte.Dabei greift Fitzek unter anderem organisierte Kriminalität und Korruption auf. Das sorgt für zusätzliche Wendungen, macht die Handlung stellenweise aber auch ziemlich voll. Mir persönlich hätte an der einen oder anderen Stelle etwas weniger gereicht. Gerade die ursprüngliche Idee mit dem Radiosender ist bereits stark genug, um einen ganzen Thriller zu tragen. Trotzdem schafft es Fitzek, die verschiedenen Fäden am Ende zusammenzuführen.Was mir ebenfalls gefällt: Trotz des Alters wirkt die Ausgangsidee heute noch erstaunlich gut. Natürlich merkt man an einigen Stellen, dass der Roman aus einer anderen Zeit stammt. Gerade die zentrale Frage, wie Menschen ans Telefon gehen und welche Rolle das Radio spielt, würde man heute wahrscheinlich etwas anders erzählen. Der eigentliche Gedanke dahinter hat aber nichts von seiner Wirkung verloren.Und dann wäre da noch die neue Sonderausgabe. Die hat letztendlich auch dafür gesorgt, dass ich „Amokspiel“ endlich nachgeholt habe. Optisch macht das Hardcover einiges her und passt wunderbar zu den anderen Sondereditionen von Fitzek. Wer das Buch bereits besitzt, braucht die Geschichte natürlich nicht noch einmal. Für Sammler oder Leser wie mich, die „Amokspiel“ bisher ausgelassen haben, ist diese Ausgabe aber eine schöne Gelegenheit, den Roman ins Regal zu stellen.Nach der letzten Seite kann ich jedenfalls gut verstehen, warum „Amokspiel“ zu den Büchern gehört, mit denen Fitzek seinen Erfolg früh festigen konnte. Nicht jede Wendung sitzt perfekt und an manchen Stellen trägt die Geschichte vielleicht etwas zu dick auf. Aber das gehört inzwischen fast genauso zu Fitzek wie seine Cliffhanger. Entscheidend ist für mich, dass ich weiterlesen wollte – und genau das hat „Amokspiel“ geschafft.

FAZIT

„Amokspiel“ zeigt schon sehr deutlich, was Sebastian Fitzek später zu seinem Markenzeichen gemacht hat: kurze Kapitel, hohes Tempo, fiese Cliffhanger und ständig neue Wendungen. Besonders die Idee rund um das gekaperte Radiostudio funktioniert auch heute noch richtig gut. Manchmal ist mir die Geschichte etwas zu voll und nicht jeder Twist hätte unbedingt sein müssen. Der Spannung schadet das allerdings nur wenig. Ich hatte das Buch bisher tatsächlich noch nicht gelesen und bin froh, es mit der schicken Sonderausgabe endlich nachgeholt zu haben. Für Fitzek-Fans und Thriller-Leser definitiv einen Blick wert.
Copyright: Droemer HC
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