Game - Strategie

Anno 1800

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Anno 1800
Anno 1800Game - Strategie | mit: Martin Wallace Bewertung:★★★★★ Die beliebte Videospielreihe kommt nun als Brettspielvariante in die Läden und das ist auch gut so! Es gibt immer mal wieder gelungene Umsetzungen von der digitalen auf die analoge Welt und „Anno 1800“ gehört definitiv dazu. Wer schon seit Jahren die Reihe verfolgt oder nur bei einem der letzten Versionen süchtig geworden ist, der wird das Brettspiel ebenfalls mögen.

Als Autor hat sich der „Kosmos Verlag“ keinen geringeren als Martin Wallace an Land gezogen. Wallace hat schon oftmals unter Beweis gestellt, dass er Strategiespiele entwickeln kann, die durchaus durch ihre Komplexität aufgefallen sind. Handlung „Anno 1800“ ist ein Strategiespiel, welches mit zwei bis vier Spielern zu zocken ist. Es geht darum, dass man eine Bevölkerung aufbaut. Diese gilt es zu versorgen. Zunächst stehen die Grundbedürfnisse, wie zum Beispiel Nahrung auf dem Plan. Doch mit zunehmender Dauer verlangt das Volk nach Luxusgütern. Es ist nun unsere Aufgabe, diese zu besorgen oder zu erwirtschaften. Dabei müssen komplexe Industrieketten aufgebaut oder ein Handelsnetzwerk auf die Beine gestellt werden. Es kann aber immer sein, dass auf einmal eine Störung in dem gewohnten Ablauf auftritt - vielleicht hat ein Mitspieler eine Ware nicht geliefert - und dann sind wir gefragt, für Ersatz zu sorgen.
BewertungAufbau- und Strategiefans aufgepasst! „Anno 1800“ kommt und legt einen Traumstart hin. Das Schöne ist, dass es sich um ein „Kenner-Spiel“ handelt. Es ist also nicht so komplex wie zum Beispiel „Kolonistin“ und so gelingt der Einstieg recht gut. Das Regelwerk ist umfangreich, jedoch schnell zu erlernen, insbesondere daher, weil viele unter uns sicherlich mit der PC-Version vertraut sind.

Das Spiel an sich gestaltet seinen Beginn auch recht gut, denn jeder bekommt einen gut ausgestatteten Pool von Materialen, sodass es gleich losgehen kann ohne langes Hin und Her. Im Laufe der Partie werden wir vor einige Herausforderungen gestellt. Wir müssen unsere Managementqualitäten unter Beweis stellen. Es gibt einige Dinge zu beachten. Konzentrieren wir uns lieber auf den Rohstoff X oder lieber auf Y? X könnten wir vom Mitspieler bekommen und Y dann selbst anbauen. Doch was ist, wenn wir X nicht mehr geliefert bekommen? Wie kommen wir an Ersatz. Gerade der Handelszweig ist sehr interessant aufgebaut und gibt „Anno 1800“ verschiedene Richtungen, macht das Game also dynamisch.

Vom Prinzip her, ist „Anno 1800“ relativ simple aufgebaut: holen -> entwickeln. Jedoch greifen einige Stellschrauben, die uns das Leben (glücklicherweise) etwas schwieriger machen. Die veranschlagte Dauer von 120 Minuten ist dabei als realistisch anzusehen, sofern alle Regeln in Fleisch und Blut übergegangen sind - logisch. Die Frage nach der Anzahl der Mitspieler ist einfach zu beantworten. In meinen Augen solltet ihr mindestens drei Leute sein. Es gilt das Motto: Um so mehr, desto besser. In Zeiten von Corona ist dies nicht immer so einfach, doch auch dafür ist „Anno 1800“ perfekt, denn der kleine Wermutstropfen ist, dass sich das Spiel nicht gerade in den Dauerzockmodus stellen lässt. Übersetzt bedeutet das, dass nach ein oder zwei Runden die Luft ein wenig raus ist. Nach einigen Wochen Abstand wird jedoch die Lust wieder steigen, sodass sicherlich (natürlich nicht getestet) die Spiellust auf „Anno 1800“ wieder kommt. Ganz bestimmt.

Das Material ist wunderschön gestaltet. Es gibt Tablos - ich liebe solche Teile einfach -, die unsere Weiterentwicklungen anzeigen. Auch die Bevölkerungskarten, die nach dem Schema „vom Tellerwäscher zum Millionär“ aufgebaut sind. Hier fängt das Volk nur mit dem Status Bauer an und am Ende der Nahrungskette stehen die Investoren. Kapitalismus pur, der aber den Nerv der Zeit trifft. Was nicht so ganz getroffen wird, sind irgendwelche negativen Auswirkungen des britischen Empires. Die fehlende Sklaverei sei hier ein zentrales Stichwort, die aber auch in den Videogames vollkommen ausgeblendet wurde.

Zu guter Letzt noch ein kleiner Kritikpunkt: In meinen Augen hätte es noch ein paar mehr Auftragskarten geben können. Weitere Variablen - auch im Hinblick auf den Wiederspieleffekt - hätten „Anno 1800“ gut zu Geschichte gestanden.


Fazit „Anno 1800“ ist ein tolles Strategie- und Aufbau, welches Fans der Videospielreihe sicherlich gefallen wird.
Achtung - Hinweis zur Anleitung
In der Anleitung steht, dass vorgedruckte Start-Industrien von ihren Alternativen überbaut werden müssen, weil jede Industrie nur höchstens einmal besessen werden darf. Tatsächlich sind damit aber identische Industrien gemeint. Da die Alternativen der Start-Industrien nicht identisch zu diesen sind (die entsprechenden Start-Industrien erfordern Handwerker, während ihre Alternativen Arbeiter erfordern), dürfen jeweils beide gebaut werden.
ZURÜCK INS ARCHIV