Buch - Drama

Besser allein als in schlechter Gesellschaft: Meine eigensinnige Tante

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Besser allein als in schlechter Gesellschaft: Meine eigensinnige Tante
Besser allein als in schlechter Gesellschaft: Meine eigensinnige Tante Buch - Drama | mit: Adriana Altaras Bewertung:★★★★★ Adriana Altaras ist nicht nur Autorin, sondern auch Schauspielerin, Theater- und Opernregisseurin. Sie ist in der Welt der Kunst verankert und schreibt mit "Besser allein als in schlechter Gesellschaft: Meine eigensinnige Tante" nicht ihren ersten Roman. Dabei hat sie sich als Jüdin schon immer mit ihrer Familiengeschichte auseinandergesetzt. Dass diese rückblickend nicht immer auf Rosen gebettet war, sollte jedem Geschichtsbewussten klar sein. Als Leser erkennt man dabei jedoch eine gewisse Leichtigkeit, sodass ein vielleicht vorhandener Konflikt zumindest nicht im Vordergrund steht. Warum mir das vorliegende Buch gefallen hat, erfahrt ihr ein Stück weiter unten. Handlung Adriana Altaras erzählt von ihrer Tante, der schönen Teta Jele. Von einer Frau, die 101 Jahre alt wurde, die spanische Grippe, das KZ und ihre norditalienische Schwiegermutter überlebte. Von einer so liebevollen wie eigensinnigen Beziehung. Und davon, wie man lernt, das Leben anzunehmen.

Als ihre Eltern aus Zagreb fliehen müssen, kommt Adriana mit vier Jahren zu ihrer Tante nach Italien. Dorthin wird sie ihr Leben lang zurückkehren. Als Jugendliche in den Sommerferien, mit ihrer gesamten Abiklasse – und mit all ihren Liebhabern, die Tantchens aristokratischem Blick standhalten müssen. Und auch als Adrianas Mann sie nach dreißig Jahren Ehe verlässt, ist es ihre 98-jährige Tante, die ihr am Gardasee mit jeder Menge Pasta, pragmatischen Ratschlägen und Barbesuchen zur Seite steht.

Ausgerechnet Teta Jeles hundertsten Geburtstag können sie nicht miteinander feiern. Adrianas Tante ist im Pflegeheim, wegen der Pandemie darf sie keinen Besuch empfangen. Umso häufiger telefonieren die beiden miteinander. Und lassen dabei Jeles Jahrhundertleben Revue passieren. Die Kindheits- und Jugendjahre in Zagreb, die Rettung durch Giorgio, der die Tante nach Mantua brachte und den sie nur aus Dankbarkeit heiratete. Die Liebe zu Fritz Epstein, der rechtzeitig nach Australien floh. Den Umgang mit dem Altwerden und der eigenen Geschichte inmitten des Weltgeschehens.BewertungWas unsere Großeltern erlebt haben, es ist schon gigantisch. Dabei ist das nicht gemeint, dass ich gleiches erleben möchte. Zumindest Krieg und Flucht möchte ich nicht selbst durchmachen. Ein Wirtschaftswunder vielleicht schon eher. Auf jeden Fall sind die letzten 100 Jahre sehr verblüffend und schnelllebig gewesen. Der Volksmund sagt daher auch nicht zu unrecht, dass, wenn ein älterer Mensch von uns geht, dass eine ganze Bibliothek geschlossen wird.

Dennoch sind es auch Kontraste in der Lebensweise, in der Art Dinge anzufassen. Es ist ein Leben der Tante, dass irgendwo hinführte, dass teilweise extrem war, was man auch merkt. Bei den Geschichten über ihr Auftreten, ihr Verhalten gegenüber anderen und den Dingen dieser Welt. Immer und immer kommt eine gewisse Einfälligkeit zum Vorschein. Die Tante kann nicht verzeihen. Es wäre aber ein wichtiger Schritt gewesen, bestimmte Dinge hinter sich zulassen. Dadurch hat das Buch auch seinen Titel bekommen.

"Besser allein als in schlechter Gesellschaft" ist ein gefühlvoller, schöner Roman. Er ist warmherzig, zeugt aber gleichzeitig von Melancholie. Trifft mit seinem gekonnt eingestreuten Humor aber auch immer wieder den Leser und lädt ihn ein, teilzuhaben, an dem Leben der Tante. Dabei ist der Witz recht trocken aber wohlplatziert. Was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass - zumindest mir - die Tante zunehmend recht unsympathisch daher kommt. Fazit "Besser allein als in schlechter Gesellschaft" ist ein tolles Buch, welches meine Erwartung übertroffen hat. Der Schreibstil von Adriana Altaras gefällt mir und ich denke, dass ich mir noch mehr Werke von ihr ins Regal stellen werde.
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