Comic - Drama

Betty Boob

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Betty Boob
Betty BoobComic - Drama | mit: Véro Cazot (Autorin) und Julie Rocheleau (Zeichnerin)Bewertung:★★★★★ Der Comic „Betty Boob“ weckt nette Erinnerungen an das Graphic Novel „Ein Ozean der Liebe“, die beide beim Splitter Verlag erschienen sind, in mir. Beide kommen nämlich ohne Sprache aus. Für den normalen Leser gebildeter Romane vielleicht etwas ungewöhnlich, dennoch versprühen solche Ausgaben ungewohnte Reize und - zumindest erging es mir so - man beschäftigt sich einfach intensiver mit den Zeichnungen. Plötzlich wird jedes kleine Detail begutachtet und so genießt man viel mehr. Kein Wunder, dass ich für diese prachtvolle Ausgabe fünf Sterne vergebe. Handlung Sie hat ihre Brust verloren. Sie musste gegen den Krebs kämpfen und hat dadurch diesen vermeidlichen Schönheitsmarkel hinnehmen müssen. Kurioserweise ändert sich ihr Leben dadurch komplett. Zunächst erscheint es so, dass das Schicksal es nicht gut mit ihr meint, sie ist am Boden zerstört, doch dann erkennt sie durch ihren Verlust die wahre Freude und Schönheit des Lebens, weit weg von Schein und Sein. Job und Freund sind weg, doch es ist auch ein Anfang. Trailer BewertungDie Autorin Véro Cazot hat sich ein sehr ernstes Thema zu eigen gemacht. Brustkrebs. Ihre Geschichte erzählt aber nicht vom Kampf gegen den Krebs, sondern von der Konfrontation der Gesellschaft mit den Folgen der Krankheit. Angefangen mit dem Freund, der einfach nicht damit klar kommt, dass seine Freundin nicht mehr zwei Brüste hat. Die fehlenden Haare stören ihn zwar auch, aber da gibt es ja zumindest eine Perücke. Natürlich lässt ihn seine Entscheidung nicht kalt, er hat Gewissensbisse, doch aushalten kann er es auch nicht mit ihr. War wohl nicht der richtige Mann, denn beim Vers „In guten und in schlechten Zeiten“ hätte er wohl passen müssen…


Zunächst zeigt uns Cazot eine Frau die Angst har und tieferfundene Scham zeigt. Ihr Körper entspricht nicht mehr der Norm, sie ist anders und damit muss man erst einmal klar kommen. Erst die Flucht und die zufällige Begegnung mit neuen, offenen Leuten lädt sie zum Umdenken ein. Aber auch der Prozess geht nicht einfach von der Hand, sie trägt weiterhin ihre Dämonen mit sich herum. Das Ende zeigt aber auf überspitzte Art und Weise, was eine starke Frau bewirken kann. Für diese tolle Leistung gab es für „Betty Boob“ im Jahr 2017 den "Prix BD FNAC" (französischen Buchhandelspreis für Comics). Stark!

Neben der Handlung, die fast ohne Text auskommt, es gibt ein paar Seiten die gelesen werden müssen, sind es die Zeichnungen von Julie Rocheleau die überzeugen. Es ist die Verspieltheit die ins Auge sticht. Sofort und ohne Umschweife, bereits auf den ersten Seiten. Krebse kommen im Schlaf und dringen ganz unbemerkt in den Körper der jungen Frau ein. Sie liegt nackt mit ihrem Kerl im Bett. Es hätte auch ihn treffen können. Eine Krankheit kann man nicht verhindern, nicht vorhersehen, sie kann in jedem von uns ausbrechen. Die Krebse entreißen ihr letztendlich die Brust, nicht brutal und intensiv. Diese Szenen erhält sogar ein Großformat und erstreckt sich über die komplette Seite. Darüber hinaus schafft es Rocheleau die Geschichte zu erzählen. Jede Kleinigkeit ist auf einmal wichtig, denn die Leser werden sich auf sie konzentrieren. Die Panels machen traurig, wütend oder lassen uns lachen. Ein tolles Wechselbad der Gefühle.
Fazit „Betty Boob“ kommt mit einem ernsthaften Thema daher und kann dennoch mit Leichtigkeit überzeugen. Die Hauptdarstellerin ist einfach so sympathisch, dass man gar nicht anders kann, als sie zu mögen. Die tollen Zeichnungen sorgen in dem (fast) textlosen Comic für das gewisse Etwas. Im Gesamten ergibt das die Geek Whisper Bestnote von fünf Sternen.
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