Comic - Drama

Bunny war Böse

Veröffentlicht am 13.04.2026
4/5
Bunny war Böse
Manchmal stolpert man über Werke, von denen man im Vorfeld noch nie etwas gehört hat, die aber gerade deshalb eine ganz eigene Faszination ausstrahlen. Lilli Loge, Jahrgang 1979, eine Künstlerin, die nach ihrem Studium der Freien Kunst an der HFBK Dresden seit 2003 mit queer-feministischen Tijuana Bibles und experimentellen Comics im Eigenverlag auf sich aufmerksam macht – diese Beschreibung hat mich neugierig gemacht. Eine Künstlerin, die eigene Wege geht, und eine Geschichte über Freundschaft, die auf die Probe gestellt wird – das sind Zutaten, die ein faszinierendes Leseerlebnis versprechen können. Ich bin gespannt.

HANDLUNG

Die drei Freundinnen Bea, Chantal und Zoe arbeiten in einem Einkaufszentrum, das seine besten Tage hinter sich hat. Sie verbringen die Pausen zusammen und haben eine innige Beziehung entwickelt. Bea bewundert ihre Freundinnen für ihre starken Persönlichkeiten. Sie selbst wirkt dagegen eher blass und ist gelegentlich das Ziel von Spott und Herabsetzungen.Als Bea unerwartet fünf Millionen Euro im Lotto gewinnt, steht sie plötzlich im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit ihrem neuen Status ist sie überfordert. Auch Chantal und Zoe können mit der neuen Dynamik nicht umgehen und versuchen, Bea wieder in ihre alte Rolle zu drängen. Obwohl ihr doch jetzt vermeintlich alle Möglichkeiten offenstehen, fühlt Bea sich in ihrem neuen Leben gefangen.Wird die Freundschaft der drei Frauen diese Krise überstehen?

KRITIK

"Bunny war Böse" ist eine Graphic Novel, die, das muss man gleich vorwegschicken, definitiv kein sanftes Streicheln für die Seele ist. Es ist eine Geschichte, die sich in die dunkleren Ecken menschlicher Beziehungen wagt, und genau das macht sie so spannend. Der Kern der Erzählung liegt in der Freundschaft zwischen Bea, Chantal und Zoe, drei Frauen, die ihren Alltag in einem etwas heruntergekommenen Einkaufszentrum bestreiten. Hier, im Schatten vergangener Glanzzeiten, entwickeln sie eine innige Bindung, eine Gemeinschaft, in der Bea, die sich selbst eher blass und unsicher wahrnimmt, ihre Freundinnen für ihre Stärke bewundert, auch wenn sie dadurch manchmal zum Ziel ihrer Spötteleien wird. Diese Dynamik zwischen den Charakteren ist es, die die Geschichte von Anfang an trägt. Loge schafft es, diese Beziehungsschichten freizulegen, und wenn Bea dann unerwartet fünf Millionen Euro im Lotto gewinnt, beginnt das eigentliche Drama. Die plötzliche Aufmerksamkeit und das neue Selbstbewusstsein der Hauptfigur, das sie sichtlich überfordert, wirbeln nicht nur ihr eigenes Leben durcheinander, sondern auch das ihrer Freundinnen.Chantal und Zoe können mit dieser veränderten Machtbalance offensichtlich nicht umgehen. Ihr Versuch, Bea wieder in ihre alte, passive Rolle zu drängen, wirkt beklemmend realistisch und spiegelt oft die subtilen, aber wirkmächtigen Mechanismen wider, die in vielen Freundschaften existieren, wenn sich die Umstände ändern. Man spürt förmlich die Eifersucht, die Unsicherheit und die Angst vor dem Verlust der gewohnten Ordnung. Bea fühlt sich trotz des scheinbar unendlichen Potenzials, das ihr der Gewinn eröffnet, gefangen, gefesselt von den Erwartungen ihrer Freundinnen und den eigenen Schuldgefühlen. Diese psychologische Tiefe ist es, die "Bunny war Böse" über eine reine Unterhaltungsgeschichte hinaushebt. Es ist ein sozialer Kommentar, der Themen wie Neid, Abhängigkeit und toxische Beziehungen beleuchtet, ohne dabei mit dem moralischen Zeigefinger zu wedeln. Die Graphic Novel ist keine Wohlfühllektüre; sie konfrontiert den Leser mit unangenehmen Wahrheiten über zwischenmenschliche Abhängigkeiten und die Zerstörungskraft von Neid.Visuell fügt sich die Atmosphäre der Zeichnungen nahtlos in die Handlung ein. Die bedrückende Stimmung des heruntergekommenen Einkaufszentrums, die oft nur spärlich beleuchteten Szenen und die teils expressiven Charakterdesigns tragen dazu bei, das Gefühl der Beklemmung und des Unbehagens zu verstärken, das die Geschichte durchzieht. Die Figuren sind komplex gezeichnet, besonders Bea, deren innere Zerrissenheit, ihre Unsicherheit und ihre Schuldgefühle für den Leser nachvollziehbar dargestellt werden. Dies ist kein Comic, bei dem man einfach entspannt durchblättert. Der Fokus liegt stark auf den inneren Konflikten und Dialogen, was die Handlung streckenweise als langsam oder zäh empfinden lassen mag. Wer hier schnelle Action oder oberflächlichen Humor erwartet, wird enttäuscht sein. "Bunny war Böse" zwingt einen, über die eigenen Beziehungen und die Machtdynamiken, die darin am Werk sind, nachzudenken.

FAZIT

"Bunny war Böse" ist zweifellos eine Graphic Novel für Leser, die tiefgründige, Geschichten schätzen.
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