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Colony Staffel 1

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Colony Staffel 1
Colony Staffel 1Filme und Serien | mit: mit: Josh Holloway (Lost), Sarah Wayne Callies (The Walking Dead), Peter Jacobson (Dr. House)Bewertung:★★★★★ Die Sci-Fi-Serie Colony wurde in den USA von 2015 bis 2018 ausgestrahlt und nach drei Staffeln nicht weitergeführt. In Deutschland lief Staffel 1 erstmals Ende 2017 auf dem Pay-TV-Sender „TNT Serie“. Nun ist diese aber auch auf DVD und Bluray erhältlich. Handlung Katie und Will Bowman leben in Los Angeles, das seit dem Angriff durch fremde Invasoren in durch riesige Mauern abgeriegelte „Blocs“ unterteilt ist. In diesen Blocs sorgt eine Spezialeinheit, die „Rothüte“, im Namen einer Übergangsregierung für Ordnung. Doch die Ordnung und das brutale Handeln des autoritären Regimes sorgt für Unmut in Teilen der Bevölkerung. Es formt sich ein Widerstand, dem sich auch Katie Bowman anschließt. Will hingegen wird gezwungen sich der Regierung anzuschließen, um den Widerstand zu zerschlagen. Das Druckmittel des Politikers Alan Snyder: Will und Katies Sohn Charlie ist seit dem Angriff vor einem Jahr in einem anderen Bloc gefangen. Snyder verspricht Charlie mit seiner politischen Macht zurückholen zu können. Doch Korruption und sich überschlagende Ereignisse machen die Situation schwierig. Wer kann wem trauen und wie schafft es Katie im Widerstand unentdeckt zu bleiben, obwohl ihr eigener Mann nun auf der anderen Seite arbeiten muss? Trailer BewertungEins vorweg: Es fällt mir verdammt schwer „Colony“ in Worte zu fassen. Die Serie ist voll von Ansätzen und Thematiken, die leider häufig entweder in ihrer jeweiligen Situation fehl am Platz wirken, oder aber nicht ganz zu Ende gedacht und inszeniert werden. Gleichzeitig machen mich gerade die letzten zwei Folgen der 10 Folgen umfassenden ersten Staffel neugierig auf die Fortführung. Die acht Folgen davor wiederum haben mich meist etwas irritiert und wenig überzeugt zurückgelassen.
Im Kern der Serie steht die Thematik um ein autoritäres Regime, dass aber selbst glaubt, das Richtige zu tun, um die Bevölkerung in Ordnung zu halten, um den Zorn der fremden Invasoren nicht heraufzubeschwören. Wer diese Invasoren genau sind und was sie getan haben, um die aktuell herrschende Situation zu erzeugen, wird immer nur so vage angedeutet, dass kaum die Spannung und Neugier aufkommt überhaupt wissen zu wollen, was da hinter steckt. Es werden in der ersten Hälfte der Staffel immer nur in Dialogen einzelne Wortschnipsel fallen gelassen, die in dem Moment dann eher verwirren als Neugier zu wecken. Gleichzeitig ist das Regime aber brutal und mordet und tut das alles unter einer roten Flagge mit weißem Kreis und schwarzem Symbol. Diese klare Nazi-Referenz wird aber nie thematisiert und wirkt daher reichlich plump. Natürlich sollen Parallelen zum Hitler-Regime gezogen werden, doch sowohl die Verantwortlichen des Regimes, als auch die Widersacher erwähnen diese nicht. Sichtbar wird nur die Brutalität der Überwachung was die Nazi-Symbolik dann irgendwie willkürlich erscheinen lässt.
Eine zweite große Problematik in einer der Kernthematiken der Serie sehe ich in der Beziehung von Will und Katie. Sie stehen – zugegeben gezwungenermaßen – auf den zwei sich gegenüberstehenden Seiten des Kampfes. Will selbst lässt sich aber kaum anmerken, dass dies ein großes Problem ist. Über einen Großteil der Serie hinweg versucht er trotz den durch seinen neuen Job gewonnen Freiheiten und Zugänge nicht wirklich in seinem alten Leben gutes zu tun. Er hätte aber viel häufiger die Möglichkeit dazu. Nur hier und da lässt er Informationen nach Außen dringen. Will ist kein Held oder Idealist, wie es seine Frau zu sein versucht. Als Argument schiebt er die Angst vor dem Regime, den Wunsch seinen Sohn zurückzuholen und dass ihm die Hände gebunden sind vor, doch haben die Macherinnen und Macher der Serie versäumt dies emotional umzusetzen. Stattdessen ist Will ein brachialer Haudrauf-Protagonist á la Liam Neeson in den meisten seiner Filme, nur dass er eben „gezwungen“ für die falsche Sache kämpft.
Oder ist das gar nicht wirklich die falsche Sache? Denn hier versucht die Serie sich politisch und gesellschaftskritisch (wenn auch dystopisch) und komplex darzustellen. Mehr und mehr wird deutlich, dass auch höherrangige Angestellte des Regimes ihre eigenen alltäglichen Probleme haben und teils tatsächlich überzeugt sind noch irgendwie das Richtige zu tun. Bloc-Stellvertreter Snyder beispielsweise äußert mehrfach verglichen mit anderen Bloc-Führungen noch die „humane“ Alternative zu sein. Dass diese Auseinandersetzung um das „Gut“ und das „Böse“ aber im Grunde unter einer Art Naziflagge stattfindet, finde ich doch sehr befremdliche und ein bisschen problematisch. Denn tatsächlich sorgen die nachdenklichen Momente in den Offiziellen des Gewaltregimes selten dafür, dass sie doch am Ende gutes tun oder zumindest deutlich mit ihrer Rolle hadern. Auf emotionaler Ebene hat die Serie meiner Meinung nach einiges an Potenzial liegen gelassen.
Interessant macht die Serie das generelle Setting. Die Überwachung der Bevölkerung findet mittels Drohnen und Ausgangssperren am Abend und in der Nacht statt und fehlverhalten wird brutal bestraft. Die Stadt ist aber nur teilweise heruntergekommen. Will und Katie leben noch in einem recht schicken Haus, aber man bekommt immer wieder angedeutet, dass gewisse Lebensmittel knapp sind. Orangen aus dem eigenen Garten nimmt der andere Sohn der Familie beispielsweise mit in die Schule, um sie dort gegen andere Lebensmittel einzutauschen. Kaffee gilt als Luxusgut, das den Personen im Regime natürlich teilweise zur Verfügung steht, den unterdrückten Menschen im Rest der Bevölkerung jedoch nicht. Die gigantischen Mauern um die Stadtteile und seltsame Lichtschauspiele auf und hinter diesen sorgen für eine alles in allem bedrohliche Stimmung. Optisch und atmosphärisch ist die Serie also durchaus stimmig.
Richtig spannend wird es dann erst in den letzten beiden Folgen, die den Grundstein für die nächste Staffel legen und den gesamten Bloc mit einem aus dem Ruder gelaufenen Anschlag des Widerstands in Gefahr bringen und so politische Mächte neu geordnet werden. Doch auch hier irritieren die endgültigen Entscheidungen der Protagonistinnen und Protagonisten wieder sehr und ganz zum Schluss stehe ich wieder mit einem Fragezeichen über dem Kopf da. Spannung und Mysterien sind gut, aber dieses Gefühl irgendetwas verpasst oder nicht verstanden zu haben, hatte ich bei der Serie bisher ein paar Mal zu oft.
Fazit Colony hat in der ersten Staffel meiner Meinung nach einiges an Potenzial, das in der grundsätzlichen Idee des autoritären Regimes und seiner Gegner in einem Sci-Fi-Setting steckt, liegen gelassen. Herausgekommen ist eine beklemmende Dystopie, die sich aber hier und da etwas zu plump an realen Vorbildern orientiert. Die Figuren und der Aufbau von Regime und Widerstand scheinen allerdings den Versuch darzustellen, die Situation politisch und gesellschaftlich Komplex darzustellen, ohne dabei Heldinnen und Helden zu schaffen, mit denen Zuschauende klar sympathisieren können. Das geht nicht immer wirklich gut, denn einige Situationen ließen sich durch Protagonistinnen und Protagonisten mit funktionierendem moralischem Kompass durchaus anders einordnen. Und sollte der Druck des Regimes so groß sein, dass sie keinen anderen Ausweg sehen, müsste das auf emotionaler Ebene deutlicher werden.
Insgesamt steht die Serie thematisch irgendwo zwischen „Die Tribute von Panem“ und realistischerem Drama über ein Terrorregime wie beispielsweise die NS-Zeit. Zwar in einer Dystopie angesiedelt, aber ohne überzeichnet-karikaturistische Heldenfiguren, gleichzeitig aber auch nicht psychoanalytisch und emotional genug, um beim Blick auf Täter und Opfer Fragen nach Schuld und richtigem oder falschem Handeln adäquat zu analysieren und diskutieren. Dennoch, oder gerade deswegen, bin ich neugierig, ob die zweite Staffel für mich das Ruder weiter rumreißen kann, wie es die letzten zwei Folgen der ersten Staffel bereits angefangen haben. Trotzdem sehe ich zu viele Lücken und Makel, um mit Blick auf die gesamte erste Staffel mehr als zwei Sterne zu vergeben.
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