Comic - Geschichte

Comédie Française – Reisen ins Vorzimmer der Macht

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Comédie Française – Reisen ins Vorzimmer der Macht
Comédie Française – Reisen ins Vorzimmer der MachtComic - Geschichte | mit: Mathieu Sapin Bewertung:★★★★★ Autor und Zeichner Mathieu Sapin ist vielleicht in Deutschland nicht gerade der bekannteste Künstler aus unserem Nachbarland Frankreich, dennoch solltet ihr ihn auf dem Schirm haben. Fans von „Reprodukt“ kennen jedoch seine Werke „Akissi“ und „Gérard: Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu“, die beim Verlag erschienen sind. Was er drauf hat, beweist er mit „Comédie Française – Reisen ins Vorzimmer der Macht“ und schafft einen realen Politikthriller. Handlung Neun Monate lang hat Mathieu Sapin den Kandidaten François Hollande während dessen Präsidentschaftskampagne im Jahre 2012 begleitet. Auch die beiden folgenden Jahre verbrachte er hinter den Kulissen des Élysée-Palastes, weitere fünf Jahre an der Seite von Gérard Depardieu. Er hatte sich geschworen, nicht wieder in die Abgründe des politischen Lebens zurückzukehren, doch nun begibt er sich doch wieder in die Höhle des Löwen: das Vorzimmer der Macht des amtierenden Staatspräsidenten von Frankreich, Emmanuel Macron.BewertungPolitikthriller sind nach „House of Cards“ vom Online-Streaming-Riesen „Netflix“ in aller Mund und erfreuen sich großer Beliebtheit. Kein Wunder also, dass die Welle immer wieder vom bewegten Bild auf das Standbild in Form von tollen Panels überschlägt. „Comédie Française – Reisen ins Vorzimmer der Macht“ ist nun wahrlich kein Versuch einen Thriller auf die Beine zu stellen, sondern Ereignisse aus dem wahren Leben auf Papier festzuhalten. Dabei ist aber nicht nur Emanuel Macron eine Hauptfigur, sondern Sapin höchstpersönlich. Denn er unternimmt den ironischen Selbstversuch sich mit Jean Racines, der im 17. Jahrhundert davon träumt, zum Hofberichterstatter des Sonnenkönigs Ludwigs XIV. zu werden, zu vergleichen.

Gerade dieser Teil hat mir besonders gefallen. Nicht, dass sich hier die Kulisse ganz offensichtlich durch eine andere Zeitschiene geändert hat, sondern in diesen Phasen spielt Sapin seine ganze Stärke aus. Dabei wird der Bogen sogar soweit gesponnen, dass die Verbindung zwischen Macht und Kunst eindrucksvoll hinterfragt wird. Soziale Randthemen gehören aber genauso auf die Tagesordnung, gerade am Anfang geht es ganz nebenbei in einem Panel an einem Flüchtlingslager vorbei. Die Spannung, die gerade in Frankreich vorherrscht, wird selbstverständlich thematisiert. Es sind so die Gelbwesten zu sehen, genauso wie Marine Le Pen. Es geht also ziemlich aktuell zur Sache, kein Wunder, denn Sapin war schließlich auch hautnah „dran“.

Optisch wird ein realistischer Semi-Funny-Stil gezeigt, der eindeutig seine Vorzüge hat, wenn es um ironische Comic-Kunst geht. Dabei ist „Comédie Française“ kein Lesestoff für zwischendurch, denn der Leser bekommt reichlich Stoff geliefert, der zu Verdauen ist. Das meine ich ausdrücklich positiv und noch positiver ist, dass der Lesefluss durch die humorvolle Art stets flüssig ist.
Fazit „Comédie Française – Reisen ins Vorzimmer der Macht“ ist ein politisches Schwergewicht.
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