Game - Action

Contra Rogue Corps

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Contra Rogue Corps
Contra Rogue CorpsGame - Action | mit: Entwickler und Publisher: KonamiBewertung:★★★★★ Die Contra-Reihe versucht mit ihrem neuen Ableger Contra Rogue Corps den Wechsel vom 2-D-Run-and-Gun zum Twinstick-Action-RPG. Statt vor einer zweidimensionalen Kulisse von links nach rechts, ballert ihr euch nun in isometrischer Perspektive durch verschiede Level. Einen ähnlichen Versuch startete bereits Neo Contra auf der Playstation 2. Das allein sollte aber nur absolute Fans oder Hassern des einen oder das anderen Sub-Genres freuen oder ärgern, denn die Prämisse bleibt die gleiche: Ballern und Ausweichen, um den Bullet-Hell-Gemetzel siegreich zu entkommen. Stattdessen steckt der Teufel an ganz anderer Stelle im Detail. Handlung Sieben Jahre nach dem Start der Alien-Invasion in Contra III wüten die „Alien Wars“ noch immer. Die Rogue Corps um Kaizer, Ms. Harakiri, das „Hungrige Beast“ und den „Gentleman“ operiert in Damned City, dem Ausgangspunkt der Invasion, einer heute völlig zerstörten Stadt. Viel mehr Kontext wird für die im Spiel folgende Alien-Jagd nicht geboten.
Das Spiel selbst ist nach der kurzen Einführung dann in verschiedene Missionen geteilt, die von einem Hauptquartier aus gestartet werden können. Von da aus besteht zum einen die Wahl zwischen verschiedenen Spielmodi, wie Single- oder Multiplayer-Missionen und Online-Ranglistenkämpfen – auf der Switch gibt es neben einem Online-Koop auch einen lokalen Koop-Modus mit mehreren Switch-Systemen. Zum anderen können in der Basis auch Waffen und Charaktere angepasst und verbessert werden.
Trailer BewertungStarten wir aber erst einmal mit dem offensichtlichen, direkt sichtbaren: der Optik. Contra Rogue Corps ist im Level- und Charakterdesign nicht wirklich schön, soll es aber auch gar nicht sein. Thematisch geht es ja um widerliche Aliens, die nichts als Verwüstung hinterlassen haben und eine schmutzige Söldnertruppe, die sich nicht zu Schade ist, dahin zu gehen, wo es wehtut. Das Design der Umgebungen und der Aliens gibt dies auch ganz gut wieder. Es ist düster, es ist eklig und blutig und ähnelt atmosphärisch im Ansatz Spielen wie Doom. Aber wirklich nur im Kerngedanken, denn leider fehlt es bei der Optik von Contra Rogue Corps vor allem an Abwechslung. An grauen Trümmerfassaden hat man sich schnell sattgesehen. Zum anderen trägt die Grafik ihren Teil dazu bei, dass man das Hässliche in Contra Rogue Corps nicht als schaurig-schön empfinden kann, sondern eben schlicht als hässlich. Denn gerade auf der Switch, und allem voran im Handheldmodus, macht das Spiel grafisch keinen guten Eindruck. Gerade die Kanten der Modelle flackern entweder fürchterlich oder sind sehr matschig. Das ist besonders deshalb ärgerlich, weil es das genaue Erkennen von Gegner und Umgebungselementen teilweise deutlich erschwert – gerade in Passagen, in denen die Kamera weiter herauszoomt.
Spielerisch bietet Contra Rogue Corps auf den ersten Blick aber doch einiges an Abwechslung. Vor allem die Spielmodi scheinen recht vielseitig. Allein die Story-Missionen lassen sich allein, online, im Couch-Koop und lokal mit Freunden spielen. Hinzu kommen online in der Gemetzel-Liga Ranglistenspiele, ein schnelles Spiel mit zufälligen Regeln, sowie Runden mit Freunden lokal und online. Es ist gut diese Möglichkeiten zu haben, erfahrungsgemäß legt sich der einzelne Spieler oder die einzelne Spielerin dann aber doch auf einigen wenige dieser Optionen fest, sodass das nicht für jeden einen gleichgroßen Mehrwert bietet.
Tatsächlich umfangreich sind aber die Anpassungsmöglichkeiten für Waffen und Charaktere. Vor allem die irrsinnigen Waffen an sich, von Kettensäge über Laserkanone bis hin zu einem Bohrgewehr, welches riesige Bohrköpfe als Projektile abfeuert, machen schon Spaß. Diese lasse sich dazu auf verschiedene Weise aufwerten und hierbei wird es leider etwas unübersichtlich. In Missionen gefundene P.V.A. und Kerne können genutzt werden, um Waffen entweder mit deren Fähigkeiten und Effekten anzupassen, oder als Verbrauchsmaterial eingesetzt werden, um den Rang einer Waffe zu upgraden. Gleichzeit steigt der Level einer Waffe automatisch durch Benutzung in Missionen. Höhere Level können notwendig sein, um das Upgrade auf einen neuen Rang überhaupt zu erlauben. Gleichzeitig kosten Upgrades Münzen und für Anpassungen muss man den an der Waffe verfügbaren Speicher im Blick behalten. Dieser wiederum steigt, wenn ich alles richtig überblicke, mit dem Waffenlevel oder dem Rang. Auch möglich sind Entwicklungen neuer Waffen für die Ebenfalls Kerne, P.V.A. und Münzen verbraucht werden. An meinen Beschreibungen merkt man auch schon, dass das Upgrade-System wahnsinnig komplex ist, bis hin ins Unübersichtliche. Man muss schon richtig Bock haben, sich da „rein zu fuchsen“. Denn gerade im Auge zu behalten, wie die Teile, die man für verschiedenste Verbesserungen nutzen könnte, am effektivsten Verwendung finden, ist wirklich schwierig. Das liegt meiner Meinung nach neben der Vielfalt aber vor allem an der nicht deutlich unterscheidbaren Symbolik zu den einzelnen Bauteilen, sowie deren Benennung mit teils kryptisch wirkenden Bezeichnungen wie „Typ Booster: Zi“ oder „Typ Booster: Schm“, deren Bedeutungen sich erst nach einigem Lesen von Beschreibungstexten erschließen lassen. Wer sich davon allerdings nichts abschrecken lässt und Spaß hat am „Looten und Leveln“ in komplexerer RPG-Manier, könnte durchaus seinen Spaß haben.
Spaß machen im Kern auch die Missionen selbst, aber fassen wir für einen Überblick noch einmal die bisherigen Punkte zusammen, denn dadurch wird deutlich, wie sich das Gameplay selbst in die Pros und Cons des Spiels eingliedert. Die Optik ist atmosphärisch okay, nicht besonders hübsch anzusehen, aber vor allem wenig abwechslungsreich im Design. Spielmodi und Upgrademöglichkeiten sind vor allem zahlreich, aber dabei fast ein bisschen „too much“ und in Teilen überflüssig, bzw. unübersichtlich. Das Gameplay wiederum geht wieder in die andere Richtung, denn es macht zwar Spaß, aber auf Dauer fehlt es zunehmend an Abwechslung. Das Ausweichen der Projektile und Gegner die im Bullet-Hell-Stil um einen herum schwirren ist herausfordernd und für die ersten Runden ist es motivierend nach einer Mission direkt mit dem Upgraden von Waffen und Charakteren belohnt zu werden. Doch relativ schnell setzte bei mir Frustration ein, wenn ich nach dem Scheitern eine Mission erneut ganz von vorne durchlaufen musste. Grund dafür ist eben die spielerisch und optisch wenig facettenreiche Gestaltung der Level. Ob die Mission nun lautet „Erreiche das Ziel!“ oder „Besiege die Gegner!“ ist letztlich egal. In beiden Fällen geht es linear von Bereich zu Bereich, in dem dann hordenweise Gegner auf einen zustürmen. Im Verlauf des Spiels versuchen gerade einige Bosskämpfe die schnöden Muster zu durchbrechen, indem sie zumindest eine andere Inszenierung wählen, als dass der Charakter schlicht in eine Arena stolpert, in der man den Attackenmustern des Bosses entsprechend um diesen herumtänzelt. Dabei wird vor allem mit der Perspektive gespielt und es geht bei größeren Bossen teils in eine Art Third-Person-Perspektive.
Spielerisch die meiste Variabilität bietet die Waffenauswahl und durch Überhitzung erzwungene Wechsel zwischen ebendiesen. Ballert man zu unaufmerksam kommt es zu einer einige Sekunden andauernden Cooldown-Phase, in der man um weiter wehrhaft zu bleiben am besten auf die Sekundärwaffe wechselt oder eine Bombe wirft, die allerdings einen Verbrauchsgegenstand darstellen. Munition hat man unbegrenzt auf Lager. Außerdem stehen den unterschiedlichen Charakteren verschiedene Spezialfähigkeiten zur Verfügung. Herauszufinden mit welchen Waffen man am effektivsten in der Schlacht ist und wie man sie für die nächste Mission aufrüstet, stellt für mich den interessantesten Part des Spiels dar. Leider verliert auch der durch repetitives Leveldesign und Gameplay relativ schnell an Reiz. Fazit Contra Rogue Corps macht längst nicht alles falsch. Für ein paar Missionen zwischendurch, wozu gerade die Nintendo Switch ja die ideale Plattform ist, kann man durchaus Spaß haben. Auf Dauer fehlt es in den Missionen aber an Abwechslung und der Aufbau außerhalb der Missionen wirkt indes eher überladen. Darüber hinaus ist es leider nur im Ansatz atmosphärisch-apokalytisch, dafür aber grafisch wirklich unzeitgemäß.
Es stellt sich also die schwer zu beantwortende Frage, für wen Contra Rogue Corps das richtige Spiel wäre. Langjährige Contra-Fans sehnen sich scheinbar schon jetzt die alte 2-D-Spielmechanik zurück und isometrische Twinstick-Shooter gibt es auch so einige bessere und weniger generische. Eine konkrete Kaufempfehlung fällt also schwer, gerade auch mit Blick auf den stolzen Preis von 39,99 € im Nintendo eShop, zu dem noch 9,99 € für einen Season-Pass hinzukämen, wollte man das Spiel mit sämtlichen zukünftig verfügbaren Inhalten spielen.
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