Game - Simulation

Crossroads Inn

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Crossroads Inn
Crossroads InnGame - Simulation | mit: Entwickler: Kraken Unleashed, Publisher: KlabaterBewertung:★★★★★ RPG und Kneipenbausimulation in einem. Mit dieser ungewöhnlichen Mischung konnte das Projekt „Crossroads Inn“ über Kickstarter finanziert werden. Seit dem 23. Oktober ist der Titel nun über Steam und GOG spielbar. Handlung Nach dem Tod des Königs herrscht Unruhe in den Ländereien von Delcrys: Yorevale, Sambria und Untermarch. Verschiedene Persönlichkeiten stehen an, um möglicherweise die Nachfolge des Monarchen anzutreten, dessen Kinder zuvor ebenfalls auf ungeklärte Weise ums Leben kamen. In dieser unorganisierten Zeit, in der Fürsten Gesetze nach ihren eigenen Vorteilen auslegen und auch Banditenbanden in den Handel eingreifen, übergibt ein Wirt seine Bar an Schützling. Dieser strebt an, der Taverne zu einem klangvollen Namen zu verhelfen, entgegen seiner Widersacher, mithilfe einiger Verbündeter und notfalls auch an den Richtlinien einiger aufdringlicher Fürsten vorbei. Trailer BewertungSpielerisch erlebt man diese Geschichte in einer Mischung aus Aufbausimulation und Mittelalter-RPG. Im Groben wird die Taverne im Stil einer klassischen Aufbausimulation errichtet, es werden Räume erstellt oder vergrößert und mit Mobiliar bestückt und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen eingestellt werden, um die Räumlichkeiten zu bewirtschaften. Das Geld wiederum kommt durch den Verkauf von Speisen und Getränken oder das Vermieten von freien Betten an Reisende wieder rein.

Komplexer wird es durch zusätzliche Elemente, die beim Tavernen-Alltag zu beachten sind und hier kommen die Rollenspielaspekte zum Tragen. Durch Klatsch und Tratsch in der Taverne sammeln sich Beispielsweise „Gerüchtepunkte“ in Bezug auf verschiedene Themengebiete an. Wirtschaftsgerüchte können dann etwa eingesetzt werden, um beim Kauf von neuen Zutaten in nahegelegenen Höfen oder Städten einen Rabatt auszuhandeln. Macht man seine Arbeit gut, erhält die Kneipe außerdem einen besseren Ruf, der zu Rufpunkten führt, die eingesetzt werden können, um neue Skills, Inventargegenstände oder Personengruppen, die die Taverne betreten, freizuschalten. Im Grunde genommen ist die Taverne selbst hier der RPG-Charakter, der sich aufleveln lässt.

In der Kampagne steigt der Ruf auch regelmäßig durch das Erfüllen von Aufgaben, die mit der Hauptstory des Spiels zusammenhängen. Hierzu müssen regelmäßig Entscheidungen getroffen werden, welcher der Personen man sich anschließen möchte. Die Personen verfolgen allesamt eigene Ziele nach dem Tod des Königs, und schnell können wir durch Gespräche mit ihnen auch herausfinden, welche Rolle wir bei der ganzen Sache zu spielen scheinen.

Das Zusammenspiel der zwei Genres ist eine sehr schöne Idee, die in den ersten Spielstunden plausibel wirkt, später aber im Detail Schwierigkeiten verursachen kann, die den Spielfortschritt stören. Zum Anfang sind das zum einen zu häufig wiederkehrende Gesprächssituationen, die eine Unterbrechung der Tavernensimulation verursachen. Man möchte einfach nur gerade die Dekoration in einem Raum fertigstellen oder gerade die Liste der verfügbaren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter studieren, da ploppt schon wieder das nächste verpflichtende Gespräch auf. Das kann bisweilen ganz schön nervig werden. Ein weiteres Problem ist der Schwierigkeitsgrad beim Managen der Taverne im späteren Spielverlauf der Kampagne. Geld ist rar, auch wenn es sich bei diversen Banken im Notfall leihen lässt. Kommt man an den Punkt, an dem wenige Zutaten im Lager verfügbar sind, aber fast kein Geld mehr da ist, um neue zu kaufen, da man gerade mit Renovierungen oder Neubau an der Taverne beschäftigt war, bekommt man ein Problem. Wie soll neues Geld verdient werden, wenn nichts da ist, was man verkaufen könnte? Im Verlauf der Kampagne wurden solche Situationen, die dann das Spiel zäh und schleppend machen, da man häufig „wartet“ bis neues Geld zur Verfügung steht, vor allem durch Situationen ausgelöst, die die Story vorgibt. Legen wir uns beispielsweise mit der Heeresführerin Yorevales an, schickt diese permanent Soldaten zu uns, die unsere Waren klauen und das Inventar demolieren. Unsere Mitarbeiter müssen dann wertvolle Zeit investieren, Gegenstände zu reparieren und können nicht gleichzeitig Tische bedienen oder andere Aufgaben ausführen, die Geld generieren würden. So treffen solche Situationen Spielerin oder Spieler gleich doppelt und es kommt leicht Frust auf, obwohl es ja eigentlich lobenswert ist, dass Situationen erdacht wurden, die den Spielverlauf unvorhersehbar und variantenreich machen. Es gibt auch Möglichkeiten derartige Situationen gering zu halten, etwa indem man Türsteher oder Wachen anstellt, die die Soldaten aus der Bar werfen. Das ist ebenfalls eine grandiose Idee, die zur Komplexität der Simulation beiträgt. Allerdings kosten auch diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder Geld, was dann an anderer Stelle fehlt. Meiner Meinung nach ist der Schwierigkeitsgrad noch etwas unausgewogen. Nicht bei jedem Durchlauf kommt es zu derartigen Situationen, passieren sie allerdings können sie einen Schaden anrichten, der sich nur mühsam beheben lässt und den Spielspaß langfristig stört.

Technisch ist Crossroads Inn für ein Kickstarter-finanziertes Indiespiel zumindest in Bezug auf die Optik und den Detailgrad der Animationen solide. Der Trubel in der Taverne sieht hübsch aus, die vielen Figuren gehen alle ihre eigenen Wege und auch Aktionen des Personals sind durchweg voll animiert, egal ob sie kochen, den Lagerbestand auffüllen, Tische abräumen oder den Fußboden Fegen. In der Umsetzung einiger Features gibt es aber durchaus viele kleinere und einige wenige größere Macken, die auf jeden Fall erwähnt werden sollen, auch wenn ich einem Indiespiel immer etwas mehr verzeihen kann, als einer Triple-A-Produktion mit riesigem Budget. Das wären etwa Figuren, die irgendwo „hängen bleiben“ und erst nach dem Speichern und Neustarten des Spielstands wieder Aufgaben ausführen. Auch in der deutschen Sprachausgabe, in der nur der geschriebene Text in deutscher Version verfügbar ist – gesprochene Kommentare der Personen die man anklickt, sind weiterhin auf Englisch – gibt es einige Ungenauigkeiten und einige Texte sind dann plötzlich doch wieder auf Englisch. Auch überlappen hier und da Textbausteine dort, wo die verschiedenen Antwortmöglichkeiten eines Dialoges zu lang ausfallen. Schlimmer ist allerdings, dass mir das Spiel während des Testens auch einmal komplett abgestürzt ist. Aufgrund vieler Autosaves ließ sich glücklicherweise ein nur knapp 10 Minuten zurückliegender Speicherstand laden, aber ärgerlich ist das trotzdem. Hoffentlich können solche Macken zukünftig noch gepatcht werden. Fazit Crossroads Inn ist ein Spiel mit einer sehr kreativen Idee und einem interessanten Genremix. In manchen Spielsituationen stehen sich aber die beiden größeren Spielelemente gegenseitig im Weg und der ungestörte Aufbau der Taverne wird unterbrochen. Das sorgt meiner Meinung nach auch für Unterbrechungen im reibungslosen Spielspaß. Optisch zeigt das Spiel gute Ansätze, ist aber technisch noch ausbaufähig. Die Geschichte bietet einige Überraschungen, kann aber stellenweise langatmig wirken, vor allem immer dann, wenn Namen der vielen Ländereien, Städte und Charaktere und deren Zusammenhänge unübersichtlich auf einem Haufen auftauchen. Crossroads in ist ein Spiel mit Ecken und Kanten und noch lange nicht ohne Makel, kann sich aber ja durch regelmäßige Updates – die auch in den ersten Tagen nach Release bereits online gingen – noch entwickeln. Für Aufbaufans und Simulationsstrategen ist es allemal interessant genug. Wer eher aus der RPG-Ecke heraus auf das Spiel aufmerksam geworden ist, sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen.
ZURÜCK INS ARCHIV