Comic - Horror

Zweite Meinung: Daidalos #1

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Zweite Meinung: Daidalos #1
Zweite Meinung: Daidalos #1Comic - Horror | mit: Charles BurnsBewertung:★★★★★ Der Autor Charles Burns‘ („Zuckerschädel“, „X“, „Die Kolonie“) setzt stiltechnisch bei seinen Zeichnungen auf die amerikanischen Comics der 1950er Jahre. Er erschafft dadurch oftmals eine unheimliche Atmosphäre, wie auch in „Daidalos“. Im vorliegenden Band schafft er es immer wieder mit speziellen Einblendungen die Genregrenze aufzubrechen und kreiert damit etwas mystisch surreales. Dieses Gemisch ist etwas ganz besonderes. „Daidalos“ überzeugt nicht mit Effekthascherei, sondern mit seinen tollen Panels und einem Plot, der immer wieder etwas überraschend Neues auf Lager hat. Handlung Brian Milner ist nicht nur ein guter Zeichner, sondern auch ein Filmemacher. Er interessiert sich für Alien-Geschichten und diese Einflüsse sehen die Leser in seinen Werken. Er ist aber auch ein Sonderling. Er verliert sich oft in Tagträumen, die die Grenze der Realität aufbrechen. Diese Erlebnisse fängt er in seinen Bildern ein. Als die hübsche und neugierige Laurie in sein Leben tritt, die ganz nebenbei die Hauptrolle in seinem neusten Film spielen soll, weiß er nicht, wie er mit der neuen Situation umzugehen hat. Schließlich ist er lieber alleine, selbst auf Partys verschwindet er lieber in der Küche und zeichnet seine Träume.BewertungCharles Burns gibt mit „Daidalos“ ein Abbild seiner eigenen Jugend, zumindest ein verschlüsseltes. Träume werden zur Inspirationsquellen, die der Leser in Filmabschnitten und Zeichnungen sehen kann. Träume spiegeln unsere Erwartungen und Erlebnisse wieder. Der Mensch verarbeitet aber auch seine Ängste in diesen Schlafphasen. Charles bringt seine Erlebnisse aufs Papier bzw. auf die Leinwand. Dabei sind Aliens ein großes Thema. Sein erster Film handelt zum Beispiel davon. Ganz unerwartet überrascht dieser mit einer stattlichen Brutalität, gerade, weil dieser produziert wurde, als Brian Milner noch ein kleiner Junge war. Von der Dramaturgie her, hätte besagter Streifen in der realen Welt veröffentlicht werden können. Es war im Übrigen der Zeitpunkt, als mich das Comic gepackt hat. Es fügte sich seit diesem immer mehr zusammen, die Handlung wurde dichter.

Laurie wurde immer präsenter. Sie ist vom Grunde her eine hübsche, aufgeschlossene, junge Frau. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Viele Unsicherheiten plagen sie. Sie möchte immer nein sagen, kann es aber nicht. Aus diesem Grund findet sie sich auch bald mit Brian im Kino wieder. Beide mögen sich, können aber nicht aufeinander zugehen. Ohne es zu wissen, haben sie schon eine Gemeinsamkeit. „Daidalos“ kommt weiterhin mit reichlich Nebenstorys daher. Ein Beispiel ist der Film „Invasion of the Body Snatchers“ oder ein Obdachloser, der eine Schimpftriade nach der anderen abgibt. Dennoch sind die Randgeschichten eben nicht nur obligatorisches Beiwerk, sondern heizen die Story weiter an.

Das zerstückelte Selbstporträt von Autor Charles Burns‘ verdichtet sich immer mehr. Auf der einen Seite sind es die Tagträume eines Sonderlings und auf der anderen die wahnsinnigen Ideen. Es sind Einfälle, die stets überraschend daherkommen. Sie machen neugierig, denn auf jeder Seite kommt es anders, als erwartet. Da kommt die oben angesprochene Sprengung der Genre zu tragen. Es ist eine Mischung aus Thriller, Biopic, Drama, SciFi und Fantasy entstanden. Die Zeichnungen sind klassische Burns‘ Darstellungen. Sein Stil ist unverkennbar. Früher stets in brillanten schwarz/weiß, nun auch in bunt und Farbe. Sieht vor allem sehr gut aus und so kommt auch das rote Haar von Laurie zu Geltung. Die Nacktaufnahmen sind ästhetisch gehalten und die Farbe Rot spielt dabei auch eine tragende Rolle. Der Fantasy-Teil der optischen Ausgestaltung von „Daidalos“ ist ebenfalls nicht von dieser Welt. Es gibt eine Abbildung, die sich dem weiblichen Geschlecht sehr ähnelt, dennoch bleibt abzuwarten, was uns auf diesem Gebiet noch erwartet.

Die entscheidende Frage, ob Charles Burns‘ ebenfalls ein Alien ist, bleibt allerdings unbeantwortet. Dennoch können wir tief in seine Kindheitserfahrungen blicken, die sich sicherlich so oder so ähnlich zugetragen haben. Ich zumindest kann ihn mir ganz gut vorstellen, wie er alleine in einer Küche während einer Party sitzt, um seine Zeichnungen von einer anderen Welt auf Papier zu bringen. Fazit „Daidalos“ verführt uns in die kosmische Welt eines Charles Burns, der ein Biopic über sich selbst schreibt und dieses in eine sagenumwobene, genreübergreifende Handlung packt.
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