Game - Jump and Run

Degrees of Separation

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Degrees of Separation
Degrees of SeparationGame - Jump and Run | mit: Bewertung:★★★★★ Bei Koop-Multiplayer-Spielen denken viele zu aller erst an Shooter oder zumindest eher actionreiche Genres. Dass man aber auch etwas gemächlicher, dafür aber mit Gebrauch seiner grauen Zellen, zu zweit Zocken miteinander zocken kann, zeigen immer wieder kleinere Indie-Plattformer. Prominente Beispiele sind etwa Unravel 2 oder die Spiele der Trine-Reihe. Mit Degrees of Separation gesellte sich jüngst ein Titel hinzu, der ähnlich wie Unravel 2 explizit eher auf das Spielen zu zweit setzt, ohne aber die Singleplayer-Option komplett auszuschließen. Welche Variante wir bevorzugen, erfahrt ihr nach einer kurzen Vorstellung der Handlung in unserer Review. Handlung Ember und Rime, zwei grundverschiedene Charaktere, erwachen und spüren sich durch eine unerklärliche Macht zueinander hingezogen. Rime, der in seinem Eispalast lebt und zu hinterfragen beginnt, wovor er sich mit seinem Palast überhaupt schützt und Ember, die sich umgeben vom dichten Blätterdach des Waldes wohlfühlt. Schließlich treffen sich die beiden und merken, dass sie in derselben Welt leben, doch ihre jeweilige Umgebung von ihnen selbst beeinflusst wird. Wo immer Rime sich aufhält gefrieren Seen und es liegt Schnee und da, wo Ember geht und steht herrscht Sommer. Zwischen beiden befindet sich eine Grenze, die verhindert, dass sie sich berühren. Es beginnt für die beiden nun eine gemeinsame Reise, um herauszufinden, wie sie zueinander finden können. Trailer BewertungIn Degrees of Separation können nun, entsprechend der oben genannten Ausgangssituation, beide Charaktere gespielt werden. Entweder durch einen Spieler oder eine Spielerin, mit der Möglichkeit hin- und herzuwechseln. Oder eben im Multiplayer-Koop, bei dem jede/r einen der Charaktere spielt. Ich habe gemeinsam mit einer Kollegin die Koop-Variante gewählt und würde diese auch dringend weiterempfehlen. Einige der Rätsel sind doch sehr umständlich, wenn man ständig zwischen den Figuren wechseln muss. Sich zu zweit abzusprechen, wer wohin geht, ist da wesentlich effektiver.
Grundsätzlich basieren die Rätsel in Degrees of Separation einzig und allein auf der Mechanik der zwei Spielfiguren in ihren unterschiedlichen Umgebungen und der Grenze, die sie voneinander trennt. Zu Anfang muss lediglich in den Blick genommen werden, dass zum Beispiel Ember unter Wasser sein kann, Rime allerdings nur auf dem gefrorenen See. So können Hindernisse auf unterschiedliche Weise umgangen werden. Die Grenze die Rime und Ember voneinander trennt gibt jeweils vor, welcher Bildausschnitt welche Charakter-Umgebung annimmt. Möchte man, dass die linke Bildhälfte in Schnee und Eis versinkt, muss Rime links stehen und Ember daneben, um eine vertikale Grenze zu bilden. Soll die Grenze horizontal verlaufen, muss ein Vorsprung gesucht werden, sodass einer der Charaktere über dem anderen steht. Durch diese einfache Mechanik ergeben sich schon zu Beginn des Spiels eine Vielzahl interessanter Rätsel.
Diese sind anfangs zwar schon knifflig, dennoch recht überschaubar. Doch je weiter man kommt, desto komplizierter werden auch die Rätsel. Auf der einen Seite wird etwas mehr von den Spielern verlangt, was das Timing und die Zusammenarbeit angeht. Auf der anderen bekommen die Figuren im Laufe des Spiels verschiedene Fähigkeiten, die eingesetzt werden müssen, um bestimmte Rätsel lösen zu können. Viele dieser Rätsel sind schön knifflig und man freut sich riesig darüber, wenn man eine besonders schwierige Passage hingekriegt hat. Doch hier und da macht sich dann eher der Frust breit, wenn man einfach keine Ahnung hat, was man eventuell falsch gemacht hat und warum das nicht funktioniert. Hier wären Hinweise gut, wie etwa das Spiel Unravel Two anbietet. Dort kann man, wenn man nicht weiterkommt, Hinweise in drei verschiedenen Stufen bekommen – von einem kleinen Stupser in die richtige Richtung bis hin zur vollständigen Lösung. Solch eine Hilfestellung hätte bei uns an der einen oder anderen Stelle den Frust deutlich gemindert.
Von Rätsel zu Rätsel wird man von einer angenehmen Stimme begleitet, die die Geschichte um Rime und Amber erzählt. Diese beschränkt sich tatsächlich nur darauf, hier und da ein bisschen das Geschehen zu kommentieren oder wie die Figuren sich gerade fühlen. Was aber ein bisschen fehlt sind Erklärungen zum Spielverlauf. Man bekommt sehr unvermittelt Fähigkeiten oder kommt an neue Orte. Was man aber wie machen kann müssen die Spieler selbst ausprobieren. Man kommt zwar mehr oder weniger schnell dahinter, was das Spiel von einem will – da macht es die simple Spielmechanik einem recht einfach –, trotzdem fühlt man sich bei schwierigerem Rätsel oft vom Spiel allein gelassen. Wenn wenigstens die Regeln der Fähigkeiten im Detail erklärt werden, dann wüsste man, ob man tatsächlich Fehler gemacht hat oder ob dieses Rätsel etwa mit anderen Fähigkeiten nur gelöst werden können.
Denn die Spielwelt ist relativ groß und man kann zwischen den einzelnen Abschnitten wechseln. Degrees of Separation ist nämlich aufgebaut wie eine Art Metroidvania. Während die einzelnen Abschnitte linear verlaufen – man muss von links nach rechts laufen und dabei Rätsel lösen –, kommt man in diese durch Türen, die sich in einem Schloss befinden. Um Türen zu öffnen muss man Schals sammeln, die immer das Ziel der einzelnen Rätsel sind. Je mehr Schals man hat, desto mehr Türen kann man öffnen. Am Anfang ist es etwas kompliziert, sich in dieser Welt zurechtzufinden, vor allem, weil man keine Karte hat. Man muss sich in etwa merken, welche Wege man schon gemacht hat.
Obwohl die Art und Weise, von Abschnitt zu Abschnitt zu gelangen, nicht sonderlich innovativ ist, muss man dem Spiel eines lassen: Die Umgebung sieht einfach wunderschön aus. Zwar ist die Optik nicht gerade abwechslungsreich, da sie jeweils von den beiden Figuren bestimmt wird, der grundlegende Ton der Erzählung und die dazu gestaltete, handgezeichnete Umgebung haben aber zweifelsohne etwas Magisches an sich. Nur Protagonist und Protagonistin bewegen sich leider etwas hölzern, fast wie Ziehpuppen. Dennoch kann Degrees of Separation gerade in puncto Artstyle und Inszenierung gut punkten. Fazit Degrees of Separation sieht fantastisch aus und besticht durch eine emotionale und interessant erzählte Geschichte. Die zugrunde gelegte Spielmechanik ist innovativ und macht vor allem im Koop Spaß. Leider fehlt stellenweise hier und da ein bisschen die Orientierung und Erläuterungen, sodass vor allem bei komplexeren Rätseln der Frustfaktor sehr hoch ist. Zum Glück kann man aber einzelne Rätsel links liegen lassen und vor allem am Anfang immer noch genügend andere Schals sammeln, um die nächste Tür des Schlosses zu öffnen. So bleibt der Spielspaß trotz einiger solcher Macken weitestgehend erhalten.
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