Comic - Geschichte
Der Araber von morgen, Band 4. Eine Kindheit im Nahen Osten
Der Araber von morgen, Band 4. Eine Kindheit im Nahen OstenComic - Geschichte | mit: Riad Sattouf Bewertung:★★★★★ Riad Sattouf erzählt in einer besonders dicken Ausgabe wieder die Geschichte seines Lebens. Diesmal beginnt sie in Frankreich, doch der Weg führt ihn immer wieder nach Syrien. Allmählich entwickelt der junge Riad sein Zeichentalent. Sehr zur Freude der breiten Leserschaft, denn sonst könnten wir uns nicht über die vierte Ausgabe unterhalten. Der Erfolg gibt bekanntlich Recht und „Der Araber von morgen“ ist zu einem Exportschlager geworden, so hat das französische Werk den Weg nicht nur nach Deutschland geschafft. Der Frontalzusammenstoß zweier unterschiedlicher Kulturen war noch nie so interessant. Handlung Riad ist weiter zwischen zwei Welten gefangen. Die Mutter lebt in Frankreich und wartet auf das ganz große Geld von ihrem Mann. Der unterrichtet gerade an einer Universität in Saudi-Arabien. Er verwirklicht damit seinen Traum, das ganz große Geld zu verdienen. Er möchte bald in Rente gehen und von den Zinsen seines Reichtums leben. Natürlich mit einem Palast in Syrien. Die Realität sieht allerdings anders aus, doch erst einmal führt die Reise der Familie wieder nach Syrien…BewertungWenn zwei Kulturen auf dem Prüfstand stehen, dann kommt allerhand zu Tage. Zum Glück schlagen in Riad Sattouf Brust zwei Herzen, sodass er schonungslos die Missstände und Vorteile ansprechen kann und das auch macht. Aus unserer Sicht entpuppt sich der Nahe Osten leider als klischeehafter AFD-Werbeslogan. Es wird ganz offen über Juden-Hass gesprochen. Als Riad zum Beispiel in der Schule als Israeli fälschlicherweise geoutet wird, beginnt für ihn ein Spießrutenlauf. In der Schule bekommt er Prügel und auf dem Weg nach Hause lauern ihm seine Mitschüler auf. Sie schmeißen Steine nach ihm, sie jagen ihn mit Knüppeln. Ihn zu töten wird offen angesprochen. Weiterhin ist die Religion allgegenwärtig. Als sein Vater Mekka besucht hat, wird er von seinen Mitmenschen anders behandelt. Er war schließlich an der heiligen Stätte und gilt nun als besonders form. Aber auch eine Unterhaltung zwischen Riad und einem Mädchen bringt zum Vorschein, dass selbst die Kinder aus uns Europäern alle Muslime machen wollen. Sie würden zwar erlauben, dass die Christen Christen bleiben, doch dafür müssten sie eine Art Steuer zahlen, also damit sie ihren Glauben weiter ausleben können. Es sind Schreckensszenario von jedem Wähler der äußerst rechtsstehenden Partei. Und die offensichtliche Abneigung gegen Juden trägt selbst der Vater offen zur Show. Eine beunruhigende Werteeinstellung.
Das wir in Europa nicht perfekt sind, wird eher zwischen den Zeilen deutlich. Es ist zunächst das Wetter, der viele Regen und die blauen Farben, die für eine kältere Stimmung sorgen. Dann wird es recht deutlich, dass unser Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, unsere größte Seuche ist. Die Mutter schreibt Bewerbungen, 300 Stück, doch findet sie keine Arbeit. Als sie dann noch von den Besitzern aus dem Ferienhaus geworfen werden, wird deutlich, dass bei uns die sozialen Schichten weit auseinanderliegen. Ironischerweise sind diese Vorstellungen beim Vater ebenfalls weit verbreitet. Er will ständig einen Palast bauen und ein teures deutsches Auto fahren. Dass er für die Deutschen viel übrig hat, liegt (leider) in der Vergangenheit begründet. In seinen Triaden wird er gar zum Holocaustleugner. Auf den Boden der Tatsachen wird er dann von Zeitzeugen gebracht, so muss seine Schwiegermutter erst ihre Erlebnisse erzählen.
Weiterhin ist die Unterwerfung der Frau ein weiteres, immer wieder aufkeimendes Thema. Männer sind in der muslimischen Welt das Maß aller Dinge. Frauen werden in Saudi-Arabien nur an einem Tag unterrichtet und der Lehrer, ein Mann wohlgemerkt, muss in einem anderen Raum via Videokonferenz seinen Stoff vermitteln. Gerade zu modern dann die Verhältnisse in Syrien, denn dort gibt es eine Lehrerin an einer staatlichen Schule. Super gut, doch ihre Notdurft müssen die Kinder weiterhin im Freien verrichten, denn eine Toilette gibt es immer noch nicht. Gewalt in der Schule wird nicht nur toleriert, sondern auch praktiziert. So ist die Prügelstrafe weiterhin in Anwendung und die Lehrkräfte schauen weg, wenn Kinder von örtlichen Persönlichkeiten Mitschüler mobben.
Darüber hinaus werden noch viele weitere Themen angesprochen. Wie zum Beispiel Krankheit und Verlust, aber auch Freundschaften und Krieg kommen auf die Tagesordnung. Das Gesamtpaket kann überzeugen und dennoch führen viele Wege immer wieder zum Rassismus, der in beiden Kulturen auftritt.
Fazit "Der Araber von morgen" kommt in seiner vierten Ausgabe unheimlich wuchtig daher und zeigt sich in einer noch besseren Tagesform, als seine bereits brillanten Vorgänger.
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Das wir in Europa nicht perfekt sind, wird eher zwischen den Zeilen deutlich. Es ist zunächst das Wetter, der viele Regen und die blauen Farben, die für eine kältere Stimmung sorgen. Dann wird es recht deutlich, dass unser Wirtschaftssystem, der Kapitalismus, unsere größte Seuche ist. Die Mutter schreibt Bewerbungen, 300 Stück, doch findet sie keine Arbeit. Als sie dann noch von den Besitzern aus dem Ferienhaus geworfen werden, wird deutlich, dass bei uns die sozialen Schichten weit auseinanderliegen. Ironischerweise sind diese Vorstellungen beim Vater ebenfalls weit verbreitet. Er will ständig einen Palast bauen und ein teures deutsches Auto fahren. Dass er für die Deutschen viel übrig hat, liegt (leider) in der Vergangenheit begründet. In seinen Triaden wird er gar zum Holocaustleugner. Auf den Boden der Tatsachen wird er dann von Zeitzeugen gebracht, so muss seine Schwiegermutter erst ihre Erlebnisse erzählen.
Weiterhin ist die Unterwerfung der Frau ein weiteres, immer wieder aufkeimendes Thema. Männer sind in der muslimischen Welt das Maß aller Dinge. Frauen werden in Saudi-Arabien nur an einem Tag unterrichtet und der Lehrer, ein Mann wohlgemerkt, muss in einem anderen Raum via Videokonferenz seinen Stoff vermitteln. Gerade zu modern dann die Verhältnisse in Syrien, denn dort gibt es eine Lehrerin an einer staatlichen Schule. Super gut, doch ihre Notdurft müssen die Kinder weiterhin im Freien verrichten, denn eine Toilette gibt es immer noch nicht. Gewalt in der Schule wird nicht nur toleriert, sondern auch praktiziert. So ist die Prügelstrafe weiterhin in Anwendung und die Lehrkräfte schauen weg, wenn Kinder von örtlichen Persönlichkeiten Mitschüler mobben.
Darüber hinaus werden noch viele weitere Themen angesprochen. Wie zum Beispiel Krankheit und Verlust, aber auch Freundschaften und Krieg kommen auf die Tagesordnung. Das Gesamtpaket kann überzeugen und dennoch führen viele Wege immer wieder zum Rassismus, der in beiden Kulturen auftritt.
Fazit "Der Araber von morgen" kommt in seiner vierten Ausgabe unheimlich wuchtig daher und zeigt sich in einer noch besseren Tagesform, als seine bereits brillanten Vorgänger.