Comic - Komödie
Der Berg der nackten Wahrheit
Der Berg der nackten WahrheitComic - Komödie | mit: Jan BachmannBewertung:★★★★★ Der Schweizer Comiczeichner Jan Bachmann schildert in seinem neusten Werk "Der Berg der nackten Wahrheit" einige Ereignisse auf dem Monte Verità um 1990. Der Berg, der im Kanton Tessin in der Schweiz über dem Örtchen Ancona am Lago Maggiore liegt, war bis ca. 1940 ein Hotspot von Pazifisten, Künstlern, Schriftstellern sowie Anhängern unterschiedlicher alternativer Bewegungen. Alle natürlich mit FKK-Gemeinschaft und Freier Liebe. Handlung Gusto würde man heute als Hippie bezeichnen, denn er lebt auf dem Monte Verità in Tessin. Er ist ein Aussteiger und lebt in einer Gemeinschaft einer vegetarisch-kommunistischer FKK-Gruppe. Doch allmählich geht den Querdenkern das Geld aus und als Gusto eine Ziege retten will, ziehen die Hippie-Vorläufer die Wut der Bewohner von Ascona auf sich. Gusto hat aber einen wundersamen, irrwitzigen und zugleich lustigen Plan, damit die Ziege nicht auf die Schlachtbank kommt, sondern in Freiheit und ohne Angst vor dem Tod weiterleben kann.BewertungJan Bachmann hat in seinem letzten Comic "Mühsam, Anarchist in Anführungsstrichen" über Erich Mühsam geschrieben. Es ist wenig verwunderlich, dass Mühsam auch auf dem Monte Verità hauste. Diesmal ist er aber nicht der Hauptprotagonist, er taucht sogar gar nicht in der Handlung auf, sondern eine waschechte Ziege. Der Comic ist quasi die Vorgeschichte, wenn man so will. Dennoch werden immer wieder Zitate aus dem Buch "Ascona" (1905) von Autor Mühsam geschickt eingestreut. Der Hauptprotagonist ist also keine menschliche Figur, sondern ein Tier, welches wir im normalen, realen Leben kaum Beachtung schenken. Daran erkennen wir sofort, wohin die Reise geht. Bachmann hat es in "Der Berg der nackten Wahrheit" geschafft, eine lustige politische Komödie auf die Beine zu stellen.
Wie komisch es unter den Hippies einherging, zeigt zum Beispiel die Szene, als auf dem Gelände eine Käserinde gefunden wird. Es wurde dann tatsächlich darüber debattiert, wer denn der Schuldige sei. Das ist kein Scherz, es gilt als überliefert, dass diese Gespräche stattgefunden haben. Die Haltung von Bachmann gegenüber den Aussteigern wird deutlich, denn der Spott ist kaum zu Überhören. Ganz im Gegenteil, denn er wird uns ganz direkt und offen präsentiert. Die Geschichte beruht aber nicht nur auf wahren Ereignissen, denn die Freundschaft zwischen Gusto, einem der Gründer der Kommune, und der Ziege hat es wohl so nicht gegeben. Ulkig ist die Verbindung zwischen Mensch und Tier schon, inhaltlich und dramaturgisch fällt diese Story natürlich hinten ab. Schwamm drüber, denn etwas Unterhaltung ist doch auch okay.
Optisch ist "Der Berg der nackten Wahrheit" wild gezeichnet. Das Chaos ist Programm. Wir sehen oftmals cartoonhafte Elemente, wenn Körper überzeichnet dargestellt werden. Der Epilog sieht aus, als ob der Leser die ersten Ideen aus dem Storybook präsentiert bekommen hat. Alles ist dennoch stimmig zur Geschichte, denn wer sich so überspitzt über eine Aussteigerkultur lustig macht, der wird erst ernstgenommen, wenn man einen derartigen Zeichenstil hinlegt.
Und dann folgen noch die Anmerkungen. Diese sind handschriftlich von Bachmann aufgeschrieben. An dieser Stelle muss ich auch ein wenig spotten, denn meine katastrophale Handschrift liest sich allemal besser. Mein Auge hat viel leisten müssen, um die durchaus interessanten Hintergründe zu lesen. Erst jetzt versteht man viele Dinge aus der Handlung. Darüber hinaus kommen hier noch ein paar Dinge auf den Tisch, die der Autor auch gerne in seinem Comic erzählen hätte dürfen. Fazit "Der Berg der nackten Wahrheit" ist ein grandioser Abriss der großen Banalität der Hippies vom Berg Monte Verità. Jan Bachmann schafft es gleichermaßen wie Erich Mühsam sich spöttisch über die Aussteiger lustig zu machen.
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Wie komisch es unter den Hippies einherging, zeigt zum Beispiel die Szene, als auf dem Gelände eine Käserinde gefunden wird. Es wurde dann tatsächlich darüber debattiert, wer denn der Schuldige sei. Das ist kein Scherz, es gilt als überliefert, dass diese Gespräche stattgefunden haben. Die Haltung von Bachmann gegenüber den Aussteigern wird deutlich, denn der Spott ist kaum zu Überhören. Ganz im Gegenteil, denn er wird uns ganz direkt und offen präsentiert. Die Geschichte beruht aber nicht nur auf wahren Ereignissen, denn die Freundschaft zwischen Gusto, einem der Gründer der Kommune, und der Ziege hat es wohl so nicht gegeben. Ulkig ist die Verbindung zwischen Mensch und Tier schon, inhaltlich und dramaturgisch fällt diese Story natürlich hinten ab. Schwamm drüber, denn etwas Unterhaltung ist doch auch okay.
Optisch ist "Der Berg der nackten Wahrheit" wild gezeichnet. Das Chaos ist Programm. Wir sehen oftmals cartoonhafte Elemente, wenn Körper überzeichnet dargestellt werden. Der Epilog sieht aus, als ob der Leser die ersten Ideen aus dem Storybook präsentiert bekommen hat. Alles ist dennoch stimmig zur Geschichte, denn wer sich so überspitzt über eine Aussteigerkultur lustig macht, der wird erst ernstgenommen, wenn man einen derartigen Zeichenstil hinlegt.
Und dann folgen noch die Anmerkungen. Diese sind handschriftlich von Bachmann aufgeschrieben. An dieser Stelle muss ich auch ein wenig spotten, denn meine katastrophale Handschrift liest sich allemal besser. Mein Auge hat viel leisten müssen, um die durchaus interessanten Hintergründe zu lesen. Erst jetzt versteht man viele Dinge aus der Handlung. Darüber hinaus kommen hier noch ein paar Dinge auf den Tisch, die der Autor auch gerne in seinem Comic erzählen hätte dürfen. Fazit "Der Berg der nackten Wahrheit" ist ein grandioser Abriss der großen Banalität der Hippies vom Berg Monte Verità. Jan Bachmann schafft es gleichermaßen wie Erich Mühsam sich spöttisch über die Aussteiger lustig zu machen.