Buch - Horror

Der Leuchtturm

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Der Leuchtturm
Der LeuchtturmFilm - Horror | mit: Regie: Robert Eggers; Darsteller: Robert Pattinson, Willem DafoeBewertung:★★★★★ Ein Kammespiel auf einer einsamen Insel mit Dialogen voller mythischen und mythologischen Bezügen, in einem altmodischen 1,19:1-Seitenverhältnis gedreht und das Ganze dann auch noch in Schwarz-Weiß – Regisseur und Drehbuchautor Robert Eggers weiß, wie man kein Mainstream-Film auf den Markt bringt. Wer also nichts mit etwas experimentelleren Filmen anfangen kann, sollte einen großen, weiten Bogen um Der Leuchtturm machen. Alle mit einem breiteren cineastischen Horizont werden mit dem zweiten Spielfilm von Eggers eines der seltsamsten, aber gleichzeitig auch interessantesten Filmerlebnisse des letzten Jahres haben. Handlung Vier Wochen lang müssen der erfahrene Leuchtturmwächter Thomas Wake und sein neuer Gehilfe Ephraim Winslow auf einer einsamen, kleinen Insel vor der Küste von Maine verbringen. Eigentlich sollen sie sich immer abwechselnd um das Leuchtsignal kümmern, doch Wake lässt Winslow nicht einmal in die Nähe der Flamme. Die Spannung zwischen den beiden Männern wächst von Tag zu Tag. Auch, weil Winslow langsam, aber sicher den Verstand verliert. Trailer BewertungDie Bilder, die Kammeramann Jarin Blaschke – der bereits in The Witch mit Eggers zusammengearbeitet hat – sind klar und scharf gestochen. Er lässt die Insel in manchen Einstellungen wie eine Kulisse erscheinen, nur um in der nächsten die imposanten Naturgewalten auf das Publikum einprasseln zu lassen. Während die Insel wegen der stürmischen See und weitem Himmel bedrohlich erscheint, schaffen es Eggers und Blaschke, dass auch die Innenräume gefährlich wirken. Zum einen weil das Haus und der titelgebende Leuchtturm unfassbar eng und einengend wirken. Auch die schwindelerregenden und surrealistischen Kameraeinstellungen während Winslows Wahnvorstellungen setzen der bedrohlichen Stimmung noch einen drauf, sodass man permanent in Alarmbereitschaft ist.
Nicht nur visuell wird das Publikum in Spannung versetzt, denn auch die beklemmende Musik und die teilweise sehr laute Geräuschkulisse – die schreienden Möwen, der heulende Wind, die peitschenden Wellen – lassen einen nicht zur Ruhe kommen. Vor allem aber der immer vorhandene Leuchtturmsignal, der alles übertönt, reißt an den Nerven, sodass es keine allzu Überraschung ist, dass auch die Figuren langsam den Verstand verlieren.
Das bringt uns zu den hervorragend spielenden Hauptdarstellern. Sowohl Willem Dafoe als auch Robert Pattinson bringen so eine krasse Präsenz mit, dass man das Gefühl hat, zwei Naturgewalten aufeinanderprallen zu sehen. Viele der Dialoge strotzen nur so vor Anspielungen und Referenzen zur griechischen Mythologie und den Aberglauben von Seemännern. Sie wirken auf dem Papier fast wie philosophische Abhandlungen. Doch wenn die beiden Schauspielern diese vortragen, wirken sie echt und natürlich.
Das Zusammenspiel der beiden wechselt auch ständig zwischen Freundschaft, Hass, Misstrauen und Komik – manchmal sogar innerhalb einer Szene. Etwa, wenn Wake Winslow vorwirft, sein Essen nicht zu mögen. Hier springen die Schauspieler zwischen Komik, Tragik und Groteske gekonnt hin und her, sodass man gleichzeitig lachen, aber auch schreien möchte.
Der Film ist aber mit knapp 110 Minuten doch etwas zu lang geraten. Wenn die x-ste Wahnvorstellung daherkommt, weiß man in etwa, was einen erwartet. Das ist mir, als ich den Film im Kino geguckt habe, nicht so sehr aufgefallen, auf der heimischen Couch habe ich dann mal zwischendurch auf die Uhr geguckt. Doch das ist nur ein sehr kleines Haar in einer verstörenden und trotzdem genussreichen Suppe.
Fazit Der Leuchtturm ist definitiv nicht jedermanns Sache. Wenn man aber einen außergewöhnlichen Horrorfilm, der eher eine Studie über Einsamkeit und Wahnsinn ist, mit hervorragenden Schauspielern, einem enigmatischen Setting und eine Prise Lovecraft sehen will, ist Der Leuchtturm unbedingt empfehlenswert.
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