Buch - Thriller
Der Nachtzug
Als Strafverteidiger ist Adrian Corvin es gewohnt, anderen aus einer schwierigen Lage zu helfen. In Sebastian Fitzeks „Der Nachtzug“ geht es um seine eigene Familie. Um seinen entführten Sohn wiederzusehen, muss er sich ausgerechnet auf die Frau einlassen, die seine Ehefrau ermordet hat.
Handlung
Judith Corvin wird ermordet, ihr fünfjähriger Sohn Emil in derselben Nacht entführt. Adrian soll die geständige Mörderin an Bord des Royal Rail Express treffen. In dem luxuriösen Nachtzug verspricht sie ihm Emils lebende Rückkehr, stellt dafür aber eine scheinbar unerfüllbare Bedingung. Adrian bleibt nur die Hoffnung, dass sie ihr Versprechen hält.
Bewertung
Fitzek versteht es, seine Leser zu fesseln. Seine kurzen Kapitel enden häufig genau dann, wenn man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. So wird aus dem Vorsatz, nur noch einen Abschnitt zu lesen, schnell eine deutlich längere Lektüre.
Der Nachtzug erweist sich dabei als gelungener Schauplatz. Während Adrian auf seiner Suche durch die Abteile geschickt wird, bleibt ständig ungewiss, was ihn hinter der nächsten Tür erwartet. Die luxuriöse Ausstattung bildet einen wirkungsvollen Gegensatz zu seiner verzweifelten Lage. Wo andere ihre Reise genießen, muss er den Anweisungen der Mörderin folgen. Fitzek nutzt die unterschiedlichen Räume und Begegnungen geschickt und hält die Suche auf dem begrenzten Schauplatz abwechslungsreich.
Auch Adrians Beruf gibt der Geschichte einen interessanten Ansatz. Als Strafverteidiger kennt er den Umgang mit Schuld und Verbrechen, doch die Bedrohung seiner eigenen Familie bringt ihn an seine Grenzen. Seine Verzweiflung macht den Zeitdruck nachvollziehbar und sorgt dafür, dass man mit ihm auf eine Rettung Emils hofft. Manche Erklärungen zu seinen Überzeugungen und psychischen Problemen fallen etwas ausführlich aus. Auch einige Nebenfiguren hätten mehr Raum verdient. Für die spannende Suche erfüllen sie jedoch ihren Zweck.
Die Rückblenden und Perspektivwechsel liefern immer wieder neue Hinweise und laden zum Miträtseln ein. Gerade wenn sich eine Erklärung abzeichnet, stellt eine weitere Entdeckung die bisherigen Vermutungen infrage. Dabei verlangt Fitzek seinen Lesern gelegentlich ab, sich auf recht unwahrscheinliche Entwicklungen einzulassen. Die hohe Zahl der Wendungen ist stellenweise etwas viel, sorgt aber zugleich dafür, dass die Geschichte bis zur Auflösung in Bewegung bleibt.
Die Sprache liest sich überwiegend flüssig und passt zum hohen Tempo. Einzelne Bilder wirken etwas bemüht, ohne den Lesefluss nachhaltig zu stören. Am stärksten ist der Roman dort, wo Fitzek die bedrückende Ausgangslage und Adrians Ungewissheit für sich sprechen lässt.
Fazit
„Der Nachtzug“ bietet spannende Thrillerunterhaltung mit einem reizvollen Schauplatz, hohem Tempo und vielen Gelegenheiten zum Miträtseln. Besonders die Suche durch die Abteile und die geschickt gesetzten Cliffhanger machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Bei der Figurenzeichnung und der Glaubwürdigkeit mancher Wendungen bleiben kleinere Schwächen. Wer sich auf Fitzeks überraschungsreiche Geschichte einlässt, bekommt einen packenden Roman, der bis zum Schluss unterhält. Dafür gibt es 4 von 5 Punkten.
Copyright: Droemer HC
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Handlung
Judith Corvin wird ermordet, ihr fünfjähriger Sohn Emil in derselben Nacht entführt. Adrian soll die geständige Mörderin an Bord des Royal Rail Express treffen. In dem luxuriösen Nachtzug verspricht sie ihm Emils lebende Rückkehr, stellt dafür aber eine scheinbar unerfüllbare Bedingung. Adrian bleibt nur die Hoffnung, dass sie ihr Versprechen hält.
Bewertung
Fitzek versteht es, seine Leser zu fesseln. Seine kurzen Kapitel enden häufig genau dann, wenn man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. So wird aus dem Vorsatz, nur noch einen Abschnitt zu lesen, schnell eine deutlich längere Lektüre.
Der Nachtzug erweist sich dabei als gelungener Schauplatz. Während Adrian auf seiner Suche durch die Abteile geschickt wird, bleibt ständig ungewiss, was ihn hinter der nächsten Tür erwartet. Die luxuriöse Ausstattung bildet einen wirkungsvollen Gegensatz zu seiner verzweifelten Lage. Wo andere ihre Reise genießen, muss er den Anweisungen der Mörderin folgen. Fitzek nutzt die unterschiedlichen Räume und Begegnungen geschickt und hält die Suche auf dem begrenzten Schauplatz abwechslungsreich.
Auch Adrians Beruf gibt der Geschichte einen interessanten Ansatz. Als Strafverteidiger kennt er den Umgang mit Schuld und Verbrechen, doch die Bedrohung seiner eigenen Familie bringt ihn an seine Grenzen. Seine Verzweiflung macht den Zeitdruck nachvollziehbar und sorgt dafür, dass man mit ihm auf eine Rettung Emils hofft. Manche Erklärungen zu seinen Überzeugungen und psychischen Problemen fallen etwas ausführlich aus. Auch einige Nebenfiguren hätten mehr Raum verdient. Für die spannende Suche erfüllen sie jedoch ihren Zweck.
Die Rückblenden und Perspektivwechsel liefern immer wieder neue Hinweise und laden zum Miträtseln ein. Gerade wenn sich eine Erklärung abzeichnet, stellt eine weitere Entdeckung die bisherigen Vermutungen infrage. Dabei verlangt Fitzek seinen Lesern gelegentlich ab, sich auf recht unwahrscheinliche Entwicklungen einzulassen. Die hohe Zahl der Wendungen ist stellenweise etwas viel, sorgt aber zugleich dafür, dass die Geschichte bis zur Auflösung in Bewegung bleibt.
Die Sprache liest sich überwiegend flüssig und passt zum hohen Tempo. Einzelne Bilder wirken etwas bemüht, ohne den Lesefluss nachhaltig zu stören. Am stärksten ist der Roman dort, wo Fitzek die bedrückende Ausgangslage und Adrians Ungewissheit für sich sprechen lässt.
Fazit
„Der Nachtzug“ bietet spannende Thrillerunterhaltung mit einem reizvollen Schauplatz, hohem Tempo und vielen Gelegenheiten zum Miträtseln. Besonders die Suche durch die Abteile und die geschickt gesetzten Cliffhanger machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Bei der Figurenzeichnung und der Glaubwürdigkeit mancher Wendungen bleiben kleinere Schwächen. Wer sich auf Fitzeks überraschungsreiche Geschichte einlässt, bekommt einen packenden Roman, der bis zum Schluss unterhält. Dafür gibt es 4 von 5 Punkten.
Copyright: Droemer HC