Buch - Drama

Der Pfirsichgarten

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Der Pfirsichgarten
Der PfirsichgartenBuch - Drama | mit: Melissa FuBewertung:★★★★★ Melissa Fu ist in den USA aufgewachsen. Besser gesagt in New Mexico. Ihr Vater hatte eine ganz andere Lebensgeschichte, seine Wurzeln reichen bis ins ferne China. Doch er erzählte nicht viel bis gar nichts von seinen Erfahrungen. Doch an einen Tag begann er zu Reden und die Aufzeichnungen flossen in das Buch von Melissa Fu ein. Es ist eine Geschichte entstanden, die von Leid und Glück erzählt. Sie reicht bis in den Sino-Japanischen Krieg. Wieder einmal wird von den Schrecken erzählt und was ein Krieg mit Menschen macht, wie es einen von der Heimat entwurzelt. Handlung Als ihre Stadt in Flammen aufgeht, beginnt für die junge Mutter Meilin und ihren vierjährigen Sohn Renshu eine gefährliche Reise durch das kriegszerstörte China der 1930er Jahre. Kaum wähnen sie sich einmal in Sicherheit, müssen sie schon wieder aufbrechen zu einem anderen Ort und in ein anderes Land. Die findige Meilin muss ihren ganzen Einfallsreichtum aufbieten, um ihren einzigen Sohn aufwachsen sehen zu können. Inmitten von Überlebenskämpfen, tragischen Trennungen und bewegenden Wiedersehen finden sie Trost und Zuflucht bei einer alten, seidenen Schriftrolle. Ihre feinen Zeichnungen und die schillernde Legende vom Pfirsichblütengarten beschützen sie vor der harten Realität der Flucht.

Jahre später lebt Renshu in den USA. Er heißt nun Henry Dao, hat studiert, geheiratet und eine Familie gegründet. Über seine Kindheit schweigt er sich aus, und auch seine Versuche, einen Obstgarten anzulegen, misslingen – bis eines Tages die Pfirsichbäume wachsen. Hier, im Pfirsichgarten ihres Vaters, kann seine Tochter Lily vielleicht doch etwas über ihre Wurzeln erfahren.BewertungZunächst ist es gar nicht so einfach, sich in der Geschichte zurechtzufinden. Es sind Namen und Orte und irgendwie ist es einfach nicht unsere historische Geschichte, die erzählt wird. Der Sino-Japanische Krieg ist schrecklich gewesen, er verursache viel Leid und produzierte unglaubliche Kriegsverbrechen. So wie eigentlich jede kriegerische Auseinandersetzung. Dennoch ist er - auch mir, obwohl ich mich sehr für Geschichte interessiere - uns fremd. Was uns aber vereint, ist das Aufgeben der Heimat und so entstehen Verknüpfungen. In Deutschland leben Millionen Menschen, die entweder aus fremden Ländern zu uns gezogen sind oder auch viele Großeltern oder Urgroßeltern, die aufgrund des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Hinter jedem Schicksal steckt eine Geschichte. Jede ist es wert erzählt zu werden, allein als mahnendes Beispiel für zukünftige Generationen.

Melissa Fu schafft diesen Spagat. Auch, wenn man vielleicht nicht direkt von Flucht und Vertreibung betroffen ist, regt sie zum Nachdenken an. Sie hinterlässt einen Fußabdruck in uns. Und genau an dieser Stelle, die vielleicht ein paar Kapitel auf sich warten lässt, hat sie uns. Sie zieht uns auf ihre Seite. Dabei erwischte ich mich immer wieder dabei, dass ich einzelne geschichtliche Ereignisse recherchiert habe. Es ist kein Muss, dennoch wollte ich mehr über die Hintergründe wissen. Wer das nicht möchte, muss es wie gesagt nicht machen und ich kann an dieser Stelle auch die Angst nehmen, dass ihr mit historischen Kontext überhäuft werdet. Dieser Part hält sich gekonnt im Hintergrund auf. Sehr angenehm.

Die Geschichte von Meilin, Renshu und Lily ist ereignisreich und erstreckt sich über Generationen. Wir können uns perfekt in die Protagonisten hineinversetzen. Das ist auch die Grundlage für "Der Pfirsichgarten", denn sonst würde das Kartenhaus zusammenbrechen. Abgerundet wir das Hardcover durch ein sehr liebevolles Cover, welches die Atmosphäre, die Stimmung der Handlung widerspiegelt. Fazit "Der Pfirsichgarten" ist ein sehr prägsames Buch, welches zum Nachdenken anregt. Sehr toll!
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