Comic - Horror

Die Affenpfote

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Die Affenpfote
Die AffenpfoteComic - Horror | mit: Sabine Wilharm Bewertung:★★★★★ Drei Wünsche frei, egal welcher Art! Für Familie White, Vater, Mutter und Sohn die Hoffnung, ihrem tristen, eintönigen Dasein in einer trostlosen Betonwüste zu entfliehen. Doch nicht alles läuft so ab wie bei Jeannie oder anderen guten Geistern, jeder Wunsch hat Konsequenzen! Grausame, tragische Konsequenzen! Ein weiteres zeitloses Kleinod klassischer Horrorliteratur in ausdrucksstarken, teils grotesk verzerrten Bildern aus der Carlsen-Reihe „Die Unheimlichen“. Ein Werk, das den Betrachter nachdenklich und leicht schaudernd zurücklässt. Top! Handlung Familie White hält ihr Wohnviertel für ein „widerliches, dreckiges Randgebiet“ der Stadt, von Zufriedenheit und Glück sind die drei also weit entfernt. Als dann ein alter Bekannter des Vaters, gerade von einer Reise aus dem geheimnisvollen und unbekannten Indien zurückgekehrt, zu Besuch kommt, ergreift Familie White ihre Chance: Weiß der gute Freund doch von einer mysteriösen, mumifizierten Affenpfote zu berichten, die jedem neuen Besitzer drei Wünsche erfüllt! Der erste Wunsch betrifft natürlich Geld, das Mutter und Vater White auch umgehend erhalten. Allerdings ist die Summe das Sterbegeld für den plötzlich verunglückten, geliebten Sohn! Was also sollen sich die vor Schmerz fast besinnungslosen Eltern nun wünschen? Kann die Affenpfote dem Tod selbst ein Schnippchen schlagen?
BewertungSabine Wilharm interpretiert die klassische Horrorgeschichte von William W. Jacobs in recht einfach erscheinenden und doch tiefgründigen, oftmals surreal verzerrten und grotesk dimensionierten, durchgehend in schwarz-weiß-violett gehaltenen Zeichnungen, die Raum für allerlei Gedankenspiele und Interpretationen eröffnen. Teilweise wirkt der Strich zwar etwas unbeholfen, fast kindlich, was aber wunderbar mit der düsteren, auswegslosen Situation der Whites disharmoniert. Der Betrachter kann die anfängliche Hoffnung, dann das unsagbare Entsetzen und letztlich die tragische Verzweiflung der Protagonisten förmlich greifen, während sich das Grauen zu einem entsetzlichen Crescendo steigert. Es gibt nicht einen einzigen Moment des Schmunzelns oder Lächelns. In dieser Graphic Novel zeigt sich das Grauen völlig unerwartet im Alltagsleben normaler Menschen, was einen weiteren speziellen Kontrast und eine intensive Wirkung auf den Leser erzeugt. Abgerundet wird das Bändchen durch ein erläuterndes Nachwort zum vorliegenden Comic und seinen Schöpfern. Mehrere Bände der von Isabel Kreitz herausgegebenen Carlsen-Reihe „Die Unheimlichen“ liegen bereits vor. Dabei umfasst die Auswahl ein breites Spektrum von Alpträumen, sowohl die Arbeiten klassischer Horror-Größen wie Edgar Allen Poe als auch zeitgenössischer Autoren wie Elfriede Jelinek werden in modernen Graphic Novels aufgegriffen und neu interpretiert. Das relativ kleine Pocket-Format ist zwar recht handlich, aber die optische Wirkung der Arbeit hätte von einer großformatigen Darstellung höchstwahrscheinlich doch profitiert.
Fazit Pflicht für alle Fans intelligenter, phantastischer Comic-Literatur: Ein spannender, gruseliger, überraschender, unheimlich-makabrer, tiefschwarzer Plot, der viele Fragen offen lässt Und das fast Gemeine dabei: Es obliegt dem Leser, die Lücken zu füllen. Jeder kann sich seinen eigenen Vorstellungen und Schrecken hingeben, ein wahrlich diabolisches Konzept!
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