Comic - Drama

Die Bluse

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Die Bluse
Die BluseComic - Drama | mit: Bastien VivesBewertung:★★★★★ Kleider machen Leute, ein Klischee, das oftmals zutrifft und auch in „Die Bluse“ von Bastien Vives thematisiert wird. Eingepackt in Unschuld, ein Leben so geführt, wie es die abendländische Gesellschaft verlangt und durch eine Bluse wachgeküsst. Umprogrammiert auf Lust und Leben, keine Rücksicht auf Verluste. Das ist die Story von „Die Bluse“. Handlung Severine studiert ein hochinteressantes Fach. Sie hat sich nämlich für Literaturwissenschaften einschreiben lassen. In der französischen Hauptstadt wohnt sie mit ihrem Freund Thomas zusammen. Allerdings ist er der typische Geek. Er verbringt seine Zeit mit Computerspielen, Serien, Tabletop Spiele und und und. Severine hat sich mit einem eher langweiligen Leben angefreundet. Jedoch erträgt sie es lediglich. In ihr schlummert ein wenig mehr. Als sie eines Tages eine Bluse geliehen bekommt, verändert sich sichtlich ihr Leben. Die junge Frau schaut in dieser nämlich etwas anziehender aus und so schauen sich die Männer nach ihr um. Das Verlangen der Männer schmeichelt ihr und sie lässt sich bereitwillig auf ein Abenteuer ein. Die Bluse hat schon fast magische Kräfte und sie weckt Severine aus dem Dornröschenschlaf. Severine taucht in ein Leben, das vor allem einem flogt: dem Lustprinzip.BewertungDie Bluse verändert die Hauptdarstellerin sichtlich. Sie entdeckt eine ganz andere Seite an sich. Sie zieht sich immer mehr zu Abenteuern und der Auslebenung von Lust hin. Das ist auf der einen Seite gut, da sie sich so besser kennenlernt und sich ausprobiert. Sie fängt an zu leben, denn sie sitzt nicht mehr auf dem Sofa beziehungsweise im Bett und schaut mit ihrem nerdigen Freund Serien. Die Schattenseiten kommen allerdings auch zum Vorschein, denn wer nach der eigenen Lust lebt, der nimmt nicht gerade Rücksicht auf andere. Daher stößt sie bei einigen Leuten an. Sie schiebt selbst einen Lover ab, nur weil es da noch etwas zu entdecken gibt.

Besagte Szene findet auf einem Parkplatz statt und ist schon eine Art Quantensprung, indem es der Autor ein wenig übertreibt. Er schlüpft von einer Affäre hin zu einem Akt, den man vielleicht bei „Wahre Liebe“ mal vorgestellt bekommen hat und eher etwas extremer anzusiedeln ist. Nicht, dass es in die „Fifty Shades of Grey“ Richtung geht, aber der Sprung dürfte so etwas wie die Beschleunigung von null auf dreihundert sein. Gleichermaßen überrascht doch ein Anschlag, der sicherlich nach dem aktuellen politischen Geschehen greift, sich dennoch deplatziert anfühlt.

Interessant ist die letzte Szene, dort sieht der Leser, was für Auswirkungen ihr neues Leben mit sich bringt. Ganz unbeabsichtigt sorgt sie für einen unschuldigen Menschen für einen kleinen Schock. Dennoch lässt sich das Finale auf unterschiedliche Arten deuten und da kann sich ein jeder selbst ein Bild machen. Dieses Stilmittel hat mir gut gefallen. Jedoch muss man auch ehrlicherweise sagen, dass die Dramaturgie einem banalen 0815-Schema folgt, das sicherlich ein jeder von uns schon einmal gelesen hat oder gesehen hat: Unschuldslamm wird zur Sexgöttin und wird dann wieder sesshaft oder verliert vollkommen den Boden unter den Füßen.

Nett ja, aber der ganz große Durchbruch hat dann doch gefehlt, weil die Wendungen teilweise - wie oben geschrieben - sehr utopisch waren. Optisch verschließt „Die Bluse“ nicht die Augen, die Kamera hält voll drauf. Die üppigen Kurven von Severine sind gleichermaßen Ansichtsmaterial, wie ihre Sexabenteuer.
Fazit „Die Bluse“ bedient sich einem Genre, dass man richtig anfüttern muss, sodass ein Psychodrama entstehen könnte. Dies gelingt Bastien Vives aber nicht. Übrig bleibt ein netter Comic, der durchaus Spaß macht, jedoch nicht lange in Erinnerung bleiben wird.
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