Comic - Drama

Die letzte Einstellung - Vorzugsausgabe

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Die letzte Einstellung - Vorzugsausgabe
Die letzte Einstellung - VorzugsausgabeComic - Drama | mit: Isabel KreitzBewertung:★★★★★ Comic-Autorin und Zeichnerin Isabel Kreitz ist beim Verlag „Reprodukt“ keine Unbekannte. Von mir gern gelesene, geschichtsträchtige Werke waren „Die Sache mit der Sorge – Stalins Spion in Tokio“ und „Die Entdeckung der Currywurst“. Dass sie gut ist, zeigen ihre Auszeichnungen: Sie wurde mit dem Max-und-Moritz-Preis als „Beste deutschsprachige Comic-Künstlerin“ (2012), dem Wilhelm-Busch-Preis (2019) und dem e.o.plauen-Preis (2023) ausgezeichnet. Das ist doch schon mal eine gute Voraussetzung. Nun steigen wir in „Die letzte Einstellung“ ein und schauen ein Stück weiter unten, wie es uns gefällt.

„Die letzte Einstellung“ (Vorzugsausgabe) erschien im Mai 2025, kommt auch in der normalen Ausgabe als Hardcover und umfasst insgesamt 312 Seiten. Handlung Berlin, Spätsommer 1944: Heinz Hoffmann lebt seit elf Jahren als "verbotener Autor" in der inneren Emigration, als ein Luftangriff seine Wohnung zerstört und er Zuflucht bei seiner ehemaligen Geliebten Erika Harms suchen muss. Die UFA-Mitarbeiterin bringt ihn ins Spiel, als händeringend ein Ghostwriter für das Drehbuch eines vom NS-Propagandaministerium dringlichst angeforderten »Durchhaltefilms« gesucht wird. Durch Widrigkeiten und staatliche Repressalien mürbe geworden, lässt Heinz sich schließlich darauf ein…

Als die Filmproduktion wegen dauerhafter Bombardierungen von Babelsberg aufs Land verlegt wird, finden sich auch Heinz und Erika unter den Glücklichen, die mitreisen dürfen. Und während in ihrem potemkinschen Dorf bald niemand mehr weiß, ob ihr Tun angesichts der auch hier nahenden Alliierten noch zielführend ist, ringt Heinz Hoffmann mit seinem Gewissen: Wie sehr ist er um des Überlebens willen ein Teil des nationalsozialistischen Systems geworden?BewertungEs ist immer wieder sehr spannend, andere, noch nicht gänzlich durchleuchtete Dinge aus der NS-Zeit zu hinterfragen, sich dort das Wissen aufzubauen. Sicherlich kennen wir die großen Stars der Wochenschau und die Propagandafilme. Die Haltung der Industrie schwankt zwischen Täter und Opfer. Treu nach dem Motto „Wir haben ja nur Filme gedreht“ haben sie ihr Programm durchgezogen. Dass sie mit der ideologischen Hetze dazu beigetragen haben, dass so viele Menschen verfolgt und ausgegrenzt wurden, vergessen sie dabei. Oder wollen es vergessen. Genau diese Frage stellt sich aber zusehends unser Hauptprotagonist. Ist er Teil der Maschinerie? Darf man das?! Und hier stoßen wir natürlich auch auf die Gewissensbisse, denn schließlich steckt man mitten in der größten militärischen Auseinandersetzung, die die Welt jemals gesehen hat. Hilft man dann doch!? Lässt man sich „befreien“!? Es sind viele unterschiedliche Aspekte, die stets in der Frage nach Schuld und Unschuld beachtet werden sollen.

Besonders krass empfand ich die Einstellungen, wo Zwangsarbeiter auf LKWs gekommen sind. Es sind Leute in schlechtem Zustand, aber dennoch waren das diejenigen, die noch laufen konnten, die, die sich freiwillig gemeldet haben, damit sie etwas länger überleben konnten. Es sind Szenen, wo unser Hauptdarsteller beginnt zu überlegen, zu hinterfragen. Hier wird aber auch in aller Deutlichkeit sichtbar, was es bedeutet, für das NS-Regime zu arbeiten. Leute, die zum Sterben in Lager geschickt werden, müssen dafür herhalten, dass die deutsche Bevölkerung länger durchhält.

Die Aufmachung ist genial. Ich spreche hier aber ausdrücklich von der Vorzugsausgabe, die streng auf 450 Exemplare limitiert ist und als Hardcover erscheint. Zusätzlich gibt es noch ein signiertes Exlibris, das auch nummeriert ist, damit die Exklusivität gewährleistet ist. Die normale Ausgabe erscheint ebenfalls im Hardcover, hat aber nicht den Leinenrücken. Weiterhin können die Panels durch einen detaillierten, klaren schwarzen Anstrich punkten und überzeugen. Die Zeichnungen passen eindeutig in die Zeit und runden damit das tolle Comic ab. Fazit „Die letzte Einstellung“ ist ein vielschichtiges Drama, welches besonders gut in der limitierten Vorzugsausgabe zur Geltung kommt. Sehr geil, daher Bestnote von mir!
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