Comic - Geschichte

Die Geschichte von Francine R.

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Die Geschichte von Francine R.
Die Geschichte von Francine R.Comic - Geschichte | mit: Boris Golzio (Autor)Bewertung:★★★★★ Schon wieder ein Comic über Konzentrationslager? Schon wieder, schon wieder, ich kann es nicht mehr lesen... Stop! Wer solche Gedanken hat, der sollte "Die Geschichte von Francine R." vom "Avant-Verlag" nicht in eine Schublade stecken. Auf der einen Seite sollte die dunkelste Stunde der deutschen Vergangenheit stets ein Thema sein, alleine um das Vergessen zu verhindern, auf der anderen ist die Lebensgeschichte von Francine R. sehr schockierend. Das Comic spricht harte Themen an und zeigt sehr viel und ist daher nichts für schwache Gemüter. Es wird die nackte Wahrheit berichtet, was es hieß, Insassin in einem Konzentrationslager zu sein. Handlung In langen persönlichen Gesprächen mit Francine R., einer Überlebenden des Konzentrationslagers Ravensbrück, hat Boris Golzio das Schicksal dieser beindruckenden Frau entdeckt und in einer Graphic Novel umgesetzt. Francine R. war während der deutschen Besatzung Frankreichs Mitglied der Résistance. Am 6. April 1944 wird sie zusammen mit ihrer Schwester von der Gestapo verhaftet. Beide werden anschließend in unterschiedliche Lager nach Deutschland deportiert. Schliesslich wird Francine im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Sie erzählt aus erster Hand von den unmenschlichen Bedingungen der Zwangsarbeit und des (Über-)Lebens im Lager. Mit seinen zurückgenommenen Zeichnungen findet Boris Golzio einen gekonnten Ansatz, die Geschichte Francines einfühlsam und eindringlich zu erzählen.BewertungVom Widerstand ins KZ. Dort erlebt die Hauptprotagonisten unendlich schreckliche Qualen. Sie berichtet ausführlich von den Taten der Wachleuten, von der SS, von der Gestapo von den Wachmannschaften. Egal welche Berührungen sie in ihrer Gefangenschaft anspricht, der Leser weiß sofort, dass es heftig, schrecklich und unmenschlich war. Der Tod schwebte stets über die Insassen, wer zu schwach war, der wurde vernichtet. Die Menschen wurden nicht nur getötet, sie wurden ausgelöscht. Tiere waren mehr wert als sie, sie waren in den Augen der Unterdrücker keine Menschen mehr.

Francine berichtet aber nicht nur über Vergasungen, sondern über den Hunger, Experimenten an Körpern und über die Konflikte mit anderen Insassinnen. Gerade die Beziehungen zwischen den Franzosen und den Polen waren sehr angespannt. Boris Golzio zeigt das komplette Grauen in seinen Zeichnungen. Wir kennen die Bilder alle, haben sie im Kopf, doch nun haben wir neue dazu bekommen, die wir ebenfalls nicht vergessen werden. Alleine die "Entlausung", der Anfang einer langen unfreiwilligen Reise schmerzt. In diesem Ritual werden den Frauen die Haare abgeschnitten, ein erster Schritt sie zu brechen und zu entmenschlichen. Danach wird ihnen alles genommen. Goldzähne oder Brillen. Die SS kann alles gebrauchen, dabei wandert Schmuck oftmals in die Taschen der Wärter, viele haben sich so bereichert.

In den letzten Jahren keimt immer wieder die Diskussion um Entschädigungszahlungen auf. Als ich die Namen der Unternehmen las und wie diese Profit aus dem Leid der Inhaftierten geschlagen haben, habe ich wenig Verständnis dafür, dass es diese Debatte überhaupt gibt.
Fazit "Die Geschichte von Francine R." ist eine bildgewaltige, biographische Abhandlung.
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