Buch - Drama

Die Hölle war der Preis

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Die Hölle war der Preis
Die Hölle war der Preis Buch - Drama | mit: Hera Lind Bewertung:★★★★★ Da war doch was. Ja, irgendwie stand da doch mal eine Mauer. Das haben bestimmt die Nazis gebaut oder dieser Bill Gates. Oder waren es doch die Illuminaten? So oder so ähnlich könnten Antworten bei der Pisa-Polizei vom Radiosender "N-Joy" lauten. Ich nehme das Thema DDR zumindest immer nur noch so wahr, dass es nur um "Ossis" und "Wessis" geht. Das die DDR jedoch ein Unrechtsstaat, eine Diktatur war, die zahlreiche Menschenleben auf dem Gewissen hat, Familien getrennt und einfach die Seelen von so vielen zerstört hat, geht bei so einigen Betrachtungsweisen beziehungsweise Rückblicken verloren. Schön, dass Hera Lind die schrecklichen Erlebnisse von Gisa und Ed in dem Buch "Die Hölle war der Preis" nieder geschrieben hat. Ihr sind Dinge widerfahren, die wir heute nur aus "Guantanamo Bay" oder aus Ländern wie Russland oder Nordkorea her kennen. Es ist eine brutale Welt, die uns hier eiskalt um die Ohren fliegt, es ist aber eine Geschichte, die erzählt werden muss. Handlung Gisa und Ed wollen weg. Sie wollen nicht in diesem Staat leben. In einem System in dem man anstehen muss, in dem man nur etwas mit Beziehungen erreichen kann. Der angebliche Vorzeigesozialismus entpuppt sich als menschenverachtende Maschinerie, indem es offiziell um das große Ganze geht, um die Menschen und die Gemeinschaft. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Strafen, Verfolgungen, Tötungen und Einschränkungen. Wenn einer Mutter nach vier Wochen das Kind weggenommen wird, damit sie wieder arbeiten muss, dann ist das nicht nur verwerflich, es ist krank. Die Arbeit über die Bindung zwischen einem Baby und einer Mutter zu stellen, ist ein Zustand der niemals gut ist. Die Bindungstheorie wurde in der DDR unterdrückt, systematisch. Warum? Es ging nur um die Liebe zum Land. Kennt man eigentlich aus der Nazi-Zeit...

Aus diesen Gründen beschließen Gisa und Ed zu fliehen. Im Januar 1974 war es so weit und dann passiert das Gefürchtete, sie werden bei der Republikflucht, also der Flucht vor dem geliebten, sozialistischen System, erwischt. Es folgt die Hölle auf Erden, ein Martyrium sondergleichen.BewertungBereits die ersten Seiten fesseln. Sie erzeugen einen unglaublichen Sog und so konnte ich das Buch nicht beiseite legen. Es berührte mich, ich war sichtlich erschrocken, wie der Lebensalltag in der DDR aussah. Die Tragweite ist heute kaum noch vorstellbar. Der Wunsch nach der großen Flucht in Richtung Westdeutschland ist sofort nachvollzieh- und spürbar. Was dann folgt, es ist schrecklich, kaum in Wort zu fassen. Das Unbegreifliche ist, dass es wirklich passiert ist. Das Menschen in Uniform nach dem Jahr 1945 noch Menschen in Gefängnissen gefoltert haben, es darf doch nicht wahr sein, doch es ist tatsächlich passiert.

Der Schreibstil von Hera Lind fesselt. Er ist nachvollziehbar geschrieben, sodass kein Zweifel aufkommt. Sie erweckt Gisa und Ed zum Leben. Gibt ihnen Gefühle und Emotionen und gerade diese Menschlichkeit, dieser starke Wille des Überlebens ist der Hoffnungsschimmer am Horizont. Da trotzt der Ottonormalbürger dem verhassten Staat. Dieser versucht einiges, doch sie schaffen es nicht die Hoffnung und den Glauben an die Liebe zu brechen. Der schwere Schicksalsschlag entwickelt sich zum Ausrufezeichen und dieses ist eine Abrissbirne. Es sind eben Menschen wie Ed und Gisa gewesen, die dafür gesorgt haben, dass es die DDR heute nicht mehr gibt. Es ist aber umso wichtiger, dass diese Geschichten nicht in Vergessenheit geraten, es liegt also an Dir und mir, dass sich die Vergangenheit nicht wiederholt.

Fazit "Die Hölle war der Preis" ist Geschichtsunterricht für Einsteiger, Fortgeschrittene und Experten und garantiert nicht so langweilig wie in der Schule! Hera Lind hat einen Roman geschrieben, der unter die Haut geht!
ZURÜCK INS ARCHIV