Buch - Fantasy

DORNENHECKE

Veröffentlicht am 06.02.2026
5/5
DORNENHECKE
Manchmal stolpert man über ein Buch, das einen augenblicklich in seinen Bann zieht, obwohl man gar nicht damit gerechnet hat. So ging es mir mit "Dornenhecke". Als Comic- und Buchliebhaber bin ich ja immer auf der Suche nach neuen, besonderen Geschichten, und diese hier hat mich wirklich überrascht. Ursula Vernon, die auch unter dem Namen T. Kingfisher schreibt und für ihre Kinderbücher und Graphic Novels bekannt ist, hat hier eine Novelle geschaffen, die nicht nur junge Leser, sondern auch ältere Semester wie mich begeistern dürfte. Sie hat es geschafft, eine märchenhafte Welt mit einer wirklich ungewöhnlichen Heldin zu erschaffen, die mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Ich bin ja ein großer Fan von Geschichten, die mal einen anderen Weg gehen, die Klischees auf den Kopf stellen und Charaktere präsentieren, die man so schnell nicht vergisst. Und Krötling, die Protagonistin von "Dornenhecke", ist definitiv so eine Figur. Sie ist nicht die typische Prinzessin in Not, und genau das macht sie so besonders.

HANDLUNG

Dornenhecke erzählt von einer krötigen Heldin mit einem Herz aus Gold, einem liebenswerten Ritter und einer Mission, die komplett in die Hose geht … Es war einmal eine Prinzessin, die in einem Turm festsaß. Diese Geschichte handelt nicht von ihr. Kurz nach ihrer Geburt wird Krötling von den Feen entführt. So wächst sie zwar fern von ihrer Familie, doch geliebt und geborgen in den warmen Wassern des Feenlandes auf. Eines Tages wenden sich die Feen mit einer Bitte an sie: Sie soll in die Menschenwelt zurückkehren, um ein Neugeborenes mit einem schützenden Segensspruch zu bedenken. Klingt einfach, oder? Doch bei den Feen ist nichts jemals einfach. Jahrhunderte später nähert sich ein Ritter einer hohen Dornenhecke, deren Stacheln so scharf wie Schwerter und dick wie Unterarme sind. Wie er gehört hat, gibt es hier einen Fluch zu brechen – einen Fluch, den Krötling mit aller Macht aufrechterhalten will …

KRITIK

"Dornenhecke" umfasst gerade mal 144 Seiten, kommt im Hardcover und ist im Cross Cult Verlag erschienen, aber in diesen wenigen Seiten steckt so viel Herz und Charme, dass man es kaum glauben mag. Schon die Grundidee ist wunderbar: Es ist keine Geschichte über die Prinzessin im Turm, sondern über Krötling, die von den Feen entführt und in deren glitzernder Welt aufgezogen wird. Das allein ist schon eine faszinierende Abweichung vom klassischen Märchen. Krötling ist eine Kröte, und sie hat ein Herz aus Gold. Es ist einfach eine Freude, die Welt aus ihrer Perspektive zu erleben. Sie ist so liebenswert, so authentisch in ihrer Gutmütigkeit, dass man ihr sofort alles Glück der Welt wünscht.



Dann taucht ein Ritter auf. Die Konstellation zwischen den beiden ist genial und voller Potenzial. Die Geschichte wechselt geschickt zwischen der Gegenwart und Rückblenden in die Vergangenheit. Dieser Zeitstrahl ist wirklich gut gemacht und fügt die einzelnen Puzzleteile zusammen. Man versteht Krötlings Beweggründe und ihre innere Zerrissenheit. Doch hier stoßen wir auch auf die einzige Schwäche des Buches. Obwohl die Novelle mit ihren 144 Seiten auf den ersten Blick kurz erscheint, hätte man sich an manchen Stellen doch mehr Tiefe gewünscht. Besonders die Auflösung der Konflikte geschieht am Ende ein wenig zu schnell. Man hat das Gefühl, dass die Geschichte hier noch mehr Raum zum Atmen und zur Entfaltung gebraucht hätte. Es ist, als würde man ein köstliches Mahl vorgesetzt bekommen, das aber leider etwas zu schnell gegessen ist.

Trotzdem, die Magie, die Ursula Vernon hier versprüht, ist unbestreitbar. Die Beschreibungen sind bildgewaltig, und Krötlings innere Stimme ist einfach bezaubernd. Man fiebert mit ihr mit, hofft, dass sie ihren Weg findet, und spürt ihre Verzweiflung. Es ist eine Novelle, die zeigt, wie viel Emotion und Fantasie auf kleinem Raum Platz finden kann. Man merkt der Autorin an, dass sie diese Geschichte mit viel Liebe zum Detail und einer Menge Herzblut geschrieben hat.

FAZIT

"Dornenhecke" ist eine kleine Perle im Reich der Fantasyliteratur. Es ist eine Geschichte, die man nicht so schnell vergisst.
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