Comic - Horror

Dracula

Veröffentlicht am 27.10.2026
5/5
Dracula
Einleitung

Fernando Fernández erzählt „Dracula“ mit dunklen Farben, realistisch gemalten Gesichtern und einem guten Gespür für das Unheimliche. Seine in Öl gemalte Comicadaption begann 1982 in der spanischen Zeitschrift „Creepy“. Jetzt bringt der avant-verlag sie in einer großformatigen Ausgabe zurück, neu aus dem Spanischen übersetzt von Friederike Hofert.

Handlung

Jonathan Harker besucht den Grafen Dracula in Transsilvanien und entdeckt, dass er es mit einem Vampir zu tun hat. Als der Graf nach England gelangt, geraten auch Harkers Verlobte Mina und deren Freundin Lucy in Gefahr. Van Helsing gehört zu denen, die den unheimlichen Vorgängen auf den Grund gehen und dem Grafen etwas entgegensetzen wollen.

Bewertung

An den Bildern kann man sich lange aufhalten. Fernández malt Gesichter so genau, dass Müdigkeit, Angst und das Lauern in einem Blick sofort auffallen. Dazu kommen die schweren Braun- und Rottöne, das fahle Licht und die Schatten, in denen ein Raum plötzlich bedrohlich wirkt. Die Malerei passt gut zu Stokers Geschichte: Die Menschen sehen vertraut und verletzlich aus, während ihre Umgebung zunehmend etwas Unwirkliches bekommt.
Trotz der aufwendigen Bilder lässt sich der Comic gut lesen. Fernández wechselt zwischen Gesichtern und größeren Szenen, ohne dass man den Anschluss verliert, und kann eine Situation auch über mehrere kleine Panels zuspitzen. Die Seiten sind abwechslungsreich aufgebaut.
Der Schrecken hat dabei viel mit Körpern zu tun. Fernández verbindet Blut, Verfall und Haut mit einer Sinnlichkeit, die stellenweise ziemlich offensiv wird. Besonders die Frauenfiguren sind deutlich als verführerische Erscheinungen inszeniert. Das passt zum Erwachsenencomic seiner Entstehungszeit, kann heute aber auch aufdringlich wirken. Die malerische Schönheit macht die Gewalt jedenfalls nicht harmlos; Verlockung und Bedrohung liegen hier nah beieinander.
Bei der Handlung bleibt Fernández eng genug an Stoker, dass die bekannten Figuren und Stationen erhalten bleiben, kürzt die umfangreiche Vorlage aber deutlich. Die Briefe und Tagebücher werden nicht in ihrer ursprünglichen Form durch den Band getragen. Stattdessen geben Textkästen Auskunft über Gedanken und Ereignisse. Das hält die Geschichte übersichtlich und erlaubt es, zügig von einer Begegnung zur nächsten zu wechseln.

Für diese Zeichnungen ist das große Format eine gute Wahl. Der avant Verlag ergänzt die Geschichte um Bleistiftskizzen aus dem Nachlass und einen einleitenden Text. Das macht den Band auch für Leser interessant, die sich näher mit Fernández’ Arbeit beschäftigen möchten. Bei 50 Euro sollte einem allerdings gerade dieser Blick auf seine Kunst wichtig sein. Wer lediglich eine günstige Comicfassung des Romans sucht, ist hier nicht richtig.

Fazit

Fernández’ „Dracula“ lohnt sich vor allem wegen seiner Malerei, die Schönheit und Schrecken eindrucksvoll zusammenbringt. Auch als Comic funktioniert die Adaption gut. Wer klassische Horrorbilder und aufwendig gestaltete Seiten mag, bekommt hier eine affengeile Fassung des Stoffes.


Copyright: avant Verlag
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