Filme - Drama

Drei Tage und ein Leben

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Drei Tage und ein Leben
Drei Tage und ein LebenFilme - Drama | mit: Sandrine Bonnaire (Darsteller), Pablo Pauly (Darsteller), Nicolas Boukhrief (Regisseur) Bewertung:★★★★★ Der Film ist eine französische Buchverfilmung. Die Vorlage stammt aus der Feder von Pierre Lemaitre, der für seine Bücher „Spiegel unseres Schmerzes“ oder „Wir sehen uns dort oben“ durchaus nachdenkliche Titel gewählt hat. Ich muss gestehen, ich habe das Buch nicht gelesen, dafür den Film aber umso mehr schätzen gelernt und bin nun nicht abgeneigt, den Roman zu lesen. Diesmal also einmal anders rum. „Drei Tage und ein Leben“ zeigt uns eine Reise in ein gewöhnliches Dorf, indem die Geheimnisse anscheinend hinter jeder Ecke versteckt liegen. Regiesseur Nicolas Boukhrief überspannt dabei aber nicht den Boden und serviert dem Zuschauer ein anspruchsvolles Drama. Handlung Als der kleine Rémi in einem Dorf in den Ardennen verschwindet, stehen alle unter Schock. Plötzlich ist jeder verdächtig, der sich anders als sonst verhält. Eine groß angelegte Suchaktion im angrenzenden Wald bleibt ergebnislos. Am dritten Tag nach Rémis Verschwinden muss die Suche wegen eines verheerenden Sturms abgebrochen werden. In diesen drei endlosen Tagen lebt der zwölfjährige Antoine mit der unerträglichen Angst, entdeckt zu werden. Er ist der Einzige, der weiß, was wirklich geschah... 15 Jahre später: Als Antoine nach seinem Medizinstudium seine Heimat besucht, hat sich das Dorf kaum verändert. Allerdings haben Waldarbeiter begonnen, die Sturmschäden endlich zu beseitigen. Aus Angst vor der drohenden Entdeckung fasst Antoine einen fatalen Entschluss. Trailer BewertungWie geht man mit einem Unfall um? Wie arbeitet man seine Schuld an der Gesellschaft ab? Und wie geht man selbst mit einer schweren Schuld um? Das sind Fragen, die in „Drei Tage und ein Leben“ nicht abschließend geklärt werden. Das Ende lässt den Zuschauer nicht in aller Offenheit zurück, doch lässt es auch Raum für Spekulationen. Es regt sogar zur Diskussion an. Darf ein Mensch glücklich werden, wenn er einem anderen Menschen geschadet hat?

Ein schockierendes Ereignis beschäftigt die Bewohner. Sie nehmen Anteil, sie helfen mit. Doch sie führen ihre Leben weiter. Weihnachten wird gefeiert, Geschenke entsprechend verteilt. Jeder hat dann doch sein Leben, obwohl es den Nachbarn schlecht geht. Sie verzweifelt nach ihrem Sohn suchen. Ironischerweise hat der Vater des Vermissten sich für die Arbeiter in seiner Firma eingesetzt. Zwar aus einem Selbstantrieb, schließlich verdient er doch sein Geld, doch er zeigte sich solidarisch. Selbstverständlich bis zu dem Punkt, als er zu Hause war. Es sind Kreise und Geheimnisse im Dorf, die bis weit in die Zukunft reichen. Glückliche Fügungen haben dies erst ermöglicht. An dieser Stelle muss der Zuschauer ein Stück weit tapfer sein, denn natürlich kann es so passieren, die Wahrscheinlichkeit ist aber eher gering. Dennoch sollte man sich auf das Spiel einlassen, denn so gewinnt das Charakterdrama noch mehr an Fahrt, da auch 15 Jahre nach dem Verschwinden Ereignisse passieren, die mit dem Verschwinden des Jungen zu tun haben. Doch auch weitere Fragen werden aufgestellt. Träume werden dadurch zerschlagen, neue Türen eröffnet. Alles ist im Wandel und die Figuren nehmen ihren Platz in der Geschichte ein.

Dabei scheint irgendwie nicht die Sonne. Passenderweise ist alles in grau gehalten. Obwohl es Lichtblicke gibt, kommt keine Farbe ins Leben. Es ist einfach zu viel passiert, damit die entstandene Kälte entweichen kann. Fazit „Drei Tage und ein Leben“ kann von seiner Dramaturgie überzeugen. Es ist nicht der erwartete Thriller, sondern ein tiefes Drama, das einen zum Nachdenken einlädt.
ZURÜCK INS ARCHIV