Comic - Geschichte

Columbusstraße – Eine Familiengeschichte 1935-1945

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Columbusstraße – Eine Familiengeschichte 1935-1945
Columbusstraße – Eine Familiengeschichte 1935-1945Comic - Geschichte | mit: Tobi Dahmen Bewertung:★★★★★ Man muss ja schon richtig aufpassen, was man schreibt und wie man es schreibt und sowieso. Dennoch sollte der Tenor – gerade jetzt – endlich noch ein historischer Rückblick über Menschen, die im Dritten Reich gelebt haben, sein. Vor allem, wie sie die Dinge aufgenommen haben, wie sie zu ihrer Normalität wurden und in der Retroperspektive für uns quasi darstellen, wann es Zeit gewesen wäre, die Dinge gescheit zu hinterfragen. Heute vielleicht einfacher als damals, dennoch zeigt die Vergangenheit doch deutliche Parallelen zu unserer Gegenwart. Zeichner und Autor Tobi Dahmen nimmt seine Familiengeschichte zum Anlass, um uns wieder einmal vor Augen zu führen, wie einfach es die Bösen haben ... Wie mir letztendlich das Geschichtszeugnis gefallen hat, verrate ich euch ein Stück weiter unten.



"Columbusstraße – Eine Familiengeschichte 1935–1945" ist bereits am 29. Mai 2024 beim Carlsen Verlag erschienen. Aber auch heute noch könnt ihr die 528 Seiten, verpackt in einem 17,3 × 5,25 × 24,5 cm Hardcover, käuflich erwerben – selbstverständlich. Handlung Nach dem Tod seines Vaters entdeckt Tobi Dahmen eine Sammlung alter Familienbriefe. Ausgehend von den bewegenden Zeitzeugnissen rekonstruiert er eine Chronik der deutschen Kriegsjahre im Spiegel seiner eigenen Familiengeschichte.

In seiner Graphic Novel erzählt Tobi Dahmen nicht nur die Geschichte seiner Familie, sondern reflektiert eindrücklich die deutsche Vergangenheit und die Fragen nach politischer und persönlicher Verantwortung.
Bewertung
"Columbusstraße" handelt von Leuten aus der Mitte. Von Menschen, die ihr Leben leben und eigentlich relativ normal sind. Sie spüren zwar auch einen gewissen Druck, der vom neuen System ausgeübt wird, dennoch glauben sie noch immer an die Rechtmäßigkeit, dass alles normal ist – sie sehen das Böse quasi vor ihren Augen nicht.



Der große Bruch mit der Zivilisation kommt erst noch. Daher verstehen die Leute auch nicht, warum der jüdische Bekannte auf einmal das Haus verkaufen möchte oder die zunehmende Feindseligkeit gegenüber früheren Mitbürgern. Die Juden bekommen immer neue Schikanen vorgesetzt – wir kennen sie alle aus dem Geschichtsunterricht. Der Spagat zwischen Geschichtsstunde und Familiengeschichte gelingt dem Autor aber recht gut, sodass wir uns auf den eher ruhigeren ersten 100 Seiten einige Dialoge zu Gemüte führen, die noch nicht gänzlich den Pfeffer haben wie die restlichen. Denn dann steigt die Spannung, immer wieder verändern sich auch die Panels – wir merken, dass etwas anders ist.



Es sind eben auch die Panels, die die Geschichte und ihren Verlauf gut einfangen und für Atmosphäre sorgen. Mal akribisch aufbereitet, dann folgt auch mal ein etwas einfacher Strich – eine gute situative Mischung. Zum Ende hin gibt es dann Volkssturm und das Finale. Hier könnt ihr mit Sicherheit das Comic nicht mehr aus der Hand legen. Kommen alle durch? Was passiert nach der Niederlage? Gibt es überhaupt noch Hoffnung?
Fazit "Columbusstraße – Eine Familiengeschichte 1935–1945" ist ein grandioses Werk, das normale Menschen zeigt, die nicht glauben wollten, konnten oder es gar nicht sahen – bis zum Untergang. So macht Geschichte Spaß!
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