Comic - Komödie

Zweite Meinung: Fante Bukowski – Ein amerikanischer Traum

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Zweite Meinung: Fante Bukowski – Ein amerikanischer Traum
Zweite Meinung: Fante Bukowski – Ein amerikanischer TraumComic - Komödie | mit: Noah Van SciverBewertung:★★★★★ Alle streben nach dem amerikanischen Traum… Doch was ist der eigentlich, was macht ihn aus? Wenn man Noah Van Sciver glauben mag, dann muss man nur an sich glauben, auch wenn man keinerlei Talent oder Durchhaltevermögen hat. Aber einen eisernen Glauben an die eigene Großartigkeit. So wie seine Hauptfigur Fante Bukowski. Handlung Fante Bukowski ist ein genialer Schriftsteller, die Stimme seiner Generation! Das hat bisher nur keiner erkannt. Und so verbringt Fante seine Tage damit, sich in einer Bar mit komischen Gestalten zu betrinken und über die seelenlose Literatur-Maschinerie, die ihn einfach ignoriert. Dabei streitet er sich mit seinen Eltern, die sein Genie auch nicht erkennen können oder wollen, besucht Lesungen – seiner Meinung nach – minderwertigerer Autoren und schreibt, schreibt, schreibt.BewertungFante Bukowski ist ein durch und durch unsympathischer Typ. Er sieht aus wie Ende 30, obwohl er gerade mal in seinen 20ern ist. Er nutzt die Menschen um sich herum aus, nur um im nächsten Moment sich als Opfer einer kapitalistischen Gesellschaft darzustellen. Er ist ein Anachronismus, ein – wie eine andere Figur ganz richtig bemerkt – Relikt aus den 90ern (obwohl er dieses Jahrzehnt nur als Kind erlebt hat).
Trotzdem wächst er einem ans Herz. Keine Frage, ich würde Fante niemals auch nur auf einen Kaffee einladen wollen. Aber seine stumpfe Art macht seine Abenteuer erst aus. Wie z.B., als er sich in den Kopf setzt, selbst Zines herauszugeben und für sehr teuer verkaufen. Sie seien schließlich großartige Kunst und die Auflage limitiert, also werden sie bestimmt Sammlerstücke werden!
Noah Van Sciver nimmt in Fante Bukowski – Ein amerikanischer Traum sehr viele Leute aufs Korn. Die Verlage, die nur an das große Geschäft mit Buchverfilmungen interessiert sind und dabei eine Autorin emotional erpressen. Die Agenten, die in ihrer eigenen Bubble leben und nur über die richtigen Kontakte zu erreichen sind. Was dabei sehr erfrischend ist, ist, dass auch die kleinsten in diesem System ihr Fett abbekommen: die Autorinnen und Autoren. Fante Bukowski ist eigentlich faul und egoistisch, denkt aber, er sei das Opfer eines Systems, das sowieso gegen ihn und für alle anderen ist. Da ist aber auch Audrey, eine junge Schriftstellerin, die mit ihrem Debütroman sowohl von Kritikern als auch von der Leserschaft mit Hass überschüttet wurde. Nach einer kurzen Beziehung mit Fante aber löst sich ihre Schreibblockade und ihr neuer Roman wird ein Erfolg. Ihre Muse: Fante. Mir hat es auch sehr gut gefallen, dass Noah Van Sciver sich selbst in seinen Comic eingebaut hat. Der erfolglose Comic-Künstler fängt eine Beziehung mit Audrey an, um an ihre Kontakte dranzukommen.
Aber diese ganzen unsympathischen Figuren ist ein bisschen auch der Grund, warum ich Fante Bukowski – Ein amerikanischer Traum nicht die vollen fünf Sterne geben mag. Sehr oft musste ich den Comic beiseitelegen, weil mich Fante zu sehr genervt hat. Seine witzigen Abenteuer schlagen auch teilweise zu sehr ins Absurde, was die tolle Gesellschafts- und Literatur-Satire meiner Meinung nach abschwächt.
Dafür kann ich zum Zeichenstil nichts Negatives sagen. Mir gefällt der sehr cartoonige Stil, der sehr gut zu den überzeichneten und karikaturhaften Figuren passt. Die Seiten sind sehr übersichtlich gestaltet: Die Geschichten fangen immer mit einem Zitat (meistens stammt dieser von einem berühmten Schriftsteller) und das Grundmuster von 3x2 Panels wird selten gebrochen. Doch hier und da bekommen wir ein ganzseitiges Bild, das die Stimmung dieser Passage sehr gut einfängt. Mal ist es eine traurige Stadtszenerie, mal ein wunderschöner Sternenhimmel.
Fazit Fante Bukowski – Ein amerikanischer Traum ist eine sehr lustige Satire gegen den Literaturbetrieb. Am meisten hat mir Noah Van Scivers Zeichenstil gefallen, aber auch die lustigen Abenteuer von Fante kann man sich sehr gut durchlesen. Nur seine sehr spezielle Art und die teilweise sehr absurden Ereignisse haben mich hier und da etwas genervt.
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