Comic - Drama

Ferngespräch

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Ferngespräch
FerngesprächComic - Drama | mit: Sheree DomingoBewertung:★★★★★ Mit dem Comic „Ferngespräch“ serviert uns Sheree Domingo ein soziologisches Schwergewicht, dass vor aktueller Politik nur so strotzt. Dennoch schafft sie es die Emotionen und Gefühle und das Leben an sich, über allem zu stellen. Der Verlag Edition Moderne hat sich einen echten Leckerbissen an Land gezogen. Handlung Die Geschichte wird aus der Sicht von drei Personen erzählt. Als erstes wäre da eine alte Dame im Altersheim, die gerade ihren Mann verloren hat. Mit diesem Verlust zu Recht zukommen ist ein Problem, das andere ist es, selbst alt zu sein. Die zweite Person ist eine Pflegerin, die in besagtem Altersheim ihren Dienst vollbringt. Sie arbeitet, obwohl ihre Mutter auf den Philippinen im Sterben liegt. Gleichzeitig ist sie selbst Mama einer kleinen Tochter, die sie während der Ferien ins Altersheim mitnehmen muss, da kein Geld für einen Urlaub übrig bleibt. BewertungDie Zustände in Altersheimen sind katastrophal. Nicht alle Heime, sicherlich, doch in vielen Einrichtungen fehlt die Menschlichkeit. Wer selbst in der Familie einen Angehörigen hat oder hatte, der seinen Lebensabend im Heim verbringen muss/musste, weiß, wovon ich spreche. Von daher ging mir „Ferngespräch“ auch direkt unter die Haut. Besonders das Schicksal der alten Dame. Sie hat gerade ihren Mann verloren, ist ganz alleine und muss sich mit dem Tod auseinandersetzen. Selten konnte mich ein Comic dermaßen berühren. So oder so bleibt es noch lange in meinem Gedächtnis.

Trotz eines eher traurigen Themas, das Ende eines Lebens, sprühen die Panels nur so vor Wärme. Der Tod an sich ist ein schleichender Prozess, eine Auflösung und genau so wird er dargestellt. Wenn die Kamera dann auf ein leeres Bett schwenkt, spürt man direkt einen Schmerz. Vor kurzem lag dort noch ein Mensch und nun wird aufgewischt und das Zimmer bekommt ein anderer. Fließbandarbeit könnte man meinen und denkt man an die wenigen Pflegekräfte hierzulande, dann bekommt das Wort eine ganz andere Bedeutung und sozialpolitisch eine gehörige Schlagkraft.

Dagegen führt Sheree Domingo ein junges Mädchen zu Felde, die eine Art Neuanfang ist. Durch ihre kindliche, naive Art, beflügelt sie die Geschichte und sorgt für erheiternde Momente. Gleichzeitig schließt sie den Kreis des Lebens. Und immer wieder nimmt „Ferngespräch“ Notiz von der Situation auf den Philippinen, ein Land, dass sehr unter einer Auswanderungswelle leidet. Es sind nicht immer Flüchtlingsströme, sondern oftmals ein wirtschaftlicher Zwang, die Menschen dazu bewegt, ihre Heimat zu verlassen. In Europa können wir einen derartigen Exodus in Griechenland begutachten. Es sind so viele aktuelle Themen in das kurze Comic verfrachtet, dass es neben der Story sehr lesenswert macht. Fazit „Ferngespräch“ ist ein tiefsinniger Comic, welcher aktuelle gesellschaftliche Probleme aufgreift und darüber hinaus sich mit dem Tod beschäftigt. Die warmen Panels sorgen für absolute Gänsehautmomente!
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