Comic - Drama
Geisel
GeiselComic - Drama | mit: Guy Delisle Bewertung:★★★★★ Comic-Fan und Vater!? Dann habt ihr bestimmt schon einmal von Guy Delisle gehört. Mit "Ratgeber für schlechte Väter" hat es der französische Autor sicherlich in eure Sammlung geschafft. Aber ihn auf diese Reihe abzustempeln wäre fatal, denn er hat mit den Panel-Feuerwerken “Aufzeichnungen aus Jerusalem”, “Aufzeichnungen aus Birma” und “Pjöngjang” für Aufsehen gesorgt und ist neben Joe Sacco sicherlich einer der bekanntesten Comicdokumentaristen hierzulande. Mit "Geisel" wirft er nun wieder einen Blick auf reale Ereignisse und zwar auf die Erlebnisse von Christophe André, der 1997 entführt wurde. Ein lohnenswerter Blick! Handlung 1997 wird Christophe André, Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, im Nordkaukasus von tschetschenischen Separatisten entführt. Guy Delisle hat Christophe André einige Jahre später getroffen und die Geschichte seiner Geiselhaft aufgezeichnet: 111 Tage Warten, ohne jedes Wissen um das, was draußen passiert, ob man ihn für tot hält oder um seine Rettung bemüht ist.BewertungEin Schauspiel, was ohne große Szenen auskommt, ich denke an Klassiker wie "Die 12 Geschworenen", haben mich schon immer sehr fasziniert. Diesmal geht es mit "Geisel" aber noch ein Stück weiter, denn nach der Entführung passiert nicht viel mit Christophe André. Er wird abgeschoben in einen Raum und da fristet er sein Dasein. Somit verlagert sich die Handlung in einen Raum - in dem er gefangen gehalten wird - und von dort direkt in seinen Kopf. Dort erleben wir ein verwirrendes Spiel. Auf der einen Seite ist es die Hoffnung, die immer präsent ist, die wie ein Rettungsring über dem kompletten Szenario schwebt. Ohne die Hoffnung, könnte sich Christophe gleich das Leben nehmen.
Dann treibt das Spiel aber seine tückischen Varianten, indem es eiskalt und mit völliger Härte zuschlägt. Einsam, total isoliert von der Außenwelt ist er auf sich gestellt. Er kann die Zeit nur totschlagen, indem er errät, wie spät es ist. Selbst die wenigen Gänge zur Toilette sind pure Abwechslung. Er schwankt auch hin und her. Soll er sich mit seinen Entführern gut stellen oder soll er sie erschlagen. An dieser Stelle sei auf das berühmte Helsinki-Syndrom hingewiesen. Jedoch nicht treffend, da er stets einen Weg in die Freiheit sucht.
Seine Gedanken sind der überwiegende Teil der Handlung. Wie es am Ende zur Rettung kommt, ist schon nebensächlich, weil der Leser auf eine Art klaustrophobischer Reise mitgenommen wird. Natürlich sind die Sprechblasen nicht prall gefühlt. So viel gibt es dann einfach nicht zu sagen. Um so erstaunlicher ist, dass Guy Delisle es schafft einen beeindruckenden, knisternden Spannungsbogen zu konstruieren, der alleine von der realen Ausgangslage her gemeingefährlich wirkt. Ich habe mich ebenfalls gedanklich in die Situation gebracht, was ich machen würde, wenn ich eine Geisel wäre. Würde ich auch die vollen 111 Tage durchhalten? Würde ich total gebrochen nach Hause kommen? Würde ich sogar meine Angreifer töten, damit ich nach Hause kann? All diese Fragen stellt sich der Leser.
Die Zeichnungen sind gezielt und einfach. Sie sind schon etabliert und gut, doch in Anbetracht der Umstände leuchten sie das Bühnenlicht nur auf den Protagonisten und seine ausweglose Lage. Dennoch tragen sie sehr zur Stimmung bei.
Fazit "Geisel" ist ein Psychodrama, welches sehr fordernd ist. Wir sollen uns Gedanken machen, genauso wie es Christophe André machen musste. Sehr gut!
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Dann treibt das Spiel aber seine tückischen Varianten, indem es eiskalt und mit völliger Härte zuschlägt. Einsam, total isoliert von der Außenwelt ist er auf sich gestellt. Er kann die Zeit nur totschlagen, indem er errät, wie spät es ist. Selbst die wenigen Gänge zur Toilette sind pure Abwechslung. Er schwankt auch hin und her. Soll er sich mit seinen Entführern gut stellen oder soll er sie erschlagen. An dieser Stelle sei auf das berühmte Helsinki-Syndrom hingewiesen. Jedoch nicht treffend, da er stets einen Weg in die Freiheit sucht.
Seine Gedanken sind der überwiegende Teil der Handlung. Wie es am Ende zur Rettung kommt, ist schon nebensächlich, weil der Leser auf eine Art klaustrophobischer Reise mitgenommen wird. Natürlich sind die Sprechblasen nicht prall gefühlt. So viel gibt es dann einfach nicht zu sagen. Um so erstaunlicher ist, dass Guy Delisle es schafft einen beeindruckenden, knisternden Spannungsbogen zu konstruieren, der alleine von der realen Ausgangslage her gemeingefährlich wirkt. Ich habe mich ebenfalls gedanklich in die Situation gebracht, was ich machen würde, wenn ich eine Geisel wäre. Würde ich auch die vollen 111 Tage durchhalten? Würde ich total gebrochen nach Hause kommen? Würde ich sogar meine Angreifer töten, damit ich nach Hause kann? All diese Fragen stellt sich der Leser.
Die Zeichnungen sind gezielt und einfach. Sie sind schon etabliert und gut, doch in Anbetracht der Umstände leuchten sie das Bühnenlicht nur auf den Protagonisten und seine ausweglose Lage. Dennoch tragen sie sehr zur Stimmung bei.
Fazit "Geisel" ist ein Psychodrama, welches sehr fordernd ist. Wir sollen uns Gedanken machen, genauso wie es Christophe André machen musste. Sehr gut!