Comic - Action

GUNG HO - TANAKA

Veröffentlicht am 08.09.2026
4/5
GUNG HO - TANAKA
GUNG HO - TANAKA


Mit fünf Bänden erzählten Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant ihre Geschichte von einer Welt, in der sich die Menschen vor den sogenannten Reißern in befestigte Siedlungen zurückziehen mussten. 2021 war die Hauptreihe abgeschlossen, doch die Welt von „Gung Ho“ bietet offensichtlich noch genügend Stoff für weitere Geschichten. Mit „GUNG HO – TANAKA“ geht es nun zurück in die Vergangenheit. Im Mittelpunkt steht diesmal Tanaka Hasegawa, den Fans der Hauptserie bereits als harten und erfahrenen Kämpfer kennen. Das Prequel zeigt ihn viele Jahre zuvor und erzählt, was mit ihm und seiner Familie geschah, als die Weiße Plage die Welt veränderte.

HANDLUNG

Tanaka Hasegawa ist Actionfilmstar und gleichzeitig Elitesoldat der japanischen Spezialkräfte. Gemeinsam mit seiner Frau Kumiko und seiner Tochter Yuki befindet er sich auf Promotiontour für seinen neuesten Film in Paris. Den Nachrichten über eine neue Bedrohung schenkt er zunächst kaum Beachtung. Doch dann erreicht die sogenannte Weiße Plage auch Paris. Eine neue Spezies, die später als Reißer bekannt ist, breitet sich aus und greift die Menschen an. Für Tanaka und seine Familie beginnt ein Kampf ums Überleben.

KRITIK

Wer die ursprüngliche „Gung Ho“-Reihe gelesen hat, kennt Tanaka bereits als harten und disziplinierten Kämpfer. Viel darüber, wie er zu diesem Mann geworden ist, wussten wir bislang allerdings nicht. Genau hier setzt „GUNG HO – TANAKA“ an. Die Geschichte spielt rund zehn bis fünfzehn Jahre vor der Hauptserie und zeigt einen Tanaka, der noch ein ziemlich anderes Leben führt. Er ist Familienvater, Actionfilmstar und Elitesoldat und befindet sich mit seiner Frau und seiner Tochter auf einer Promotiontour in Paris.

Gerade dieser Blick auf Tanaka vor den Ereignissen der Hauptserie ist für mich eine der Stärken des Bandes. Wir erleben nicht einfach noch einmal den Kämpfer, den wir bereits kennen, sondern erfahren, welches Ereignis ihn entscheidend verändert hat. Der Verlust seiner Frau Kumiko durch die Reißer erklärt einiges von der Härte, die Tanaka später an den Tag legt. Gleichzeitig bekommt dadurch auch die Beziehung zu seiner Tochter Yuki mehr Hintergrund. Wer die Hauptserie kennt, kann einige Seiten der beiden dadurch besser einordnen.

Lange hält sich die Geschichte allerdings nicht mit Tanakas altem Leben auf. Sobald die Weiße Plage Paris erreicht, geht es ziemlich schnell zur Sache. Das passt zu diesem Band, denn „Tanaka“ ist deutlich als Actiongeschichte angelegt. Die Reißer tauchen auf, die Situation eskaliert und Tanaka muss seine Fähigkeiten plötzlich nicht mehr vor einer Filmkamera, sondern im echten Kampf einsetzen. Das Ganze wird flott erzählt und kommt ohne große Umwege aus.

Dabei bekommen wir gleichzeitig einen Blick auf eine Phase der „Gung Ho“-Welt, die in der Hauptserie bereits Vergangenheit war. Die ursprüngliche Geschichte spielte in einer Welt, in der sich die Überlebenden längst in abgeschottete Enklaven zurückgezogen hatten. „Tanaka“ setzt früher an und zeigt den Zeitpunkt, an dem die Weiße Plage bereits dabei ist, die bekannte Ordnung aus den Angeln zu heben. Das ist gerade für Fans interessant, weil wir die Welt diesmal nicht aus der Sicherheit einer befestigten Siedlung heraus erleben.

Wer allerdings gehofft hat, dass das Prequel endlich die großen Fragen rund um die Reißer beantwortet, wird enttäuscht. Woher die Weiße Plage kommt und warum die Kreaturen die Menschen angreifen, bleibt weiterhin offen. „Tanaka“ interessiert sich deutlich mehr für seinen Hauptcharakter und dessen Weg als für eine Erklärung der Katastrophe selbst.

Einen deutlichen Unterschied zur Hauptserie gibt es bei den Zeichnungen. Statt Thomas von Kummant ist diesmal Tsai Chaiko für das Artwork verantwortlich. Und dieser Wechsel fällt auf. Die Hauptserie hatte mit Kummants digitalem Stil, den teilweise kräftigen Farben und dem Verzicht auf klassische Umrisslinien einen sehr eigenen Look. Chaikos Zeichnungen wirken im Vergleich düsterer und geradliniger. Mir fehlen dadurch ein wenig die außergewöhnlichen Bilder, die für mich einen Teil des Reizes der ursprünglichen Reihe ausgemacht haben.

Schlecht sieht „Tanaka“ deshalb aber keineswegs aus. Der neue Stil passt durchaus zur Geschichte. Die Handlung ist härter und stärker auf Action ausgerichtet, und genau das transportieren auch die Zeichnungen. Trotzdem musste ich mich zunächst an den Wechsel gewöhnen. Wer unmittelbar vorher noch einmal die Hauptserie gelesen hat, dürfte den Unterschied besonders deutlich bemerken.

Insgesamt erzählt „Tanaka“ seine Geschichte sehr geradlinig. Das sorgt auf der einen Seite für Tempo, auf der anderen Seite hätte ich mir an einigen Stellen etwas mehr Ruhe und Abwechslung gewünscht. Auch humorvolle Momente sind eher selten. Dafür funktioniert der Band als Vorgeschichte sehr gut und lässt sich sogar lesen, wenn man „Gung Ho“ bislang überhaupt nicht kennt. Die Geschichte ist in sich geschlossen und benötigt kein Vorwissen.

FAZIT

„GUNG HO – TANAKA“ ist eine gelungene Rückkehr in die Welt von „Gung Ho“. Besonders spannend ist es, Tanaka einmal von einer anderen Seite kennenzulernen und zu erfahren, welches Ereignis ihn zu dem harten Kämpfer gemacht hat, den wir aus der Hauptserie kennen. Die Geschichte ist geradlinig, actionreich und schnell erzählt. An den neuen Zeichenstil musste ich mich allerdings erst gewöhnen, denn der besondere Look von Thomas von Kummant fehlt mir ein wenig. Tsai Chaikos deutlich düsterere Zeichnungen passen aber gut zur härteren Geschichte. Wer „Gung Ho“ mochte, bekommt eine interessante Vorgeschichte, und auch Neulinge können problemlos mit „Tanaka“ starten.


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