Comic - DC

Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s!

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s!
Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s!Comic - DC | mit: Autorin: Mariko Tamaki; Zeichner: Steve PughBewertung:★★★★★ Wer denkt, dass der Captain-Marvel-Film eine feministische Agenda pushen wollte, für den ist Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s! nicht die beste Wahl. Für mich ist das der durchgeknallteste und vielleicht sogar der beste Harley-Quinn-Comic, den ich bis jetzt gelesen habe. Handlung Harleen Quinzell ist vorlaut, rebellisch und exzentrisch. Mit fünf Dollar in der Tasche fährt sie nach Gotham City zu ihrer Großmutter – und muss feststellen, dass ihre Oma verstorben ist. Zum Glück nimmt der Vermieter ihrer Großmutter die 15-jährige Harleen bei sich auf und schon ist sie Teil einer neuen Familie. Auch in der Schule findet sie schnell eine neue Freundin: Ivy ist die geborene Aktivistin und kämpft sowohl in der Schule als auch in ihrer Nachbarschaft für Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Doch bald müssen die zwei jungen Frauen feststellen, dass ihr Kampf vielleicht umsonst ist, denn Harleens neues Zuhause soll gentrifiziert werden. Da kommt ein komischer Mann genau zur richtigen Zeit, denn auch der – wie er sich nennt – Joker will die großen Firmen stürzen.BewertungLeute, ich habe mich verliebt. Ich wusste zwar schon vorher, dass Mariko Tamaki eine großartige Schriftstellerin ist, aber Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s! setzt noch einen drauf. Ihre Version von Harley Quinn vereint für mich alles, was ich von dieser Figur erwarte: Sie ist naiv und quirlig, nennt Menschen, die sie nicht mag „Popelfresser“ und findet in einer Gruppe Dragqueens eine neue Familie. Gleichzeitig aber streut Tamaki hier und da auch eine Prise Wahnsinn ein, den man von Harley Quinn kennt. Wenn ein Popelfresser dein Auto klaut, dann haust du ihm halt eine rein – egal, dass du zehn bist und der Autodieb in der High School ist; wenn einer die Scheibe des Dragqueen-Nachtklubs deiner neuen Familie einschlägt, dann zerstörst du die Scheibe des nächstgelegenen Hipster-Kaffeeladens ein. Harleen ist einfach Chaos pur und es macht sehr viel Spaß zuzusehen, wie sie dieses Chaos in ihr näheres Umfeld bringt.
Am meisten gefällt es mir aber, dass der Comic einem jungen Zielpublikum wichtige Themen wie Alltagsrassismus, Klassenkampf, Diversität oder Homophobie nahebringen will. Es wird nichts beschönigt und auch nichts verschwiegen, dabei wird stehts auf Augenhöhe mit dem/der jungen Leser/in geredet. Die Gentrifizierung der Nachbarschaft, in der Harleen mit ihrer neuen Familie wohnt, wird von den Kanes bedroht, die mit ihrem Unternehmen alles aufkaufen, umbauen und teuer weiterverkaufen wollen. Dieser Konflikt findet auch in der Schule statt. Ivy will mit Demonstrationen den Filmklub dazu bringen, nicht nur Filme alter weißer Männer zu zeigen, John Kane – Filmklub-Präsident und Sprößling des Kane-Clans – weigert sich strikt dagegen.
Man sieht, ich finde Mariko Tamaki als Autorin schon mal genial, aber auch Steve Pughs Kunst hat mich sehr überzeugt. Seine sehr realistischen Bleistiftzeichnungen sind am Anfang des Comics in Schwarz, Weiß und Blau gehalten, nur hier und da gibt es farbliche, meist rote, Akzente. Im Laufe der Geschichte werden dann neue Farben in die Zeichnungen eingeführt, etwa um Rückblenden zu kennzeichnen. Harleens Momente mit dem Joker sind dabei am spannendsten inszeniert, da in diesen die Farbpalette beinahe komplett aufgebrochen wird. Die Figuren sind stärker schattiert, sodass man kaum noch Details erkennen kann. Die, die man aber erkennen soll – wie etwa Jokers Maske – sind dafür noch akzentuierter. Diesen Momenten wird eine noch dringlichere Ebene verliehen, da der Himmel und teilweise sogar ganze Panels in einem orangeroten Ton gebadet sind.
Fazit Visuell als auch thematisch hat mich Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s! auf ganzer Ebene überzeugt. Da die Geschichte sehr eigenständig und am Ende auch (mehr oder weniger) abgeschlossen ist, eignet sich der Comic meiner Meinung nach für alle, die gerade in die Welt der DC-Antiheldin Harley Quinn einsteigen möchte. Denn obwohl Harley Quinn: Breaking Glass – Jetzt kracht’s! laut Einband ab 13 Jahren geeignet ist, haben auch Erwachsene bestimmt ihren Spaß beim Lesen.
ZURÜCK INS ARCHIV