Comic - Drama

Hunger

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Hunger
HungerComic - Drama | mit: Martin ErnstsenBewertung:★★★★★ "Hunger" ist die gleichnamige Comic-Adaption des Weltbestellers von Knut Hamsuns. Gleich mit seinem Erstlingswerk ging er in die Geschichtsbücher ein. 30 Jahre nach seinem sensationellen Erfolg erhielt er sogar den Nobelpreis für Literatur. Im Jahr 1933 gab es dann den moralischen Verfall, als er sich zum Österreicher Adolf Hitler bekannte. Während der Besatzungszeit der Nazis in Norwegen hielt diese Treue an. Nach dem Krieg wurde er folgerichtig von einem Gericht verurteilt. Was bleibt, sind seine Werke, jene, die nicht aus unserem Gedächtnis getilgt werden sollten, da sie einfach zur Literaturgeschichte gehören, genauso wie das Mahnmahl, dass der Mensch Knut Hamsuns hinterlässt. Hierzulande können Comic-Fans dank dem avant-verlag das Buch in wunderschönen Panels neu lesen. Handlung Ein Mann hat die letzte Stufe der sozialen Treppe erreicht. Er versucht sein Talent einzusetzen und schreibt Artikel für Zeitungen. Doch seine letzten finanziellen Reserven sind verbraucht, er ist mittellos. Das Feedback der Verlage ist nicht so wie erwünscht und von daher hat er so gut wie keine Einnahmen mehr. Er hat Hunger. Tagelang isst er nichts mehr und lehnt dabei jede Hilfe ab. Er ist einfach zu stolz dafür. BewertungEs ist schon fast komisch, dass Adolf Hitler und Knut Hamsuns quasi beide auf der Straße gelebt haben und sich dann irgendwie nach oben gekämpft haben. Der eine war Verführer, der andere konnte schreiben. Beide haben in ihren Bereichen Weltruhm erlangt. In „Hunger“ geht es aber nicht um die Nazi-Zeit, sondern um den Existenzkampf eines Mannes, der nichts mehr besitzt und der nur noch Hunger hat. Er verliert dabei den Lebensmut. Einer seiner letzten Wünsche ist es, auf einer Parkbank einzuschlafen. Einen dauerhaften, niemals endenden Schlaf. Dieser Wunsch bleibt allerdings unerfüllt. Stattdessen geht der tägliche Überlebenskampf weiter. Krankhafte, manische Phantasien plagen ihn. Er ist nicht mehr er selbst. Thematisiert wird nicht die Armut in der Gesellschaft, sondern was der Hunger aus einem Menschen macht. Die genaue Beschreibung gelingt daher auch so gut, weil Hamsuns selbiges erlebt hatte. Seine Erfahrungen brachte er zu Papier.

Die Comic-Adaption nimmt sich natürlich Freiheiten heraus. Ein Beispiel sei genannt: Im Buch lautet der erste Satz "Es war zu jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verlässt, ehe er von ihr gezeichnet worden ist ..." und im Comic "Damals lief ich hungernd durch Kristiania, diese wunderliche Stadt, die keiner verlässt, ohne von ihr gezeichnet worden zu sein". Ja, der Stil ist moderner, ist quasi ins Neudeutsche übersetzt worden. Was ich nicht schlecht finde, so wird quasi aus einem alten Schinken ein leckeres Nackensteak, ihr entschuldigt meine wilde, überspitzte Erklärung.

Die Panels sind meistens schwarz/weiß gehalten. Passend zur Stimmung. Dabei sind sie sehr verliebt und realistisch gehalten. Die Detailverliebtheit ist spürbar. Wenn Farben ins Spiel kommen, drücken diese ganz besonderen Momente aus, sie unterstreichen und lassen uns noch besser fokussieren. Das ist aber fast gar nicht mehr nötig, denn die übergreifende Spannung, was aus der Hauptfigur wird, lässt uns immer weiter lesen. Vor allem die Auswirkungen werden im Laufe der Handlung immer deftiger, sodass auch auf dieser Ebene für reichlich Suspense gesorgt ist.
Fazit Martin Ernstsen macht mit seiner Comic-Adaption "Hunger" einen hervorragenden Job und verdient sich damit die Geek Whisper Bestnote! Ich kann die Ausgabe jedem nur empfehlen, auch gerade daher, weil es in der Welt immer mehr Armut gibt.
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