Comic - Drama

Ich fühl’s nicht

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Ich fühl’s nicht
Ich fühl’s nichtComic | mit: Liv Strömquist Bewertung:★★★★★ Die schwedische Feministin und Comic-Autorin Schrägstrich Comic-Zeichnerin Liv Strömquist veröffentlicht ihr neustes Werk in Deutschland wieder beim „Avant-Verlag“. Diesmal geht es um die Liebe, dem Thema, das dem Grunde nach alles bestimmt. Es ist die Kraft die antreibt und zerstört, die alles ermöglicht, aber ebenso alles vernichten kann. Strömquist wagt einen Blick auf die gesellschaftlichen Gepflogenheiten von heute und nimmt immer wieder Bezug auf die Vergangenheit. Ihr sarkastischer, lockerer und zynischer Schreibstil lockert die sozilogische Betrachtungsweise in ihren Comics stets auf und in „Ich fühl’s nicht“ bleibt sie diesem Motto treu.
Handlung „In Touch“ und Co schreiben gerne über die Stars dieser Welt. Ein gewisser Leonardo DiCaprio findet daher immer wieder Einzug in die Berichterstattung der Boulevardpresse. Seine hübschen und austauschbaren Freundinnen, die zumeist Topmodels sind, interessieren anscheinend ein großes Publikum. Doch keine seiner Liebesbeziehungen ist von großer Dauer. Liv Strömquist geht der Sache auf den Grund und serviert uns Antworten, woran es liegen könnte. Dabei wirft sie einen kritischen Blick auf unsere heutige Konsumgesellschaft.
BewertungNachdem ich „Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe“ von Liv Strömquist gelesen habe, konnte ich ihr neustes Comic kaum erwarten. Kein Wunder, denn der Band, ebenfalls beim „Avant-Verlag“ erschienen, hat mich sehr zum Nachdenken angeregt und mir eine reflektierte Sicht auf gewisse Dinge ermöglicht. „Ich fühl’s nicht“ geht einen Schritt weiter. Die Frage, warum es in Punkto Liebe in unserer heutigen kapitalistischen Welt gefühlt Berg abgeht, ist sehr komplex. Entsprechend viele Thesen werden von namenhaften Wissenschaftlern, Forschern und Philosophen niedergeschrieben. Strömquist hat sich die Mühe gemacht, die Ergebnisse zusammenzufassen. Klingt auf den ersten Blick dröge? Ja, ist es auch, die unterschiedlichen Ansatzpunkte sind zäh zu studieren, hingegen sie inhaltlich selbstverständlich hoch interessant sind. Sie ermöglichen, wie anfangs bereits geschrieben, eine bessere Selbstreflektion. Es ist wichtig, dass wir unsere Handlungen hinterfragen, Betrachtungsweisen ändern, damit wir wieder mehr fühlen können, damit wir Menschen wieder wegen ihren Fehlern lieben können und wir nicht mehr Menschen nur konsumieren wollen.

Konsumieren? Ja, richtig gehört. Aber das ist nur eine These, die „Ich fühl’s nicht“ schildert. Die Autorin ist bekannt für ihren Witz und der lockert den Plot ungemein auf. Durch die satirischen Spitzen wird der Leser bei der Stange gehalten. Dennoch musste ich die Ausgabe ein paar Mal aus der Hand legen, um mich erneut auf die Materie einzulassen. Was ich damit sagen will, ist, dass sich das staubige Thema –in seiner Wichtigkeit überhaupt nicht trocken – eine große Konzentration erfordert. Hier liegt auch der Unterschied zu „Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe“, denn dort war die Handlung flüssiger, es „flutschte“ mehr. Aber – das Aber ist mit einem Ausrufezeichen versehen – ist die Betrachtungsweise, wie sich die Zwänge der Konsumgesellschaft auf die befreite Liebe auswirken, hochinteressant. Von daher werde ich mir „Ich fühl’s nicht“ noch ein zweites oder drittes Mal durchlesen. Einfach aus dem Grund, weil ich mich sehr für das Thema interessiere und weil der Input einfach zu groß war, um sich alles zu merken. Zum Abschluss gibt es ein Fazit über zwei Seiten. Recht markant geschrieben. Doch damit ist noch nicht Feierabend. Strömquist serviert nämlich noch ein wenig Bonusmaterial.

Optisch ist der Stil wie immer sehr auffallend gezeichnet. Die Schrift ist teilweise übertrieben groß abgedruckt und die Zeichnungen spiegeln den Witz der Worte wieder. Auch die Abbildungen und Figuren sind super ausgewählt. So darf natürlich Papaschlumpf oder der gute Miraculix aus der Asterix-Serie nicht fehlen.

Dass Redebedarf besteht, ist klar. Es gibt so viele Stellen, die wir im Anschluss beherzt diskutieren können. Ein Beispiel wäre, dass David Duchovny in meinen Augen falsch dargestellt wurde. In der Serie „Californication“ ist er zwar der Frauenschwarm und hat Affären, doch dabei will er eigentlich nur seine ehemalige Freundin Karen haben. Er ist unsterblich in sie verliebt, er würde ihr sofort ein Traumschloss bauen. Die Affären an sich, passen natürlich wieder in das DiCaprio-Schema und somit in die Ausgangslage. Er nutzt die Mädels nur aus und doch setzt er sich für sie ein. Ein Frauenliebhaber, ein Ritter im schwarzen T-Shirt und doch nur ein DiCaprio!? Ihr seht, wir können uns selbst über einzelne Panels lange unterhalten. Super gut. Fazit „Ich fühl’s nicht“ ist wieder ein Meilenstein! „Der Ursprung der Welt & Der Ursprung der Liebe“ war aber noch besser :-)
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