Comic - Drama

Im Spiegelsaal

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Im Spiegelsaal
Im SpiegelsaalComic - Drama | mit: Liv StrömquistBewertung:★★★★★ Liv Strömquist ist eine sehr tolle feministische Comiczeichnerin. Ich persönlich verschlinge die meisten Werke von ihr, weil sie einige Dinge sofort auf en Punkt bringt und sie einfach witzig erzählt. So macht Aufklärung Spaß! Nun veröffentlicht der „Avantgarde-Verlag“ „Im Spiegelsaal“ und auch dieses Buch bekommt von mir die Bestnote und eine klare Kaufempfehlung. Die soziologische und geschichtliche Abrechnung mit dem „Imperium der Bilder“ ist köstlich, schmackhaft.
Handlung Bereits 2003 schrieb die Philosophin Susan Bordo, dass wir in einem „Imperium der Bilder“

leben. In den letzten Jahren wurde diese Theorie mehr und mehr zur Realität: Eine iPhone-Kamera in jeder Hand, und dank der weit verbreiteten Social-Media-Nutzung ertrinken wir in einer Flut der Bilder. Wir kommunizieren durch Bilder, wir verabreden uns mittels Bildern, wir berichten aus unserem Leben mit Bildern und wir erfahren über das Leben anderer durch Bilder.



Wie hat sich unser Schönheitsempfinden dadurch verändert? Diese Frage wird in fünf Essays, die sich dem Thema jeweils aus einer anderen Perspektive nähern, untersucht. Die Schwedin Liv Strömquist ist ein Phänomen. Ihre augenzwinkernden, minutiös recherchierten Sachcomics gehören zu den meist verkauften Graphic Novels weltweit.BewertungLiv Strömquist schafft es wieder mit einem Augenzwinkern in insgesamt fünf Essays dem Thema Schönheitsempfinden auf den Grund zu gehen. Woher stammt die Einstellung zum äußerlichen? Wie ist sie gesellschaftsfähig geworden? Warum hat sich der moderne Mensch von heute noch immer nicht von ihr losgerissen, obwohl wir doch so aufgeklärt sind. Ich denke, der Otto-Normal-Verbraucher sieht nicht wie das Model aus dem Katalog aus. Das liegt zunächst daran, dass wir in der Realität nicht mit einem Computerprogramm aufgehübscht wurden und dass wir uns in der Regel auch nicht der einen oder anderen OP unterzogen haben. Doch es gibt auch diejenigen unter uns - und das soll vollkommen wertfrei sein - die gerne mal ihre Lippen aufspritzen, die ihre Brüste vergrößern oder ihre Falten im Gesicht so glätten, dass sie ein Roboter sein können. Von wegen Skynet und so…

Das die wahre Schönheit von innen kommt und kein Plastikprodukt ist, verkennen die meisten. Frauen sollen doch bitte nicht einem falschen Ideal hinterherlaufen, gleichsam wie ihre männlichen Artgenossen. Doch das Gesetz der Schönheit ist so alt, wie die Bibel. Die Autorin geht sogar in die Zeit des alten Testaments zurück, um ihre Thesen zu untermauern.

Der Drang so zu sein, wie die oder der Auserwählte, ist aber in uns. Wenn ein Mädchen einen Jungen liebt, dann wollen die anderen Mädchen auch. Doch die Jungs lieben womöglich gar nicht das eine Mädchen, sondern das Mädchen aus der anderen Klasse. Und schwups wollen alle Mädchen so sein, wie das Mädchen aus der anderen Klasse. Klingt komisch, ist aber irgendwie so. Erinnern wir uns zurück an unsere Schulzeit und wir können das Phänomen so beobachten. Natürlich lässt sich dieses Muster auch auf andere Gelegenheiten ausweiten. Sucht und findet.

Das megacoolste in „Im Spiegelsaal“ ist jedoch, der flinke und spitze Humor. Hier macht der Autorin keiner etwas vor. Es macht einfach großen Spaß und wir erwischen uns oft beim Schmunzeln oder Lachen. Aber genauso nicken wir anerkennend, mindestens genauso oft. Fazit „Der Spiegelsaal“ ist wieder einmal ein Meisterwerk von Liv Strömquist. Bitte mehr davon!
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