Comic - Geschichte

In allem ein Stück zu Hause

Veröffentlicht am 24.02.2026
4/5
In allem ein Stück zu Hause
Manchmal stolpert man über etwas, das man so gar nicht auf dem Radar hatte, und dann entpuppt es sich als eine echte Bereicherung. So ging es mir mit dem Comic "In allem ein Stück zu Hause" vom Avant Verlag. Zugegeben, von der Autorin Bettina Bexte hatte ich bisher noch nichts gelesen, und ehrlich gesagt, ich mag es sehr, auch mal unbekannte Stimmen für sich zu entdecken. Die Vorstellung, Geschichten von Menschen zu lesen, die in zwei Kulturen zu Hause sind und ihren ganz persönlichen Weg hierher gefunden haben, fand ich von Anfang an faszinierend. Es geht um mehr als nur das Ankommen; es geht um das Leben, die prägenden Erfahrungen, die Ängste, die Erfolge und die Werte, die einen zu dem machen, der man ist. Gerade in den letzten Jahren ist die Thematik Migration und Integration ja allgegenwärtig, und oft habe ich das Gefühl, schon alles dazu gehört zu haben. Doch gerade die persönlichen Erzählungen, die oft hinter den Schlagzeilen verborgen bleiben, sind es, die mich wirklich berühren und zum Nachdenken anregen. Dieser Comic verspricht genau das: einen tiefen Einblick in das Leben von Menschen, die hier eine neue Heimat gefunden haben.

HANDLUNG

Was verbindet Azad, der mit 15 Jahren aus Syrien geflüchtet ist, Halime, die als türkisches Gastarbeiterkind in Bremen aufwuchs, Florence aus Ruanda, die seit sieben Jahren in Norddeutschland lebt, Miša, der in den 1960er Jahren als Gastarbeiter aus Jugoslawien kam, und Dilar, die in einer kurdischen Familie in Leverkusen groß geworden ist?Sie alle sind in zwei Kulturen zu Hause und erzählen aus ihrem Leben. Wie und in welchen Verhältnissen sie groß geworden sind, mit welchen Schwierigkeiten sie es zu tun hatten, wovor sie Angst hatten, welche Erlebnisse sie geprägt haben, worauf sie stolz sind, welche Werte sie in sich tragen und wie sie zu den Menschen wurden, die sie heute sind.

KRITIK

Die Geschichten in "In allem ein Stück zu Hause" sind schlichtweg wunderbar. Bettina Bexte hat es geschafft, durch ihre einfühlsame Feder die Lebenserfahrungen von Azad, Halime, Florence, Miša und Dilar so lebendig werden zu lassen, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein. Was mir besonders gut gefällt, ist der Fokus darauf, wirklich die Menschen hinter den Erzählungen kennenzulernen. Wir erfahren nicht nur von den Herausforderungen, die sie meistern mussten – sei es die Flucht aus Syrien, das Aufwachsen als Gastarbeiterkind, die Integration in ein fremdes Land –, sondern auch von ihren Hoffnungen, ihren Ängsten und vor allem von ihren inneren Stärken. Es ist ein Gewinn, auf diese Weise einen direkten Zugang zu den individuellen Schicksalen zu bekommen.Ja, natürlich, in den letzten Jahren haben wir uns als Gesellschaft intensiv mit dem Thema Migration beschäftigt, und das eine oder andere mag einem bekannt vorkommen. Das lässt sich kaum vermeiden, wenn man sich mit solch allgegenwärtigen Themen auseinandersetzt. Dennoch ist es ungemein interessant zu sehen, welche vielfältigen Erfahrungen Menschen gemacht haben, die zu uns gekommen sind und hier ein neues Leben aufgebaut haben. Der Grundtenor, der sich durch die Bank zieht, ist bemerkenswert positiv. Trotz aller Widerstände und Schwierigkeiten schwingt immer der Kampf an, hier anzukommen und sein Leben zu meistern. Es ist diese positive Energie, diese Widerstandsfähigkeit und der Wille zum Erfolg, die einen tief beeindrucken.Was aber vielleicht am allermeisten hervorsticht, ist die Tatsache, dass diese Menschen nicht nur mit sich selbst und ihren eigenen Problemen beschäftigt waren. Sie haben sich engagiert, anderen geholfen und auf ihre Weise einen wertvollen Beitrag zu unserer Gesellschaft geleistet. Ob durch ehrenamtliche Arbeit, die Weitergabe ihrer Kultur oder einfach durch ihr positives Wirken im Kleinen – diese Aspekte machen die Erzählungen noch reicher und zeigen, wie bereichernd es ist, wenn verschiedene Kulturen aufeinandertreffen und voneinander lernen. Man merkt, dass die Autorin hier mit viel Herz und Respekt an das Thema herangegangen ist. Die Zeichnungen sind dabei oft schlicht, aber treffend, und unterstützen die jeweilige Stimmung der Geschichten perfekt.

FAZIT

"In allem ein Stück zu Hause" ist ein Comic, der zum Nachdenken anregt, berührt und gleichzeitig ein positives Gefühl hinterlässt. Er ist nicht nur eine Sammlung von Lebensgeschichten, sondern ein wichtiger Beitrag dazu, Migrantinnen und Migranten als das zu sehen, was sie sind: Menschen mit ihren ganz eigenen Wegen, ihren Stärken und ihrer Fähigkeit, unser aller Leben positiv zu bereichern. Es ist eine Leseerfahrung, die einem das Gefühl gibt, die Welt ein kleines bisschen besser zu verstehen und die Vielfalt, die uns umgibt, wertzuschätzen. Wer nach einer Lektüre sucht, die sowohl informativ als auch emotional ansprechend ist und dabei eine optimistische Botschaft vermittelt, der macht mit diesem Comic definitiv nichts falsch. Es ist ein echtes Feel-Good-Comic, das lange im Gedächtnis bleibt und zum Austausch anregt.

Copyright: avant-verlag
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