Comic - Abenteuer
India Dreams: Erster Zyklus
India Dreams: Erster Zyklus Comic - Thriller | mit: Maryse Charles und Jean-Francois Charles Bewertung:★★★★★ Der Splitter Verlag hatte bereits im Jahr 2009 den ersten Zyklus vom Comic „India Dreams“ veröffentlicht. Damals erfolgte der Verkauf noch im Format eines Splitter Books. Im Jahr 2018 dürfen sich die Fans auf ein Album freuen. Die Preiserhöhung um satte 15 Euro lässt sich durch die Tatsache verschmerzen, dass das neue Album insgesamt 32 Seiten mehr auf die Waage bringt. Zur Aufmachung gehe ich in der Review näher ein. Handlung „India Dreams“ erzählt aus der Sicht von drei Generationen eine komplexe Familiengeschichte. Dabei führen diesmal nicht alle Wege nach Rom, sondern - wie der Titel es bereits verrät - alle nach Indien. In dem geheimnisvollen Land begeben sich drei unterschiedliche Frauen (Mutter, Tochter und Enkeltochter) auf Spurensuche beziehungsweise erleben das Abenteuer ihres Lebens. Sie müssen Gefahren trotzen oder begegnen ihrer großes Liebe oder treffen sinnliche Bekanntschaften.BewertungDer Zeichner Jean-François Charles bekommt wegen seinen schönen Panels den Vorzug. Seine lebhaften, fast schon lebendigen Aquarellzeichnungen wirken auch so gut, weil er die Direktkolorierung gewählt hat. „India Dreams“ bietet aber weit mehr, als nur einen optisch sehr ansprechenden Comic, denn der Leser wird in den ersten Seiten regelrecht auf die Geschichte vorbereitet. Zunächst gibt es etwas zum Lesen, einige Infos. Dann folgt, fast schon aus dem Nichts, ein verpacktes überproportionales Poster. Eine nackte Frau steht vor einem Elefanten. Die Zeichnung erschlägt einen so sehr, dass man zweimal hinschauen muss, um die gigantischen Ausmaße zu verstehen. Ich muss ganz ehrlich zu geben: - und hier kommt wohl mein ganz persönliches, obligatorisches Männerklischee zum Vorschein (hab mich für kultivierter gehalten) - Ich habe zunächst die nicht bekleidete Frau gesehen. Was aber neben meinem nicht gesellschaftstauglichen ersten Blick übrig bleibt, ist, dass hier etwas ganz großes angekündigt wird.
Für die Autorin Maryse Charles war der Film „Eine Reise nach Indien“ (David Lean) aus dem Jahr 1984 eine wichtige Inspirationsquelle. Das Movie beruht im Übrigen auf dem Roman „A passage to India“ von E.-M. Foster. Spannung ist oftmals die wichtigste Eigenschaft einer ansprechenden Handlung. India Dreams bietet das von seiner Konzeption allein schon. Die Tochter bekommt ein Tagebuch ihrer verschwundenen Mutter in die Hände. Sie kann sich zunächst nicht auf die Suche machen, weil dummerweise gerade der zweite Weltkrieg tobt und der Seeweg nach Indien ist nicht gerade der Sicherste. Der Leser wird langsam aber sicher in die Story eingesaugt. Quasi fesselt Maryse Charles uns und glücklicherweise lässt sie uns auch nicht mehr davon kommen, sodass die Handlung von der ersten bis zur letzten Seite dramaturgisch sehr gut konzipiert ist.
Darüber hinaus wird uns auch ein kritischer, soziologischer Blick auf die britische Kolonialzeit gezeigt. Die Struktur des Landes kommt zum Vorschein mit all ihren Konflikten und Schwierigkeiten um gemeinsamen Umgang. Rassismus und Vorbehalte - hat sich bis heute weltweit nichts geändert - stehen an der Tagesordnung. Im Comic wird vom sogenannten „Indien-Syndrom“ erzählt. „Auf der Straße begegnet man überall dem nackten Elend und dem Tod, der ungeschliffenen Sinnlichkeit und dem Irrationellen“. Nicht, dass wir in unserer westlichen Gesellschaft so etwas nicht haben. Den Tod versteckt man auf Friedhöfen, in tristen Altersheimen oder in nicht mehr zeitgemäßen Krankenhäusern und das Elend nennt man heutzutage nicht mehr Armut, sondern Hartz 4. Die Aussätzigen unserer heutigen Gesellschaft parkt man nicht mehr auf der Straße, sondern in bestimmte Bezirke. Um den roten Faden aber nicht zu verlieren, für die Hauptprotagonisten war der Anblick jedoch ein Schock.
Erotik und Sex sind wesentliche und zentrale Bestandteile von „India Dreams“. Hier wird aber nicht einfach drauf los gevögelt, sondern sinnliche Liebe gemacht. Soll heißen, dass es hier leidenschaftliche Zeichnungen gibt, die ansprechend wirken und einen gewissen und gehobenen Stil inne haben. Lustige kleine Randgeschichte: Der Comic ist auch in Indien erscheinen. Dort mussten aber alle erotischen Szenen aus dem Band entfernt werden. Entweder man hat die „aktiven“ Figuren ersetzt oder sie wurden leicht bekleidet dargestellt.
Die Charaktere an sich reihen sich ebenfalls in den „Geek-Whisper-Fünf-Sterne-Kosmos“ ein. Sie sind abwechslungsreich gestaltet, bringen alle ihre Stärken sowie Schwächen mit ein und bleiben stets realistisch. Dadurch kann sich der Leser in sie hineinversetzen. Das gilt im Übrigen für alle Zeitepochen und genau das ist so faszinierend. Es ist nämlich gar nicht so einfach, dass man sich in Figuren, die vor 80 Jahren gelebt haben, hineinzuversetzt. Damals war nicht alles besser, aber alles anders. Fazit India Dreams ist ein faszinierendes Comic, welches den Leser mit nach Indien nimmt und uns dort ein Abenteuer, einen Thriller und eine Familiensaga zeigt. Abgerundet oder besser gesagt getoppt wird eine sehr ansprechende Handlung von noch besseren Zeichnungen, die uns wahrlich ins Reich der Sinne versetzen!
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Für die Autorin Maryse Charles war der Film „Eine Reise nach Indien“ (David Lean) aus dem Jahr 1984 eine wichtige Inspirationsquelle. Das Movie beruht im Übrigen auf dem Roman „A passage to India“ von E.-M. Foster. Spannung ist oftmals die wichtigste Eigenschaft einer ansprechenden Handlung. India Dreams bietet das von seiner Konzeption allein schon. Die Tochter bekommt ein Tagebuch ihrer verschwundenen Mutter in die Hände. Sie kann sich zunächst nicht auf die Suche machen, weil dummerweise gerade der zweite Weltkrieg tobt und der Seeweg nach Indien ist nicht gerade der Sicherste. Der Leser wird langsam aber sicher in die Story eingesaugt. Quasi fesselt Maryse Charles uns und glücklicherweise lässt sie uns auch nicht mehr davon kommen, sodass die Handlung von der ersten bis zur letzten Seite dramaturgisch sehr gut konzipiert ist.
Darüber hinaus wird uns auch ein kritischer, soziologischer Blick auf die britische Kolonialzeit gezeigt. Die Struktur des Landes kommt zum Vorschein mit all ihren Konflikten und Schwierigkeiten um gemeinsamen Umgang. Rassismus und Vorbehalte - hat sich bis heute weltweit nichts geändert - stehen an der Tagesordnung. Im Comic wird vom sogenannten „Indien-Syndrom“ erzählt. „Auf der Straße begegnet man überall dem nackten Elend und dem Tod, der ungeschliffenen Sinnlichkeit und dem Irrationellen“. Nicht, dass wir in unserer westlichen Gesellschaft so etwas nicht haben. Den Tod versteckt man auf Friedhöfen, in tristen Altersheimen oder in nicht mehr zeitgemäßen Krankenhäusern und das Elend nennt man heutzutage nicht mehr Armut, sondern Hartz 4. Die Aussätzigen unserer heutigen Gesellschaft parkt man nicht mehr auf der Straße, sondern in bestimmte Bezirke. Um den roten Faden aber nicht zu verlieren, für die Hauptprotagonisten war der Anblick jedoch ein Schock.
Erotik und Sex sind wesentliche und zentrale Bestandteile von „India Dreams“. Hier wird aber nicht einfach drauf los gevögelt, sondern sinnliche Liebe gemacht. Soll heißen, dass es hier leidenschaftliche Zeichnungen gibt, die ansprechend wirken und einen gewissen und gehobenen Stil inne haben. Lustige kleine Randgeschichte: Der Comic ist auch in Indien erscheinen. Dort mussten aber alle erotischen Szenen aus dem Band entfernt werden. Entweder man hat die „aktiven“ Figuren ersetzt oder sie wurden leicht bekleidet dargestellt.
Die Charaktere an sich reihen sich ebenfalls in den „Geek-Whisper-Fünf-Sterne-Kosmos“ ein. Sie sind abwechslungsreich gestaltet, bringen alle ihre Stärken sowie Schwächen mit ein und bleiben stets realistisch. Dadurch kann sich der Leser in sie hineinversetzen. Das gilt im Übrigen für alle Zeitepochen und genau das ist so faszinierend. Es ist nämlich gar nicht so einfach, dass man sich in Figuren, die vor 80 Jahren gelebt haben, hineinzuversetzt. Damals war nicht alles besser, aber alles anders. Fazit India Dreams ist ein faszinierendes Comic, welches den Leser mit nach Indien nimmt und uns dort ein Abenteuer, einen Thriller und eine Familiensaga zeigt. Abgerundet oder besser gesagt getoppt wird eine sehr ansprechende Handlung von noch besseren Zeichnungen, die uns wahrlich ins Reich der Sinne versetzen!