Comic - Mystery

Life is Strange - Staub

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Life is Strange - Staub
Life is Strange - Staub Comic - Mystery | mit: Autorin: Emma Vieceli, Zeichnerin: Claudia LeonardiBewertung:★★★★★ Für alle nicht-gaming-affinen Geeks: Life is Strange ist ein storygetriebenes Adventure aus dem Jahr 2015, das aufgrund seiner emotionalen Geschichte und fantastisch geschriebenen Charaktere zu einem großen Erfolg wurde. In dem Spiel hängt das Voranschreiten bis hin zum letztendlichen Ausgang der Geschichte von den Entscheidungen der Spielerinnen und Spieler ab. Und genau dort knüpft jetzt der erste offizielle Comic zu Life is Strange an. Handlung Die Freundinnen Chloe und Max haben ihre Heimatstadt Arcadia Bay für den Moment hinter sich gelassen. Sie haben dort traumatisierendes erlebt, denn Max besitzt die Fähigkeit die Zeit zurückzudrehen und hat diese Gabe letztlich eingesetzt, um Chloe vor dem Tod zu retten. Doch die Manipulation der Zeitlinie hatte einen Preis, denn während die Freundin lebt, forderte ein Sturm das Leben vieler und zerstörte die Stadt.
Der Comic beschreibt explizit nur EINE mögliche Weiterführung der Story, da er auch nur an EIN mögliches Ende des Spiels ansetzt. Chloe und Max, die mittlerweile in Seattle leben, entscheiden sich zurück nach Arcadia Bay zu gehen, als Max beginnt seltsame „Sprünge“ zu erleben. Die Reise zu einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des Sturms soll Aufarbeitung und Abschluss der schrecklichen Ereignisse bieten. Doch Max unkontrollierten Zeitsprünge – oder sind es überhaupt Zeitsprünge? – reißen auch in Arcadia Bay nicht ab.
BewertungVorneweg sei erwähnt, dass mir die grobe Geschichte in und um das Spiel Life is Strange bekannt ist. Selbst im Detail gespielt habe ich das Game aber nicht. Nichtsdestotrotz habe ich einen guten Einstieg in den Comic mit dem Untertitel „Staub“ gefunden, da ein kurzer Epilog das Wichtigste zum Verständnis des Comics schlüssig zusammenfasst. Während des Lesens hatte ich nur an ein paar Stellen das Gefühl, ich hätte das Spiel als Grundlage zum Verständnis benötigt. In den meisten Fällen beziehen sich derartige Verständnislücken auf einzelne Charaktere aus Max und Chloes Leben in Arcadia Bay, deren Geschichte nicht jedes Mal im Detail nacherzählt wird. Stattdessen muss man sich aus Dialogen herleiten, wie die Beziehung der Personen zueinander im „Früher“ des Spiels war. Das funktioniert letztlich aber auch meistens.
Die Geschichte des Comics selbst ist ebenfalls schlüssig erzählt. Das anfangs auftretende „Problem“ der Zeitsprünge, die sich später als etwas anderes herausstellen, stellt die Grundlage für die Entscheidung nach Arcadia Bay zurückzukehren dar. Dort eingetroffen verstärken sich diese und führen zu emotionalen Momenten an den sturmzerstörten Überresten der ehemaligen Heimat der beiden. Die Frage, worum es sich bei dem Gesehenen handelt ist ständig präsent und weitet sich aus, als auch Chloe plötzlich durch Max an den „Visionen“ teilhaben kann. Die Emotionalität des Comics ist der größte Pluspunkt. Die Geschichte der zwei Freundinnen ist wirklich rührend und die Begegnungen mit alten Bekannten – tot und lebendig – ebenso. Ich kann nicht beurteilen, wie sich der Comic dahingehend im direkten Vergleich zum Spiel schlägt, aber die Art und Weise wie der Comic Freundschaft, Trauer, Schuldgefühle – Max hat letztlich durch ihre Zeitmanipulation möglicherweise erst für den Sturm in Arcadia Bay gesorgt – und Aufarbeitung inszeniert ist sehr gut gelungen.
Der Zeichenstil, bzw. die Detailverliebtheit im Umgang mit zwischenmenschlicher Interaktion trägt dazu einen großen Teil bei. Berührungen, wie zum Beispiel Umarmungen, das Anlehnen des Kopfes an der Schulter einer anderen Person oder das Halten einer anderen Hand sind sehr fein herausgearbeitet und spielen auch inhaltlich eine große Rolle. Dabei wird aber nicht zu arg mit dem Finger auf diese Tatsache gezeigt, sondern die Situationen wirken natürlich und verständlich. Cool sind auch die aus dem Spiel entnommenen Bilder, die die originalen Animationen in Vergleich zu den Charaktermodellen im Comic setzen. So schwingt der Bezug zum Spiel zwischen den Kapiteln immer mit und doch kann der Comic letztlich durchaus für sich allein stehen.
Fazit Life is Strange – Staub hat mit wirklich gut gefallen. Die Geschichte ist emotional und man kann sich in die Charaktere hineinversetzen. Die Interaktionen der Freundinnen Max und Chloe miteinander sind großartig inszeniert und detailliert dargestellt. Nur gelegentlich habe ich mich gefragt, ob es nicht besser wäre das Spiel als Vorgeschichte vollständig zu kennen. Aber die Tatsache, dass ich mir diese Frage nicht wirklich beantworten könnte, zeichnet den Comic letztlich aus. Er kann durchaus für sich allein stehen, muss es aber nicht. Die Verbindung zum Spiel ist präsent und ich vermute, dass Spielerinnen und Spieler des originalen Life is Strange genauso einen Mehrwert in dem Comic sehen können, wie ich. Daher: Leseempfehlung für alle!
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