Comic - Western

Lonesome. Band 1: Die Spur des Predigers

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Lonesome. Band 1: Die Spur des Predigers
Lonesome. Band 1: Die Spur des PredigersComic - Western | mit: Yves Swolfs (Autor und Zeichner)Bewertung:★★★★★ „…bis sich diese verdammten Politiker in Washington endlich dazu entschließen, die Feindseligkeiten zu eröffnen“. Kurz vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges stellt der Bürgermeister des kleinen Örtchens Holton diesen widerwärtigen Leitgedanken ins Zentrum seines Tun und Handelns. Mit Intrigen, Zwietracht und brutaler Gewalt bis Folter und Mord versucht er, den letzten nötigen Funken am Pulverfass des Krieges zu entfachen. Yves Swolfs präsentiert ein düsteres, gnadenloses Duell zwischen dem Kriegsschürer und einem geheimnisvollen, namenlosen Fremden, der dem Spuk ein Ende setzen will. So wie ein guter Western sein soll! Ein geschickt eingewobenes phantastisches Element sorgt für zusätzlichen Nervenkitzel. Ein optisch überragend ins Szene gesetztes Western-Spektakel, spannend und mitreißend bis zum letzten Panel! Handlung Kurz vor Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs herrschte in den Grenzgebieten eine aggressive und aufgeheizte Stimmung. Insbesondere der erst vor kurzem neu geschaffene Staat Kansas war von blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden unversöhnlichen Lagern betroffen, denen immer wieder unschuldige Menschen zum Opfer fielen. Folter, Mord, Entführungen, Lügen und Zwietracht waren nicht selten, dabei taten sich die Anhänger eines fanatischen Predigers namens Markham durch besondere Grausamkeiten hervor. Doch die eigentlich Verantwortlichen für all diese Untaten sitzen in der weit entfernten Hauptstadt und bedienen sich korrupter Politiker, wie eben des Bürgermeisters von Holton, dem direkten Auftraggeber des Predigers. Doch ein namenloser Fremder mit besonderen Fähigkeiten ist Markham bereits auf der Spur und er scheint eine offene Rechnung mit dem Fanatiker zu haben! Dabei kommt er auch nach Holton, wo ihm offene Feindseligkeit entgegenschlägt. Er will dennoch Lucy und einem für Bürgermeister Harper unbequem gewordenen Journalisten helfen, innerhalb kürzester Zeit sieht er sich dann aber den brutalen Killertrupps Harpers gegenüber, an ihrer Spitze der kaltblütige Revolverheld Clayton. Showdown im Winter 1861! BewertungGraphisch umgesetzt wurde der neue Western-Comic in detaillierten, grandios-realistischen Zeichnungen, die den Leser die Geschehnisse hautnah miterleben lassen. Man scheint den Schnee und die eiskalte Luft der winterlichen Landschaften direkt zu spüren. Ein modernes Panel-Design passt sich mühelos an die jeweiligen Geschehnisse an und liefert so ein dynamisches, in sich stimmiges Comic-Abenteuer, das vom ersten bis zum letzten Bild fast wie ein Spielfilm „funktioniert“. Eine zwar kraftvolle, aber überwiegend moderate, oftmals monochrome Farbgebung betont die trostlose, verzweifelte, winterlich-kalte Stimmung. Stellenweise ist die Story durchaus brutal und grausam, explizite Gewaltdarstellungen setzt Swolfs aber nur selten ein. In gewisser Weise ist die Arbeit auch durchaus lehrreich, erfährt man insbesondere durch den Journalisten Marcus doch allerhand Wissenswertes über die damaligen Spannungen zwischen Nord- und Südstaaten der USA, lernt die Argumente der einen sowie der anderen Seite kennen. Und auch, mit welch niederträchtigen Methoden gegenseitiger falscher Beschuldigungen gearbeitet wurde. Interessant fand ich auch, dass der Autor seinen Hauptprotagonisten nur schemenhaft vorstellt, nicht mal den Namen des Fremden erfährt man. Im Grunde weiß man am Ende der ersten Episode nur, dass er ein gutes Herz hat, sehr schnell ziehen kann und dass er als Kind von Indianern gerettet und erzogen wurde. Woher seine übersinnlichen Fähigkeiten stammen – durch Berührung ausgelöste Visionen sowohl aus der Vergangenheit als auch aus der Zukunft der berührten Person – bleibt im Dunkeln. Eine hilfreiche Gabe, die für ihn aber die Gefahr birgt, „von den Geistern derer, die er berührt, verschlungen zu werden“. Zwar kein direkt neues feature, in Kombination mit einem Western aber eher ungewöhnlich und interessant. Fazit Yves Swolfs (Durango, Legende, Black Hills) legt vor der kalten Kulisse des heraufziehenden amerikanischen Bürgerkriegs ein graphisch ansprechendes, düsteres, rasant-furioses, aber auch gefühlsbetontes Western-Abenteuer mit hohem Unterhaltungswert vor. Ungewöhnlich nur, dass der unbekannte Fremde durch hellseherische Eingebungen seinen Gegnern immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Und da man über den Namenlosen eigentlich so gut wie gar nichts erfährt, wird die Spannung auf den zweiten Teil der edlen Splitter Hardcover-Edition hochgehalten. Empfehlenswert!
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