Buch - Western

Magie des Konfliktes

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Magie des Konfliktes
Magie des KonfliktesBuch | mit: Reinhard SprengerBewertung:★★★★★ Der Autor Reinhard Sprenger hat schon diverse Bücher über Führung, Management und einfach über allerhand Unternehmensführung herausgegeben. Dabei eckt er oftmals mit seiner direkten Art und Weise an. Meine Recherche führte mich schnell zu einem Interview mit dem „Stern“. In diesem wird Sprenger die Frage gestellt: „Das klingt nach einer zynischen Abwägung – zugespitzt Menschenleben gegen Wachstumszehntel. Wollen wir diese Debatte wirklich führen?“ und seine Antwort darauf: „Gegenfrage: Ist es nicht vielleicht möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, dass letztlich mehr Menschenleben gefährdet sind, wenn man der Logik der Virologen folgt? Es gibt doch keine Problemlösungen ohne Lösungsprobleme. Beispielsweise die Kollateralschäden bei der Zerstörung der Twin-Tower 2001. Da sind ja mehr Menschen außerhalb der Hochhäuser zu Tode gekommen, weil sie sich aufgrund akuter Flugangst ins Auto gesetzt haben und verunglückt sind.“ Eine zweifelsohne komische und zynische Aussage, die sich schon wie eine Art Hilfeschreiargumentation anhört. In „Magie des Konfliktes“ wird diese radikale Sichtweise mit dem Thema Konflikt wiedergegeben. Handlung Konflikte. Jeder hat sie, niemand will sie. Deshalb wollen wir sie schon im Vorfeld verhindern oder möglichst schnell lösen. Genau das ist falsch, sagt Reinhard Sprenger, der als Managementberater und Autor seit Jahrzehnten Themen gegen den Strich bürstet, Kontroversen entfacht und in diesem Buch einen revolutionär neuen Konfliktbegriff entwickelt. In Konflikte gehen wir nur in Erwartung einer gemeinsamen Zukunft, sei es als Paar, unter Freunden, mit unseren Kindern oder am Arbeitsplatz. Der Konflikt sollte keinesfalls gemieden werden, denn er belebt, schafft Zusammenhalt und ermöglicht Fortschritt und Erfolg. Weil uns das tiefe Verständnis für Konflikte fehlt, haben wir nie gelernt, wie wir angemessen im Konfliktfall agieren, was zu tun ist und was zu lassen (z.B. alten Ärger präsentieren).BewertungBegeisterung machte sich bei mir breit. Konflikte sollen nicht vermieden werden, sie sind schließlich ein Anreiz, sie dienen dazu die nötige Reibung zu erzeugen, damit die Energie nur so sprudeln kann. Da sie sowieso immer da sind, ist es die Herausforderung sie zu lösen. Es ist eine Kernkompetenz, die ein jeder lernen und ausbauen kann. Wunderbar. Es folgt eine akribische Ausarbeitung, was Konflikte erzeugt, warum eine Mehrdeutigkeit immer eine Rolle spielt. Dazu gibt es reichlich Beispiele. Doch so gut Beispiele zwischendurch auch sind, mich haben diese immer aus dem Konzept gebracht. Diese Randnotizen, die sich optisch mit grauen Hintergrund vom Text abheben, haben nämlich immer den Lesefluss der Kapitel unterbrochen. Da diese teilweise über eine Seite gingen, habe ich mir angewöhnt, zunächst den Abschnitt zu lesen und dann wieder zurückzublättern. Das ging mir aber auch irgendwann auf den Puffer.

Gerade daher, weil der Lesefluss nicht gerade als flüssig beschrieben werden kann. Es ist schon so, dass „Magie des Konfliktes“ eher die alte Flastersteinstraße nimmt, anstatt die neue Autobahn nebenan zu wählen. Roadtripp für die Augen. Unbedingt verkehrt oder gar schlimm ist dies noch nicht. Doch – obwohl mich das Thema brennend interessiert – machte sich schnell Müdigkeit in mir breit. Mehrere Versuche blieben erfolglos, der liebe Abnutzungseffekt machte sich breit, bremste mich, sodass ich sehr viel Mühe hatte, das komplette Buch zu lesen.

Was außerdem zu meiner kritischen Rezension geführt hat, sind eben die radikalen Thesen. Zumal Reinhard Sprenger Floskeln benutzt, die ich aktuell nur aus merkwürdigen Gruppierungen höre. Er spricht zum Beispiel von Zwangsabgaben, wenn er die Rundfunkgebühren anspricht. Zu lesen ist aber auch etwas von einer „grünlieberallinken Hegemonie“. Diese Floskeln sind nicht omnipräsent, werden aber immer wieder zielgerichtet verstreut. Die Frage, die sich mir dabei stellt, ist, inwieweit Managementbücher, die quasi dazu Aufrufen die schwarz- /weiß Meierei aufzugeben, um endlich wieder Grauzonen zu betreten, sich einem Thema annähern sollten, die selbst eine zielgerichtete Sichtweise auf die Materie haben. Sicherlich nehme ich einiges mit. Einige Passagen waren wie oben sehr hilfreich, gerade die Motivationsfrage Konflikte offener und zielgerichteter anzugehen und diese auf keinen Fall zu scheuen, doch der Gesamteindruck, den ich von „Magie des Konfliktes“ habe, ist nicht gut. Bei mir kam die Art und Weise, die Provokation sowie die Ausrichtung nicht gut an. Fazit „Magie des Konfliktes“ macht sich eines der Kernprobleme des Alltags zu eigen, doch schafft es nicht, dieses attraktiv zu vermitteln und zieht sich daher wie Kaugummi.
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