Comic - Geschichte

Mein Freund Kim Jong-un

Veröffentlicht am 02.02.2026
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Mein Freund Kim Jong-un
Mein Freund Kim Jong-un

Die südkoreanische Comic-Künstlerin Keum Suk Gendry-Kim ist vielleicht nicht allen bekannt, jedoch aufmerksamen Avant-Verlag-Lesern. Denn sie erlangte mit der Graphic Novel Grass (2019) internationale Bekanntheit, die auf zahlreichen „Best-of“-Listen erschien und u. a. mit dem Harvey Award, dem Krause Essay Prize und dem Cartoonist Studio Prize ausgezeichnet wurde.

Unabhängig von der Person interessiert mich aber auch sehr das Thema rund um den nordkoreanischen Machthaber und die Menschen hinter und vor dem Stacheldrahtzaun. Vielleicht interessiert es hierzulande noch mehr Leute, da wir in Deutschland einmal ein ähnliches Schicksal hatten. Ich bin gespannt, und ein Stück weiter unten könnt ihr erfahren, wie mir das Comic gefallen hat.

„Mein Freund Kim Jong-un“ hat einen Buchbindungspreis von 32 Euro, kommt auf satte 288 Seiten und erschien im Oktober 2025 in einem 19 × 26 cm Hardcover.

Handlung

Angesichts der immer stärker werdenden Spannungen zwischen den beiden koreanischen Staaten, der staatlichen Zensur und der von allen Seiten verbreiteten Desinformation ist nur wenig über den Werdegang von Kim Jong-un bekannt, dem Obersten Führer Nordkoreas und einem der mächtigsten Männer der Welt.

Die mehrfach preisgekrönte Comiczeichnerin Keum Suk Gendry-Kim lebt auf der Insel Ganghwa in Sichtweite der Grenze zu Nordkorea. Sie beschloss, die kontroverse und geheimnisvolle Figur des nordkoreanischen Machthabers gründlich zu erforschen, und befragte dazu Experten, nordkoreanische Überläufer, Freunde aus seiner Zeit in der Schweiz und sogar den ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in.

Kritik

Das Schöne an „Mein Freund Kim Jong-un“ ist, dass es eben keine reine Abhandlung über die Geschichte ist. Keine Auflistung biografischer Daten der aktuell herrschenden Persönlichkeit in Nordkorea. In diesem Comic kommen Menschen zur Sprache. Es kommen aber nicht nur Leute vor, die in der westlichen Welt leben, sondern auch solche, die aus Nordkorea rübergemacht haben – um mal einen deutschen Begriff zu verwenden. Es ist heute bei uns unvorstellbar, an eine Teilung zu denken. Unsere Kinder wachsen anders auf als wir früher. Der Gedanke, dass dort drüben Verwandte sind, ein anderes System, eine andere Diktatur – das alles ist unvorstellbar.

Es ist aber auch interessant zu hören, wie sich das Land Nordkorea gewandelt hat, dass es dort doch so etwas wie Reformen gibt, dass es bestimmte politische Flügel gibt. Es wird aber immer noch mit eiserner Faust regiert, und Andersdenkende werden um die Ecke gebracht. Es ist nicht schön, es ist grausam. Aber durch das Comic erfahren wir eben ein Stück mehr darüber, wie das ganze System auf die Bevölkerung wirkt und welche Ängste es im Süden auslöst. Ständige Militärübungen, China und die USA – alles gehört zum Alltag. Das Schlimme wie immer: Es leiden stets die Unschuldigen.

Keum Suk Gendry-Kim schafft es, uns bei dem Thema gut mitzunehmen. Sie hält eine Grundspannung aufrecht, sodass „Mein Freund Kim Jong-un“ nicht dröge oder langweilig wirkt. Ganz im Gegenteil. Im Zusammenspiel mit den Panels wirkt die Geschichtsstunde und der aktuelle Blick aufs Zeitgeschehen sehr erfrischend.

Fazit

„Mein Freund Kim Jong-un“ ist ein Comic, der uns das Thema Nord- und Südkorea endlich näherbringt. Der uns vor allem das gesellschaftliche Leben in Nordkorea aufzeigt, was sich verändert hat und wie dennoch hart durchgegriffen wird. Es ist aber auch eine Sehnsucht – eine Sehnsucht nach Frieden.
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