Buch - Drama

Metropol

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Metropol
MetropolBuch - Drama | mit: Eugen RugeBewertung:★★★★★ Eugen Ruge, der aus der ehemaligen Sowjetunion stammt, ist ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer und Regisseur. 2011 gewann er mit seinem Roman „In Zeiten abnehmenden Lichts“ den Deutschen Buchpreis. Nun hat der Rowohlt Verlag seinen neuen Roman „Metropol“ veröffentlicht, in dem er ein weiteres Stück seiner Familiengeschichte aufarbeitet. Handlung Im Roman „Metropol“ (Name eines Moskauer Luxushotels) wendet sich Eugen Ruge der Vergangenheit seiner Familie zu, nämlich der Lebensgeschichte seiner Großmutter Charlotte, die gemeinsam mit dem Stiefgroßvater des Autors Ende der 1930er Jahre für die Kommunistische Internationale in Moskau tätig war. Er stützt sich dabei auf die Dokumente des Russischen Staatsarchivs für soziopolitische Geschichte und versetzt die Leserschaft in die Zeit des politischen Terrors Stalins. Moskau 1936, Charlotte und ihr Mann Wilhelm, von den kommunistischen Ideen überzeugt, kommen in die Nähe von Moskau, um im internationalen Trupp des Nachrichtendienstes der Komintern mitzuarbeiten. Überraschend erfährt sie von der Verhaftung Emels, den sie gut gekannt hat und von dem sie sich nicht vorstellen kann, dass er ein „Volksfeind“ sei. Charlotte und Wilhelm werden suspendiert und im Hotel Metropol einquartiert. Nach und nach kommen weitere Komintern Mitarbeiter dazu, die dann nacheinander vom NKWD (Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) verhaftet und des Verrats beschuldigt werden. Charlotte und Wilhelm beginnen sich zu fragen, ob sie nicht imstande waren, Feinde zu erkennen und was nun mit ihnen passieren wird.BewertungÜber die Stalin Zeiten in der ehemaligen Sowjetunion gibt es zahlreiche Werke, als erste kommen natürlich diejenigen von Solschenizyn und Rybakow. Eugen Ruge ist es gelungen, eine Nische zu finden und eine unbekannte Seite aufzuschlagen. Die Kaderakte seiner Großmutter bildet das Fundament des Romans, in dem sich Realität mit Fiktion vermischt. Sehr realistisch schildert er die bleierne Zeit der Ungewissheit, Ängste, Zweifel aber auch der Überzeugungen und des Glaubens seiner Haupthelden. Auch das Ausmaß der Terror-Maschinerie Stalins wird beim Lesen bewusst und man bekommt Gänsehaut: „138 Todesurteile in drei Tagen“ verkündet stolz Wassilij Wassiljewitsch Ulrich, Vorsitzender des Militärkollegiums des Obersten Gerichts der UdSSR. Das Verschwinden von Leuten, Angst, Kontakte zu pflegen und mit den Menschen zu reden, diese Atmosphäre Ende der 1930er in Russland wird mit Hilfe kleiner Details und ungesagter Worte sehr deutlich, man spürt diesen schmalen Grad zwischen Überzeugung, Wissen, Gehorsam, Loyalität und Verrat, auch Verrat als Versuch, dem Tode zu entgehen.
Fazit Ein lesenswertes Stück Zeit- und Familiengeschichte.
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