Buch - Drama
Mitternacht in Tschernobyl
Mitternacht in TschernobylBuch - Drama | mit: Adam HigginbothamBewertung:★★★★★ Adam Higginbotham, der mit seiner Familie in New York lebt und für »The New Yorker«, »The New York Times Magazine«, »Wired«, »GQ«, und »Smithsonian« schreibt, hat über zehn Jahre in den Archiven zu dem Unfall in Tschernobyl recherchiert und unzählige Interviews mit Personen geführt, die diese Katastrophe unmittelbar miterlebt haben. Seine fesselnde Dokumentation, beinahe ein Thriller, „Mitternacht in Tschernobyl - Die geheime Geschichte der größten Atomkatastrophe aller Zeiten“ ist kürzlich im S. Fischer Verlag erschienen. Handlung In seinem Werk, seiner Reportage schildert Adam Higginbotham mit unglaublicher Detailliertheit die Geschichte der größten Atomkatastrophe in der ehemaligen Sowjetunion. Angefangen von den Ursprüngen der Nutzung der Atomenergie, der Entwicklung und dem Bau des Kraftwerkes in Tschernobyl bis zur Explosion am 26. April 1986 und weiter über die Liquidation der Folgen, die Zeit danach, bis in unsere Zeit, die durch Fukushima und die Klimakrise gezeichnet ist. Das Buch wird von fast 200 Seiten Anmerkungen ergänzt, die die Quellen des Autors belegen. BewertungIm April 1986 war ich fast 14 Jahre alt und kann mich noch gut erinnern, als die Pressemeldungen über die Explosion im Reaktorblock vier des Atomkraftwerkes in Tschernobyl kamen, zuerst etwas verhalten, dann aber immer schrecklichere Nachrichten, auch über die Liquidatoren, die schutzlos in den Tod geschickt wurden. Mittlerweile, nach über 30 Jahren, gibt es sogar Touren in die Gegend, nur Extreme wagen sich da hinein. Und doch gibt es ehemalige Bewohner, die in die Nähe des Kraftwerkes zurückgekehrt sind. Tschernobyl war nicht die erste Katastrophe und auch leider nicht die letzte, aber bis jetzt die größte und ist daher nach wie vor ein Thema für Bücher, Dokus und Presse.
Nach der neuen HBO-Minifernsehserie „Tschernobyl“ gibt es nun eine „Tschernobyl-Enzyklopädie“ – das Buch von Adam Higginbotham „Mitternacht in Tschernobyl“. Es ist eine unglaublich tiefgründig recherchierte Dokumentation, die sekundengenau den Katastrophenhergang wiedergibt und die Zeit davor und danach abbildet. Es entsteht beim Lesen der Eindruck, dass man sich eine fesselnde, aber auch sehr erschreckende Dokumentation mitanschaut, einen Thriller und einen Horrorfilm zugleich, die bei weitem alle bekannten Publikationen übertreffen. Meisterhaft porträtiert der Autor auch alle beteiligten Personen, beginnend mit dem unterqualifizierten Kraftwerksdirektor und dem Chefingenieur, über die Belegschaft, die Feuerwehrmänner, die politische Führung des Landes und der Region, die Kernkraftexperten, die Generäle und KGB bis hin zu den Ärzten des Krankenhauses Nummer 6 in Moskau sowie ihren ausländischen Kollegen. In der deutschen Ausgabe wurde der Untertitel etwas verändert, im Original heißt das Buch „Midnight in Chernobyl. The Untold Story of the World`s Greatest Nuclear Disaster“ – eine „unerzählte Geschichte“ und meiner Meinung nach passt das Original besser. Higginbotham erzählt die Geschichte der Nutzbarmachung der Kernkraft von ihren militärischen Anfängen im Zweiten Weltkrieg bis zu den Debatten nach Fukushima und in Anbetracht der Klimakrise. Fukushima ist leider aus den Presseberichten verschwunden, eine ähnliche Aufarbeitung wäre sicher wünschenswert. Die Geheimhaltungsmanie und Schlamperei waren ja nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion zu finden, auch wissenschaftliche Studienergebnisse hängen des Öfteren von den sie finanzierenden Lobbys ab und solche Zustände in kleinerer oder größerer Ausprägung findet man leider überall auf der Welt. Unglaublich, dass die Menschheit auch unter anderem nach dem Drama in der Sowjetunion nichts dazu gelernt hat. Und die Darstellung dieses menschlichen und technologischen Dramas ist Higgingbotham kinotauglich gelungen. Wiewohl man nach dem Lesen des Buches eigentlich zur Erkenntnis kommt, dass es beinahe unmöglich ist, dieses Buch mit allen seinen anschaulichen und realistischen Details, Gefühlen, technischen und geschichtlichen Hintergründen auf eine Leinwand zu bringen, ohne dass Wertvolles und Einzigartiges, das es ausmacht, verloren geht.
Fazit Eine unglaubliche Dokumentation, die die Leserschaft in die Rolle der Zeitzeugen versetzt, sprachlos macht, an manchen Stellen Gänsehaut hervorruft und sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Dabei erscheint das Wort „Bestseller“ zu blass.
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Nach der neuen HBO-Minifernsehserie „Tschernobyl“ gibt es nun eine „Tschernobyl-Enzyklopädie“ – das Buch von Adam Higginbotham „Mitternacht in Tschernobyl“. Es ist eine unglaublich tiefgründig recherchierte Dokumentation, die sekundengenau den Katastrophenhergang wiedergibt und die Zeit davor und danach abbildet. Es entsteht beim Lesen der Eindruck, dass man sich eine fesselnde, aber auch sehr erschreckende Dokumentation mitanschaut, einen Thriller und einen Horrorfilm zugleich, die bei weitem alle bekannten Publikationen übertreffen. Meisterhaft porträtiert der Autor auch alle beteiligten Personen, beginnend mit dem unterqualifizierten Kraftwerksdirektor und dem Chefingenieur, über die Belegschaft, die Feuerwehrmänner, die politische Führung des Landes und der Region, die Kernkraftexperten, die Generäle und KGB bis hin zu den Ärzten des Krankenhauses Nummer 6 in Moskau sowie ihren ausländischen Kollegen. In der deutschen Ausgabe wurde der Untertitel etwas verändert, im Original heißt das Buch „Midnight in Chernobyl. The Untold Story of the World`s Greatest Nuclear Disaster“ – eine „unerzählte Geschichte“ und meiner Meinung nach passt das Original besser. Higginbotham erzählt die Geschichte der Nutzbarmachung der Kernkraft von ihren militärischen Anfängen im Zweiten Weltkrieg bis zu den Debatten nach Fukushima und in Anbetracht der Klimakrise. Fukushima ist leider aus den Presseberichten verschwunden, eine ähnliche Aufarbeitung wäre sicher wünschenswert. Die Geheimhaltungsmanie und Schlamperei waren ja nicht nur in der ehemaligen Sowjetunion zu finden, auch wissenschaftliche Studienergebnisse hängen des Öfteren von den sie finanzierenden Lobbys ab und solche Zustände in kleinerer oder größerer Ausprägung findet man leider überall auf der Welt. Unglaublich, dass die Menschheit auch unter anderem nach dem Drama in der Sowjetunion nichts dazu gelernt hat. Und die Darstellung dieses menschlichen und technologischen Dramas ist Higgingbotham kinotauglich gelungen. Wiewohl man nach dem Lesen des Buches eigentlich zur Erkenntnis kommt, dass es beinahe unmöglich ist, dieses Buch mit allen seinen anschaulichen und realistischen Details, Gefühlen, technischen und geschichtlichen Hintergründen auf eine Leinwand zu bringen, ohne dass Wertvolles und Einzigartiges, das es ausmacht, verloren geht.
Fazit Eine unglaubliche Dokumentation, die die Leserschaft in die Rolle der Zeitzeugen versetzt, sprachlos macht, an manchen Stellen Gänsehaut hervorruft und sicher lange in Erinnerung bleiben wird. Dabei erscheint das Wort „Bestseller“ zu blass.