Comic - Geschichte

München 1945 - Gesamtausgabe 1

Veröffentlicht am 30.11.-0001
München 1945 - Gesamtausgabe 1
München 1945 - Gesamtausgabe 1Comic - Geschichte | mit: Sabrina SchmatzBewertung:★★★★★ Wer hätte es gedacht, dass man im Krieg auch Sörens wie Liebe finden kann, eine Liebe zwischen den Feinden. Seit Romeo und Julia wissen wir, dass das möglich ist, aber das die Realität unserer Ahnen gleiches erlebt hat, beschreibt die Künstlerin Sabrina Schmatz in ihrem Comic „München 1945“. Wer also eine Geschichtsrunde mit dem Thema „Die Stunde Null“ erwartet hat, der hat sich in den Finger geschnitten. Handlung 1945, kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs: Über München werden Flugblätter abgeworfen, die die Ankunft der Amerikaner ankündigen und den Bürgern mitteilen, wie sie sich verhalten sollen. Eins ist klar: der Krieg ist verloren und hat endlich ein Ende gefunden. In diesen unruhigen Zeiten lernen sich Daniel, ein amerikanischer Soldat mit medizinischer Ausbildung, und die Deutsche Konstanze kennen…BewertungDer „Carlsen“ Verlag veröffentlicht „München 1945“ nun in insgesamt zwei Gesamtausgaben und hat das Comic vom „Schwarzen Turm“ übernommen. Der bereits im Jahr 2017 für Fourore sorgte, denn die Autorin und Zeichnerin Sabrina Schmatz hat den „ICOM-Independent-Comic-Preis“ in der Kategorie „Herausragendes Artwork“ gewinnen können. Und ja, die Zeichnungen sehen sehr gut aus. Nicht, wie das Cover es vermuten lässt, in prächtigen Farbgewandt, sondern in einem markanten aber doch verträumten schwarz-/weiß-Stil. Dieser fängt die Katastrophe gut ein. Das Leben im Jahr 1945 war nicht farbenfroh, sondern grau und düster. Die Menschen mussten sich nach dem Nationalsozialismus neu erfinden, mussten ihren Platz in der neuen Welt finden.

Thematisch wird diese Epoche sehr gut eingefangen. Es wird von Schuld und Sühne berichtet. Es gibt Überzeugte und Unwissende. Für Volk und Führer hängt genauso in den Köpfen, wie bei einigen der Widerstand. Nicht alle waren Nazis. Was sicherlich oftmals eine Schutzbehauptung war, trifft aber genauso oft zu. Dabei unterscheiden sich jedoch auch die Geister. Die einen waren Mitläufer, die anderen haben sich aktiv gegen das System gestellt. Waren Ärzte und haben Juden behandelt. Die anderen sind der Stimme verfallen, sind der Verfügung gefolgt und haben sich mitschuldig gemacht.

Das Happy-End serviert die Liebesstory zwischen einer deutschen Frau und einem amerikanischen Soldaten. Zwei Feinde, die zueinander finden, die zeigen, dass die Menschlichkeit siegen kann. Dennoch wird ihnen sehr viel Misstrauen entgegengebracht. Gerade das „Fräulein“ hat es nicht einfach. Genauso schwer zu ertragen sind die Kriegsverbrechen. Es wird ein kurzer Ausschnitt gezeigt, der belegt, was die „Endlösung“ denn genau war. Auf der anderen Seite wurde die Genfer Konvention missachtet und unzählige gefangene Soldaten umgebracht. Dieses Phänomen gab es auf beiden Seiten, leider fand an dieser Stelle oftmals die Siegerjustiz statt. Eine Aufarbeitung findet aber sehr wohl in „München 1945“ statt. Sind zwar die Vorbehalte gegenüber „den Anderen“, jedoch stellt besonders die Hauptcharakterin entscheidend Fragen und die Behauptung, dass man genau dieses Schicksal verdient gehabt hat, ist schon beachtenswert.

Dennoch ist auch eine Aufbruchstimmung zu entnehmen. Obwohl die Bevölkerung wegen Essen anstehen muss, verspürt der Leser, gerade durch die aufkeimende Liebesgeschichte so etwas wie Zuversicht. Die Zukunft - wie wir jetzt alle wissen - ist auf jeden Fall rosiger und farbenfroher. Kritikpunkt sind sicherlich die vielen kleine Zufälle. Ich meine damit die kleinen Begegnungen, die in einer zerstörten Großstadt sehr häufig stattfinden.
Fazit „München 1945“ ist ein bildgewaltiges Comic, welches uns zeigt, dass Grenzen eingerissen werden können und unüberbrückbare Hürden fallen können, wenn es der Mensch zulässt.
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