Comic - Geschichte

Parallel

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Parallel
ParallelComic - Geschichte | mit: Matthias LehmannBewertung:★★★★★ Matthias Lehmann ist Autor und Zeichner und dürfte nicht jedem bekannt sein, obwohl er schon den einen oder anderen Award gewinnen konnte. Ich selbst wurde jetzt mit "Parallel" auf ihn aufmerksam und wurde sofort in seinen Bann gezogen. Auf der einen Seite war es das Thema, der Comic beschäftigt sich mit der verbotenen Homosexualität in der deutschen Geschichte, und die sehr ansprechenden Zeichnungen. Insgesamt gesehen ist Lehmann nicht nur vom Umfang her, sondern auch vom Inhalt, ein "dickes Ding" gelungen. Handlung Karl Klings Geschichte ist eine Offenbarung. Eine Offenbarung gegenüber seiner Tochter Hella, die viele Jahre zuvor den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Karls Brief an sie ist nichts weniger als der Versuch, ihr jenen Unbekannten vorzustellen, der ihr Vater ist, ihr jedoch nie ein Vater zu sein vermocht hatte. Im Rückblick auf sein Leben erfahren Hella und die Leser*innen von Karls gescheiterten Ehen, zerrütteten familiären Beziehungen – und von seiner Liebe zu Männern.
BewertungIrgendwie interessant. Ein Mann geht in Rente und bekanntlich sind alte Menschen kleine Bibliotheken. Sie bringen eine Menge Erfahrung mit, haben Dinge erlebt und haben ihre Geheimnisse. Diese offenbaren sich dem Leser nach und nach, indem Karl Kling seiner vernachlässigten Tochter einen Brief schreibt. Nach Jahren ohne Kontakt möchte er mit diesem Schriftstück endlich wieder Kontakt aufnehmen und damit den Versuch starten, ein Vater zu sein, was er all die Zeit nicht war.

Wir folgen dem Hauptprotagonisten auf seinen Spuren, die uns zunächst an die Front führen, wobei wir das erste Stück deutscher Geschichte erleben. Wir werden aber nicht aktiv in die Kriegshandlung mit einbezogen, sondern sehen zwei Köche bei der Essensausgabe. Doch in der ersten Nacht passiert etwas gar Unglaubliches, was mit Sicherheit in der damaligen Zeit nicht erlaubt war, die zwei Männer schlafen auf einem Feldbett zusammen. Es ist ein Panel, was anzeigt, wo die Reise hingeht. Ich selbst hatte mir nicht die Beschreibung auf der Seite von "Reprodukt" angesehen, daher wußte ich nicht, mit welchem Thema sich "Parallel" beschäftigt. Daher war diese Momentaufnahme, die Szene, die mich nachhaltig berührt hatte und mich auf den weiteren Plot eingestimmt hat.

Dieser zeigt auf, was homosexuelle Menschen in den letzten Jahrzehnten in unserem doch recht freien Land erdulden mussten. Die Missachtung gipfelte relativ schnell in Gewalt. Die Schläge taten weh, jeden Schlag spürte der Leser, doch der Grund, warum die jungen Männer angegriffen wurden, schmerzte emotional noch viel mehr. Im weiteren Verlauf erzählt Matthias Lehmann immer mehr von seiner Figur und seinem Leben. Höhepunkt ist der Mut sich trotz der Widerstände zu öffnen.

Die Zeichnungen sind, wie oben bereits geschrieben, sehr ansprechend. Der einprägsame vschwarz-weiß Stil, der sehr dominant auf den Leser wirkt und dennoch den nötigen Spielraum für die Emotionen lässt, hat mich von der ersten Seite an überzeugt.
Fazit "Parallel" ist ein toller Comic, der ein wichtiges Thema erzählt. Matthias Lehmann gelingt es anhand seiner Hauptfigur, dieses spannend und emotional zu erzählen. Das ergibt die Höchstpunktzahl fünf von fünf Geek Whisper Sternen!
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