Comic - Geschichte

Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima #1

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima #1
Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima #1Comic - Geschichte | mit: Kazuto TatsutaBewertung:★★★★★ Kazuto Tatsuta wurde im „Der Tagesspiegel“ als „ein Pionier der ernsthaften Manga-Erzählung“ betitelt und nachdem ich das erste Werk von ihm gelesen habe, muss ich gestehen, dass die Aussage treffend ist. Sicherlich sind einige verspielte Manga-Eigenschaften enthalten, doch die Kernaussage ist tiefgreifend und sehr politisch. Nicht, dass das Hauptthema, der GAU von Fukushima nicht schon ein strahlendes Aushängeschild ist... Handlung Kazuto Tatsuta lässt sich als Aufräumarbeiter in der Ruine des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi anstellen, das in Japan als »1F« zum Synonym für ein nationales Trauma geworden ist. Neutral und sachlich beschreibt er seine Arbeit, das Gelände, die Prozedur des Anlegens der Schutzanzüge. Er erzählt von der Angst der Kollegen, die größtenteils aus dem evakuierten Gebiet stammen, von den Subunternehmen bei denen er angestellt ist und denen Verbindungen zur Yakuza nachgesagt werden, von der Radioaktivität ─ nach zwei Monaten hat sein Körper die jährliche Strahlenhöchstdosis aufgenommen und er muss pausieren. Zeit, um als Augenzeuge unter einem Pseudonym seinen Manga zu zeichnen und in Bildern festzuhalten, was von offizieller Seite verschwiegen wird. In seinem Bericht verwischt Kazuto Tatsuta die Grenze zwischen Unterhaltung und Journalismus. Als Augenzeuge ist es dem Mangaka möglich, die Arbeit im Kraftwerk nach dem Super-Gau detailgetreu zu schildern ─ und auch die Stimmung unter den Kollegen einzufangen.BewertungDer Leser bekommt in wellenartigen Erzählungen den ganzen Wahnsinn von den Aufräumarbeiten aufs Butterbrot geschmiert. Zunächst sind wir voll drin und erfahren, wie es ist, einen Anzug zu tragen, in der Sonne zu schwitzen, um dann zu hoffen, dass man nicht die erhöhte Strahlung abbekommen hat. Dabei fürchten die Männer (Frauen konnte ich keine im Manga sehen) nicht die Strahlung wegen möglicher Gesundheitsschäden, sondern, weil sie dann von der Arbeit abgezogen werden und keinen Job mehr haben. Am Reaktor selbst zu arbeiten ist ein begehrter Beruf, schließlich mussten sich die Arbeiter erst einmal hocharbeiten. Unglücklicherweise versuchen die Verantwortlichen sich nämlich mit Billiglöhnen aus der Affäre zu ziehen. Die Kosten der Unterkunft wird zum Beispiel vom Lohn bezogen, sodass die Männer anfangs sogar in die Situation geraten, dass sie Schulden bei ihrem Arbeitgeber haben, obwohl sie in einer Sperrzone ihren Dienst vollbrächten müssen. Wir bekommen die Story wie anfangs beschrieben in Schüben näher gebracht, von daher überschneiden sich einige Ereignisse. In einem Kapitel werden diese angesprochen, in dem Nächsten dann näher erläutert. Zunächst hat mich das ein wenig gefordert, ich empfand es als störend, doch nachdem ich mich dran gewöhnt hatte, fand ich es schlussendlich doch recht gelungen.

Die Sichtweise der Mitarbeiter ist neben den oben soziologischen Problemen die nächste große Überraschung, denn diese denken nicht gerade wie der Rest der Welt. Die Meinungen erinnerten mich sogar an eine Dokumentation, die ich als Kind über Tschernobyl gesehen hatte. Erfreulich auch, dass sich die Natur wohl relativ schnell erholt hat und sogar Kühe geboren wurden, die keine von Menschenhand angetackerte Markierung am Ohr hatten. Alle Sachen haben halt auch etwas Gutes. Die Zeichnungen waren schon recht ansprechend, insbesondere für das Medium waren sie sogar vergleichsweise sehr detailliert dargestellt, was eindeutig zum Lesefluss beigetragen hat. Zugegeben, ich habe nicht viele Manga in meinem Besitz, jedoch werde ich die Reihe „Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima“ weiter verfolgen, denn mich interessieren die Menschen die bei einem havarierten Reaktor arbeiten. Fazit „Reaktor 1F - Ein Bericht aus Fukushima“ legt einen interessanten Auftakt hin, der neugierig auf mehr macht, gerade weil einige überraschende Dinge angesprochen werden.
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