Game - Abenteuer

Red Dead Redemption 2 (PC)

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Red Dead Redemption 2 (PC)
Red Dead Redemption 2 (PC)Game - Abenteuer | mit: Rockstar GamesBewertung:★★★★★ Etwas mehr als ein Jahr nach dem Release von Red Dead Redemption 2 für die Konsolen PS4 und Xbox One können auch PC-Gamer in den Genuss einem der vermeintlich besten Spiele aller Zeiten (Metascore der PS4-Version liegt bei 97 aus 99 Kritiken) kommen. Warum ich das Spiel von außen betrachtet großartig finde, es aber trotzdem nicht geschafft habe, das Spiel auch nur ansatzweise erfolgreich zu spielen, könnt ihr hier lesen. Handlung Der Wilde Westen kurz vor der Jahrhundertwende: Arthur Morgan ist ein Outlaw und ein Teil der Bande von Dutch van der Linde. Zusammen reisen sie durch die Weiten des amerikanischen Westens, denn nachdem ein Überfall schief gegangen ist, müssen sie ihr Versteck in Blackwater aufgeben und sich auf die Suche nach einer neuen Bleibe machen. Um diese Flucht zu finanzieren überfällt die Bande den Zug des schwerreichen Leviticus Cornwall. Jetzt müssen Morgan und seine Bande nicht nur gegen ihre Erzfeinde, die O’Driscolls, kämpfen, sondern ständig auf der Hut vor den Schergen Cornwalls sein. Trailer BewertungBoah, ist das Spiel riesig! Überall gibt es Sachen, die entdeckt werden wollen. Man kann kaum entspannt durch die Gegend reiten, ohne auf etwas zu stoßen. Denn man kann – und soll – Tiere jagen und Pflanzen sammeln. Craften ist in Red Dead Redemption 2 sehr angesagt. Am Lagerfeuer kann man Verbesserungen zusammenzimmern – sei es für Klamotten oder Waffen, aber auch für seinen treuesten Begleiter, das Pferd, sind unglaublich viele Items vorhanden, die man erstellen kann. Aber auch Verbrauchsgegenstände wie Medizin, Essen oder Tränke kann man sich zusammenbrauen. Je besser die Qualität der Gegenstände, die man sammelt, desto besser sind auch die Gegenstände, die man aus ihnen herstellen kann. Das Crafting ist sehr vielseitig und komplex, man könnte sich stundenlang damit auseinandersetzen und sich auf die Suche nach den allerbesten Zutaten machen. Die Suche wird durch eine besondere Fähigkeit, das Adlerauge, erleichtert. Das Adlerauge verlangsamt das Geschehen um einen herum und taucht die Welt in ein grau-blaues Licht. In diesem Modus werden Fährten, nützliche Pflanzen und die eigene Witterung angezeigt. Dadurch kann man Tiere verfolgen und man kann darauf achten, dass man gut im Wind steht und die Beute nicht sofort die Flucht ergreift. Man ist auch dazu ein bisschen angehalten, so viel wie möglich zu sammeln und zu entdecken, da dieser Fortschritt über das Tagebuch von Morgan festgehalten wird. Man will ja auch hier und da etwas Geld sparen und das Brauen von Tränken und Medizin ist wesentlich billiger, als welche beim Händler zu kaufen. Ich finde diese sehr realistische Herangehensweise echt schön, hat mich aber auch schnell von der Hauptstory abgelenkt.
Arthur Morgan ist nicht der einzige, der in den Weiten des Wilden Westens unterwegs ist. Man trifft auf viele verschiedenen Menschen, viele davon kann man einfach mal grüßen – oder auch ausrauben. Aber Achtung: Zu viele böse Taten rächen sich irgendwann, denn deine guten und schlechten Taten werden in einem Ehren-Balken festgehalten. Hin und wieder trifft man auf Menschen, die mit Aufgaben auf einen warten. Diese variieren von „bringe mich bitte zum Dorf XY“ über „spiele eine Runde Domino mit uns“ bis hin zu langwierigen Aufgaben. Meine Lieblingsbegegnung war die mit einer Hobbypaläontologin, die Morgan damit beauftragt, Dinosaurierknochen zu finden. Es gibt aber nicht nur nette Menschen, die man unterwegs trifft, denn auch andere Banden haben sich in dieser Ecke der Welt breit gemacht. Diesen kann man gut ausweichen, denn sie erscheinen in der Karte als rote Punkte. Aber man kann sich auch mit ihnen anlegen und kämpfen.
Dass ich mich komplett in den vielen Side-Quests verloren habe, merkt man vielleicht. Die sind auch Schuld daran, dass ich mit der Hauptstory so überhaupt nicht vorankomme. Denn eigentlich soll Arthur Morgan den Bandenmitgliedern aushelfen und das Hauptquartier in Schuss halten. Denn hier gibt es auch allerhand zu tun. Die Haushaltskasse ist ständig leer, das Lager braucht jede Menge Upgrades und die Menschen dort kommen ständig an und wollen, dass man ihnen hilft. Sei es, dass man durch die Gegend reitet, um Schulden einzutreiben, mit den Mädels ins Dorf fährt oder versucht, ein Bandenmitglied aus dem Gefängnis zu befreien. Mich haben die ganzen Menschen im Lager etwas überfordert und ich bin konnte der ganzen Geschichte nicht so recht folgen, was dazu geführt hat, dass ich mich eher auf den Weg gemacht habe, um jenseits des Lagers die Gegend zu erkunden.
Ich bin generell etwas von dem Spiel überfordert. Das Spiel ist sehr realitätsnah, was mich oft aus dem Konzept gebracht hat. Man muss ständig den Ausdauerbalken – sowohl vom Pferd als auch von Morgan – im Auge behalten, denn man kann nicht ewig rennen oder schnell galoppieren. Dadurch ziehen sich die Wege, die man überbrücken muss, ewig in die Länge und irgendwann kann auch die sehr schöne Landschaft einen nicht mehr entertainen. Man darf nicht allzu sehr von den Pfaden abkommen, da man sonst Gefahr läuft, in einer Sackgasse zu enden, da man nicht klettern kann. Mich daran zu gewöhnen war sehr hart, v.a. weil ich gerade erst Assassins Creed Odyssey gespielt habe, wo ich zum Schluss von Berggipfeln runterspringen konnte, ohne zu sterben. Ausdauer und Gesundheit laden sich auch sehr langsam von selbst wieder auf, sodass man auf Medizin und Tränke angewiesen ist. Viel tragen kann man aber nicht, was dazu führt, dass man sich sehr genau einteilen muss, was man bei sich haben will. Der Gipfel des Realismus in RDR2 ist für mich aber, dass Morgans Haare ständig wachsen. Einerseits ist das gut, da man Morgan sehr genau frisieren kann – im Lager kann man sein Bart nach seinen Vorstellungen beliebig formen. Andererseits endete das bei mir aber sehr oft damit, dass ich plötzlich einen wilden, haarigen Morgan hatte, der aussieht wie ein verrückter Eremit.
Dieser teilweise brutale Realismus hat aber noch einen gewissen Charme, mit dem ich mich irgendwann hätte anfreunden können. Aber irgendwann hatte ich einfach keine Lust mehr, weil ich mit der Steuerung überhaupt nicht klargekommen bin. Es gibt zu viele Menüs, die man auf unterschiedliche Weise aufrufen kann. Ich habe irgendwann den Überblick verloren, wo meine Sachen sind und wie ich sie finden kann – z.B. meinen Bogen. Der war immer in der Satteltasche meines Pferdes, wenn ich mit meinen Bandenmitgliedern Missionen abschließen musste, in der Jagen angesagt war. Aber dann, als die Mission vorbei war, war auch der Bogen wieder verschwunden. Vielleicht bin ich zu blöde, aber wiedergefunden habe ich den Bogen immer noch nicht…
Aber nicht nur die Menüs haben mir das Genick gebrochen, ständig habe ich mich aus Versehen mit Leuten angelegt, weil ich sie vom Pferd aus getreten habe. Denn auch hier greift der realitätsnahe Ansatz von RDR2, da man nicht nur reiten, sondern vom Pferd aus auch kämpfen kann – und das beinhaltet auch „Nahkampf“, sprich man kann Gegner, die zu Fuß unterwegs sind, mit einem schwungvollen Tritt außer Gefecht setzen. Das habe ich dann auch aus Versehen getan, und weil die Menschen in der Spielwelt von RDR2 immer auf 180 sind, fliegen die Fäuste relativ schnell. Die Kämpfe habe ich, wenn, dann nur mit Müh und Not gewonnen. Auch hier ist die Kritik eigentlich ein zweischneidiges Schwert. Denn einerseits ist es sehr schön, dass man nicht durch auf Knöpfe hämmern brillant choreografierte Kämpfe auslöst. Andererseits ist der realistische und sehr schwerfällige Faustkampf etwas frustrierend. Klar, solche Combos wie bei den Spielen der Arkham-Serie oder der sehr komplexe Kampfstil von Assassin’s Creed Odyssey würden nicht in den Wilde Westen passen. Aber nachdem ich eine ganze Weile nur solche Spiele gespielt habe, ist es eine sehr starke Umgewöhnung.
Fazit Ich habe schnell erkannt, dass Red Dead Redemption 2 überhaupt nicht meine Art von Spiel ist. Die Welt ist sehr groß und bietet sehr viel, was eigentlich sehr schön ist. Die Landschaft sieht unheimlich gut aus und die Tiere und Menschen verhalten sich sehr natürlich. Auch die Fülle an Möglichkeiten, was Side-Quests, Mini-Spiele und Crafting angeht, ist unfassbar groß. Und genau das hat mich einfach überfordert. Das und die Tatsache, dass ich mich mit der Steuerung nicht anfreunden konnte, haben RDR2 zu keinem schönen Spielerlebnis für mich gemacht. Ich verstehe es aber, wenn Leute das Spiel überragend finden, denn ich selbst würde unheimlich gerne das Spiel weiterverfolgen – nur nicht, indem ich selbst weiterspiele.
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