Comic - Drama

Rude Girl

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Rude Girl
Rude GirlComic - Drama | mit: Birgit Weyhe Bewertung:★★★★★ Eigentlich sollte der Comic „Oreo" heißen, doch im Jahr 2019 wurde ein Roman mit gleichlautenden Titel veröffentlicht. Nach dem Versuch "Rude Girl" in "Drei - Eine Annäherung" umzutaufen, einigten sich Verlag und Autorin Birgit Weyhe auf "Rude Girl". Weyhe ist für den "Avant-Verlag" keine Unbekannte und auch in meiner Sammlung ist eines ihrer Werke zu finden. "Lebenslinien" hat damals von mir die volle Punktzahl erhalten. Bereits in diesem Comic hat sie von Menschlichkeit erzählt und dazu aufgefordert miteinander zu sprechen. Gleiches kann man nun auf "Rude Girl" erzählen, nur diesmal geht es um ein aktuelles Thema: Den weißen Rassismus gegenüber der ärmeren, kulturellen Schicht einer Gesellschaft. Handlung In Zeiten der Globalisierung können wir uns überall hinbewegen, von überall arbeiten, überall leben – gesetzt den Fall, wir haben die passende Hautfarbe, ausreichend Bildung und am wichtigsten: den richtigen Pass. Im Rahmen eines Austauschprogramms unterrichtete die weiße Birgit Weyhe aus Deutschland an einem US-College. Während einer Tagung amerikanischer Germanist*innen im Mittleren Westen wird sie mit dem Vorwurf der kulturellen Aneignung konfrontiert. Nutzt sie ihre Privilegien als weiße Autorin aus, wenn sie Geschichten über Schwarze Menschen erzählt?

Sie lernt Priscilla Layne, eine afroamerikanische Germanistik-Professorin mit karibischen Wurzeln kennen. Sie ist ein „Oreo“: zu weiß für die Schwarzen Mitschüler*innen und für die Weißen ist ihre Haut zu dunkel. Sie beschließt gegen alle und alles gleichzeitig zu rebellieren, indem sie sich in ihrer Jugend der Skinhead-Bewegung anschließt und zu einem Rude Girl wird.BewertungGefallen hat es mir. Ganz klar. Es sind ernste Worte, die uns erreichen. Es wird von einem Alltagsrassismus berichtet, der sich aber nicht nur auf die Hautfarbe bezieht, sondern auch auf die Klasse, also die Schicht, der man angehört. Wenn man dann noch dunkelhäutig ist und dazu noch in ärmeren Verhältnisse aufwächst, ist das Leben nicht leicht. Spot in der Schulung, soziale Ausgrenzung und weniger Chancen auf Bildung und gute Arbeit. Es ist eine Art Adel. Was ich damit meine, ist die Chance seine Stellung zu verlassen und aufzusteigen. Wenn man einmal etwas erreicht hat, kann man dieses an seine Kinder weiter geben. Wer gutes Geld verdient, kann seinen Kindern gute Bildungschancen erkaufen, besonders, ganz besonders in den USA. In Deutschland, ja auch hier gibt es diese Adel, jedoch ist es einfacher den einen Schritt nach vorne zu machen. Aber dieser ist schwer. Die Familie steht einem ggf. im Weg, aber auch die Vorbehalte anderer.

Genau diese Themenblöcke gepaart mit Poltischen Einflüssen, begegnen uns in "Rude Girl". Das müssen wir wissen, ganz klar. Dieser dicke Wälzer, immerhin über 300 Seiten stark, erzählt uns aber auch von Hoffnung und Menschen, denen Schichten egal sind. Es ist die Rebellion, der innere Antrieb es besser zu machen, die Energie frei setzt. Freundschaften entstehen. Das Schöne ist DER SPIEGEL, den Weyhe uns vorhält. Auch wir in Deutschland haben Rassismus. Diesen haben wir hautnah gespürt, als uns viele Flüchtlinge aus Syrien erreicht hatten. Schnell schwenkte die Hilfsbereitschaft ab, hin zur Verachtung. Aber auch historische Ergebnisse kommen auf den Tisch. Angesprochen wird unter anderen unsere kurze Kolonialzeit, die von vielen Grausamkeiten bestimmt war. Lange Zeit blieb das Thema unter dem Teppich, erst vor Kurzem konnten im Zeichen der Versöhnung erste Schritte unternommen werden.

Alles in allem spricht die Autorin viele gute Sachen an. Wir sollten über sie nachdenken und gerade dieses Nachdenken spricht an. Ist aktuell und wird leider wohl auch noch länger aktuell bleiben. Fazit "Rude Girl" ist mal wieder ein großartiges Werk von Birgit Weyhe, die wieder ganz in ihrem Element ist!
ZURÜCK INS ARCHIV